Hannoveraner: 53 gekörte Hengste

Am Ende wurde es noch einmal laut – beim positiven Körurteil für einen Totilas-Desperados-Rappen buhten einige, bei der Zuchtzulassung für einen United-Sohn gab es Gelächter. Anonsten sahen die Zuschauer einen bewegungstarken Jahrgang mit guten Springhengsten.

D und F waren die überragenden Linien der Körung, je elf gingen auf Donnerhall und Florestan zurück. Diamond Hit und Fürstenball stellten je vier Söhne, Desperados und die Springhengste Quaid und Stolzenberg waren mit je drei gekörten Söhnen im Lot vertreten.
Erstmals wurden auch Hengste gekört, die von Mitgliedern des rheinischen Pferdestammbuchs ausgestellt wurden. So bekamen vier von sechs Nicht-Hannoveranern, zwei Westfalen und zwei Rheinländer, eine Zuchtzulassung. Keiner aus diesem Quartett schaffte es in das Prämienlot. Dieses umfasste 19 Hengste, acht mit Spring- und elf mit Dressurabstammungen. Zu den Publikumslieblingen zählten Söhne des Diamond Hit, Fürstenball, St. Moritz junior und Desperados. Im Springen konnten ein Diarado-Contendro-Sohn und die drei Söhne des Quaid – zwar unterschiedlich in der Machart, aber alle ausgesprochen springtalentiert – für sich einnehmen. Das gilt auch für einen Stolzenberg-Montendro-Sohn. Schwierig zu beurteilen war ein Schimmel v. Coupe de Coeur, der einen schier unheimlichen Respekt vor den Stangen hatte. Er wurde nicht gekört, aber diskutiert wurde reichlich. Nicht wenige in der Halle waren der Ansicht, dass dieses Pferd absolute Ausnahmequalität besäße, die nun nicht züchterisch zum Einsatz kommen könnte. Da es vor allem Blutströme nicht-Hannoveraner Herkunft waren, die die väterlichen Pedigrees bestimmten (Cor de la Bryère, Capitol, Quidam de Revel waren am häufigsten vertreten), war es doppelt schade, dass der Hengst nicht gekört werden konnte. Über Stakkato-Prestige Pilot-Sandro mündet der Hengst in einen profilierten Springstamm (Pension/Jungblut, Diepholz) aus Hannover. Allein – die Körkommission konnte nur so entscheiden, ein positives Körurteil hätte Manipulationen in der Zukunft Tür und Tor geöffnet. Ur-hannoversche Linien wie G (Goldfisch) oder E (Escudo, Embassy …) waren im Vaterstamm nicht präsent.
Unter den prämierten Dressurhengsten ernteten ein Diamond Hit-Lauries Crusador xx-Sohn sowie ein St. Moritz junior-Rappe viel Beifall. Auch der erste gekörte Sohn des Grand Prix-Hengstes Damsey hatte viele Fans.
Gelächter gab es, als die Körkommission einem Rappen v. Totilas-Desperados, seine Mutter ist eine Schwester des Moritzburger Landbeschälers Decurio, grünes Licht gab. Dabei stand der Rappe vielen anderen gekörten Jahrgangsgenossen in nichts nach. Er trabte mit guter Hinterbeinaktivität, wobei er seinen Muttervater Desperados in der Konstruktion der Hintergliedsmaßnahmen nicht verleugnen kann. Aber der ist damit Europameister geworden, und sein Vater „Multichampion“. Gelächter erntete das „Go“ für den letzten Hengst, einen Sohn des Niederländers United (v. Krack C-Partout/Trak.) aus einer Stedinger Mutter. Der Fuchs zählte zu den auffälligsten Pferden im Trab – Kraft im Abdruck, Schwung und Takt, dazu das gewünschte Maß an Knieaktion -, galoppierte auch gut. Nur der Schritt wäre mit „übersichtlich“ noch prahlerisch beschrieben.
Die Darstellung der Prämienhengste mit lauter Musik und Applaus wurde von einem Unfall überschattet. Einer der ersten Hengste lief über seinen ins Stolpern geratenen Vorführer, der mehrere Minuten bewegungslos im Sand liegen blieb. Auf der dann mit gebremsten Schaum durchgeführten Runde der restlichen Prämienhengste konnte man sehen, wie schön sich Hengste auch nur in Begleitung von Applaus darstellen können.
Morgen werden die Hengste ab 15 Uhr versteigert.