Gabriele Pochhammer über Sinn und Unsinn des Klonens

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer hat sich mit einem heißen Eisen in der „Pferdezucht“ befasst, dem Klonen. Wenn man in diesem Fall den von „Zucht“ sprechen kann. Zu Wort kommt unter anderem Zangersheide-Chefin Judy Ann Melchior.

Rennfahrer haben es gut. Fährt Sebastian Vettel die teure Kiste zu Bruch, wird schnell ein neuer Flitzer derselben Bauart bereit gestellt. Reiter haben es da ungleich schwerer: Jeder ist nur so gut wie sein bestes Pferd und fällt das aus, weil es krank, verkauft oder einfach nur alt ist, dann bekommt auch die Karriere des Reiters schnell einen Knick oder bricht gar ab. Für beides gibt es genügend Beispiele. Jedes Pferd ist ja quasi eine Einzelanfertigung. Das zu ändern – ein verführerischer Gedanke und durch das Klonen ja nicht mehr unmöglich. Ein argentinischer Polospieler gewinnt mit sechs Klonen einer Ausnahmestute große Matches, es scheint also zu funktionieren. Auch etliche große Sportpferde wurden in den vergangenen Jahren geklont – Wallache wie E.T, zweifacher Weltcup-Sieger unter Hugo Simon, der wunderbare Vollblutschimmel Gem Twist des US-Amerikaners Greg Best, oder auch Rusty von Ulla Salzgeber.

Keine Sportpferde

Im großen Sport hat man von den Doppelgängern noch nichts gehört, überhaupt wird wenig über sie publik gemacht. Jeder erinnert sich an das erste Klonschaf Dolly, dass nach einem unnatürlich kurzen Leben das Zeitliche segnete. Solche gesundheitlichen Probleme gibt es angeblich bei Pferden nicht, versichert das US-Labor Via Gen, spezialisiert auf das Klonen von Pferden, Rindern und Hunden. Die Gegner des Klonens führen an, dass es keinen Zuchtfortschritt gebe. Es gibt nur noch einmal dieselbe Machart, das wäre etwa so, als ob ein Autohersteller seine Modelle nicht weiter entwickeln, sondern nur die Alten vervielfältigen würde. Wir führen dann immer noch im Käfer mit geteilter Heckscheibe durchs Land und beim Abbiegen spränge rechts oder links ein kleiner Winker raus.

Zuchtfortschritt unabdingbar

Der Sport hat sich in den letzten Jahren verändert und die Züchter haben reagiert und die richtigen Pferde geliefert, elegant, leichtfüßig, Piaffe-begabt in der Dressur, wendig und vorsichtig im Springen. Vermögend sowieso. Man stelle sich einen Moment die Heroen vergangener Tage in Neuauflage vor: Eine feinnervige Halla unter Hans Günter Winkler wäre heute wohl immer noch Spitzenklasse, der Panzerschrank Meteor unter Fritz Thiedemann eher nicht. Ratina und Classic Touch von Ludger Beerbaum würden immer noch zu den Besten zählen, auch E.T. von Hugo Simon. In der Dressur hätten es Pferde wie der kalibrige Dauersieger Granat, der jahrelang unter Christine Stückelberger die Szene beherrschte, heute schwer, auch ein Rusty (Ulla Salzgeber) oder ein Ahlerich (Reiner Klimke). Ein Tänzer wie Rembrandt unter Nicole Uphoff würde auch heute noch glänzen, sieht man davon ab, dass in der Spitzenklasse heute wesentlich besser, das heißt mit reell gesetzter Hinterhand, piaffiert wird.

Vorreiter Leon Melchior

Einer der ersten, der das Klonen in Europa ausprobierte, war der niederländisch- belgische Zuchttycoon Leon Melchior. Das Gestüt Zangersheide wird heute von seiner Tochter Judy Anne Melchior weiter geführt und auch die Klontechnik gehört zum Programm. Allerdings mit Augenmaß. „Es geht uns nicht darum, Sportpferde zu produzieren“, sagt Judy Anne Melchior, „sondern darum, besonders wertvolle Genetik für die Zucht zu erhalten, die sonst verloren ginge.“ Also wenn das Ursprungspferd tot ist, wie Ratina Z, Wallach oder unfruchtbar (Cumano). In Zangersheide geht man offen mit dem Thema Klonen um. „Wir machen kein Geheimnis daraus“, sagte Judy Anne. Alle sechs Klone werden ausschließlich in der Zucht eingesetzt. Die Ursprungspferde sind Air Jordan, Chellano, Ratina, Otterongo, Levisto und Cumano, die Klone tragen jeweils das Suffix Alpha hinter dem Namen.

Kopien des Originals

Das Prozedere klingt ein wenig wie aus dem Labor von Dr. Mabuse. Es werden Haut- und Knochenzellen genommen, die gehen an ein Labor, etwa in Frankreich, wo eine Zellkultur angelegt wird. Die wiederum wird an ein Labor in USA oder Argentinien geschickt, wo der dann angezüchtete Embryo einer Trägerstute eingepflanzt wird. Nach der Geburt bleibt das Fohlen drei Monate in einem Aufzuchtbetrieb, erst dann kommt es in sein Heimatgestüt Zangersheide und wächst normal mit den anderen Fohlen auf. Besondere Anfälligkeiten für Krankheiten haben die Klone bisher nicht gezeigt. Einige sind auch angeritten. „Sie lassen sich identisch reiten wie das Urprungspferd“, sagt Judy Anne. „Und sie haben die identische Art zu springen.“ Ob einer ein Überflieger wird wie das Original? „Das weiß ich nicht, vielleicht fehlt der letzte Genius. Das ist dann die Frage: Was macht das Ausnahmepferd aus? Was macht die letzte Klasse?“

Teures Vergnügen

Die Prozedur bleibt teuer, in USA werden 250.000 Dollar pro Klon angesetzt. „Es geht auch billiger“, sagt Judy Anne. Aber als Massenverfahren wird es sich wohl nie rechnen. So werden auch weiterhin vorwiegend die Originale auf den Turnierplätzen antreten. Sollten wir das bedauern?


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  1. Andreas künnemann

    Horrorvorstellung wenn clonen preiswerter wird…. dann clonen die super reichen einfach 5 big stars og emeralds und lassen die gegeneinander starten… sicher super spannend! Dann bitte noch die Reiter clonen denn, wir haben es oft genug gesehen, nicht jedes Weltpferd hat den gleichen Erfolg mit neuem Reiter! In diesem Sinne schön normal weiter züchten!

  2. Andreas künnemann

    Horrorvorstellung wenn clonen preiswerter wird…. dann clonen die super reichen einfach 5 big stars oder emeralds und lassen die gegeneinander starten… sicher super spannend! Dann bitte noch die Reiter clonen denn, wir haben es oft genug gesehen, nicht jedes Weltpferd hat den gleichen Erfolg mit neuem Reiter! In diesem Sinne schön normal weiter züchten!


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