BuCha 2013: Cindy, Champion der vierjährigen Stuten und Wallache

Bundeschampionesse Cindy OLD unter Hermann Gerdes

Bundeschampionat 2013 in Warendorf (© www.kiki-beelitz.de)

Schon in der Qualifikation fürs Finale der vierjährigen Stuten und Wallache war klar, dass die Oldenburger Landeschampionesse Cindy OLD schwer zu schlagen sein würde. Sie hielt ihre Form konstant bis zur letzten Runde. Lange ist es her, dass ein Trakehner eine Reitpferdemedaille beim Bundeschampionat mitnehmen konnte. 2013 war es wieder so weit.

Neue Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache ist die von Hermann Gerdes vorgestellte Cindy OLD v. Sir Donnerhall-Fürst Heinrich. Dank einer 9,0 im Bereich altersgemäße Ausbildung konnte sich Cindy, Reservesiegerin der Eliteschau von Rastede, amtierende Landeschampionesse und Vollschwester zum Oldenburger NRW-Landbeschäler Sir Heinrich (Z.: Paul Wendeln in Garrel), um 0,1 Punkte verbessern, ehe sie in den Fremdreitertest musste. Da hatte es in der Qualifikation noch eine 8,5 gegeben. Ansonsten war die Bewertung identisch – 9,0 in Trab und Schritt, 8,0 im Galopp, 8,5 fürs Gebäude. Unbeeindruckt vom einsetzenden Regen zog sie unter Hermann Gerdes ihre Runden, streckte sich vorbildlich beim Zügel aus der Hand kauen lassen und überzeugte mit energischer Hinterhandaktivität. Auch die Fremdreiter, Philipp Hess und Miriam Becher, fühlten sich wohl auf Cindy: 18,50 Punkte.

Der Trakehner Brancusi glänzte zwar nicht mit dem rassetypischen Überguss, eher mit „etwas herbem Charme“, wie Kommentator Dr. Dietrich Plewa es ausdrückte, dafür aber mit großer Sportlichkeit. Hinsichtlich seines Exterieurs kann der Kaiserdom-Cupric xx-Sohn seinen Vollblutgroßvater nicht leugnen, hochbeinig wie er ist. Die Richter vergaben eine 7,5 für Typ und Gebäude. Die Bewegungen des Dunkelbraunen aus der Zucht von Roland Mittermayer in Berlin und unter dem Sattel von dessen Schwester Monika Mittermayer sind von großer Elastizität geprägt mit einer steten Bergauftendenz, die sich besonders im Galopp positiv bemerkbar machte, 9,0. Vielleicht sogar schon ein bisschen zu sehr bergauf für einen Vierjährigen bzw. etwas hoch eingestellt, was sich im Trab etwas auf die Rückentätigkeit auswirkte, 8,0. Andererseits ist Brancusi unerschütterlich in seinem Takt und stets in der Balance – auch in den engen Wendungen bei den Schlangenlinien durch die Bahn, mit denen andere Probleme hatten. Das fand lobende Erwähnung bei dem Kriterium altersgemäße Ausbildung, das mit 8,5 bewertet wurde. Unter dem Strich ging der Dunkelbraune mit einer 8,2 in den Fremdreitertest. Zu diesem Zeitpunkt war das noch Rang drei. Doch Hess und Becher fühlten sich sichtlich wohl auf dem Trakehner man hatte den Eindruck, sie wollten gar nicht mehr aufhören zu galoppieren und gaben ihm genausoviel Punkte, wie der Siegerin. Das bedeutete Silber in der Endabrechnung und fassungslose Gesichter bei Familie Mittermayer, die dem St.GEORG einiges über Brancusi verraten hat. Mehr davon in St.GEORG 10/2013 … 

Bronze ging an eine filigrane schwarze Dame, die Rheinländerin Saphira Royal v. San Amour-Monteverdi aus der Zucht von Herbert Werth (Duisburg) mit Kira Wulferding im Sattel. Im vergangenen Jahr hatte sie noch nur Saphira geheißen und war als solche Vierte geworden, damals noch mit Lydia Camp im Sattel. Aber schon damals fiel sie durch ausgesprochene Leichtfüßigkeit und Eleganz auf. Herausragende Grundgangart ist der Trab „natürlich erhaben, mit viel Grundschwung und stets gleichbleibender Frequenz“ wurde dieser mit 9,0 bewertet. Der Schritt ist geregelt und fleißig, im Raumgriff jedoch begrenzt, 8,0. Den Galopp hätten die Richter sie sich ein wenig mehr bergauf gewünscht, 8,0. „Der Prototyp des modernen Sportpferdes“ war eine 8,5 wert, genau wie der Bereich altersgemäße Ausbildung. Die Fremdreiter konnten mit Saphira allerdings offenbar nicht ganz so viel anfangen, 16,50 Punkte und Bronze hinter Brancusi.

Das Rheinland war prominent vertreten, denn auch der Viertplatzierte trat für den neuen Hannoveraner Kooperationspartner an: Codiak v. Cristallo-Carabas aus der Zucht von Rudi Henn in Simmerath mit Danica Duen im Sattel. Er setzte sich mit einer 8,1 (9,0 im Galopp, aber nur 7,5 im Schritt) gegen einen bzw. eine der beiden Württemberger durch: Don Röschen v. Don Diamond-Landioso unter Nicole Casper. Die Fuchsstute kam unter dem Strich auf ein glattes Gut. Ausreißer nach oben und unten von der 8,0 gab es nur im Trab, der eine 8,5 wert war („dynamisch, deutlich bergauf und mit erkennbarem Potenzial beim Zulegen“), und in der Ausbildung, für die es nur eine 7,5 gab, weil die Stute unzufrieden im Maul gewesen sei, wie Plewa die Entscheidung der Richter begründete. Darunter habe auch die Losgelassenheit im Genick gelitten.

Die Süddeutschen können sich freuen mit zwei Pferden im Finale. Hannover war ebenfalls mit zwei Kandidaten dabei. Oldenburg und Westfalen komplettierten das Starterfeld mit je einem Pferd. In den väterlichen Abstammungen tauchte dreimal D auf, zweimal S, einmal das Ramiro-R über Rock Forever sowie einmal das letzendlich auf Cor de la Bryère zurückgehende C, einmal Gribaldi über Hofrat und schließlich Brancusis Vater Kaiserkult, der ein Enkel des Vollblüter Patricius xx ist.

Die vollständige Ergebnisliste