Nach dem Marathon liegt Deutschland in Front und eine Sensation in der Luft

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Sieger aus Australien Boyd Exell (© Schwartz)

Morgen kann es in Aachen im Fahrstadion eine Sensation geben – wenn es dem deutschen Team mit Michael Brauchle, Mareike Harm und Georg von Stein gelingt, den Nationenpreis für Deutschland zu gewinnen. Seit 2007 stehen die Niederländer als Sieger an der großen Tafel am Springstadion, Deutschland siegte zuletzt 2005. Nach den ersten beiden Teilprüfungen ist der Sieg in greifbare Nähe gerückt, die deutsche Mannschaft liegt nach Dressur und Marathon in Führung.

Es war proppenvoll im Gelände der Aachener Soers, als am Samstagnachmittag der Marathon der Vierspänner ausgetragen wurde. „Ausverkauft“, so die Auskunft des Veranstalters, wie immer man das in dem weitläufigen Gelände auch feststellen kann. Die vielen Fans erlebten Fahrsport vom Feinsten, spannend bis zum Schluss. Neben den Zuschauern waren vor allem die Fahrer voll des Lobes über die Geländestrecke und die acht Hindernisse, die es zu durchfahren galt. „Einige sehr technisch, da ist ganz präzises Fahren gefordert, in anderen, in denen es auf Beschleunigung und Tempo ankommt, waren die Gespanne im Vorteil, die richtig galoppieren können“, lobt Bundestrainer Karl-Heinz Geiger das Werk von Parcoursbauer Alexander Flocke.

Brauchle jagt Exell im Marathon

Der Schnellste war heute der Australier Boyd Exell. mit 104,48 Strafpunkten beendete er die Geländeprüfung. Im Ziel schwärmte er: „Meine Pferde waren so fantastisch heute, so engagiert! Wir waren in einem richtigen Flow, es hat riesigen Spaß gemacht!“ Wer seine Pferde im Zieleinlauf beobachtete, konnte die Begeisterung des Australiers verstehen, Checkmate, Hero, Ivor und Mad Max waren noch frisch und total entspannt.

Michael Brauchle war Weltmeister Boyd Exell dicht auf den Fersen, fuhr in vier Hindernissen Bestzeit. Carola, Djamilo, Don und Quidditch sind immer dann in ihrem Element, wenn es ans Galoppieren geht. Ein kleines Missverständnis zwischen ihnen und ihrem Fahrer bewirkte im zweiten Hindernis zwei Abwürfe, somit vier Strafpunkte, und kostete wertvolle Zeit, am Ende reichte es dennoch zu Platz zwei (110,56 Strafpunkte).

Mareike Harm ist schon häufig in Aachen für das deutsche Team an den Start gegangen. So gut wie in diesem Jahr hat es im Marathon noch nie geklappt. Platz sechs (116,85), das hat vor ihr noch keine Frau bei den Vierspännern geschafft. Auch sie war voll des Lobes über Racciano, Sunfire, Zalando und Zasou: „Sie haben einfach toll mitgemacht, waren konditionell super drauf. Ich bin alle Wege so gefahren, wie ich sie mir vorgenommen hatte“.

Beifahrer verloren

Nervenstärke bewies Georg von Stein im ersten Hindernis, als kurz nach der Einfahrt einer seiner beiden Beifahrer vom Marathonwagen fiel. Von Stein fuhr scheinbar unbeirrt das Hindernis zu Ende, hielt außerhalb der Strafzone an, der glücklicherweise unverletzte Beifahrer stieg wieder auf und die Fahrt wurde erfolgreich fortgesetzt. Ohne weitere Zwischenfälle erreichte er mit 117,50 Strafpunkten das Ziel, siebter Platz.

Nach seinem zweiten Platz in der Dressur und dem Sieg im Marathon der Kombinierten Prüfung führt Boyd Exell mit 143,27 Punkten das Teilnehmerfeld der 25 Fahrer an. Sensationell auf dem zweiten Rang liegt Mareike Harm (157,85) vor dem US-Amerikaner Chester Weber, der nach seinem Sieg in der Dressur und Platz zwölf im Gelände 158,01 Strafpunkte auf seinem Konto hat. Das wird morgen beim abschließenden Kegelfahren noch richtig knapp, sowohl Mareike Harm wie auch Chester Weber sind gute Kegelfahrer. Michael Brauchle rangiert dank seiner starken Geländeleistung auf Platz vier (166,93), Georg von Stein liegt an siebter Stelle (167,61).

Bundestrainer Karl-Heinz Geiger ist stolz und glücklich. „Alle drei deutschen Gespanne unter den ersten sechs im Zwischenstand der Kombinierten Wertung! Das ist ein fabelhaftes Ergebnis und eine sehr gute Ausgangsposition vor der letzten Prüfung im Nationenpreis“.

In der Zwischenwertung der Mannschaftswertung führt das deutsche Team mit 318,52 Punkten. Selbst Insider im Fahrsport können sich nicht daran erinnern, wann das zum letzten Mal der Fall war. Zwar rückten die deutschen Fahrer in den letzten Jahren immer etwas näher an die Niederländer heran, zu einem Sieg reichte es letztendlich dennoch nicht. Diese Siegesserie kann morgen unterbrochen werden. Die Niederländer haben 328,14 Strafpunkte auf ihrem Konto, der Vorsprung der Deutschen ist einigermaßen komfortabel. Ganz eng ist der Vorsprung der Oranje Fahrer vor den Australiern (332,88), deren Team zwar nur aus zwei Fahrern besteht, in dem außer Boyd Exell aber mittlerweile auch Tor van den Berge ein zuverlässiger Lieferant für gute Runden im Kegelparcours ist. Es wird morgen also durchaus spannend auf dem Fahrplatz in der Aachener Soers.

Ergebnis Marathon CHIO Aachen 2024

Christine Meyer zu HartumRedakteurin

Expertin für den Fahrsport mit eigener Erfahrung sowohl auf dem Bock als auch als Turnierorganisatorin. Westfälische Züchterin mit erfolgreichen Kindern in Pferdesport und -zucht. Reitwartin und Ansprechpartnerin in der Rubrik „Leser fragen, Experten antworten“. Berichterstatterin über internationale Voltigierevents von vielen Welt- und Europameisterschaften.