Kristina Sprehe mit „teuren Kleinigkeiten“

Kristina Sprehe und Desperados

(© Julia Rau)

Beim Abreiten alles gut, im Viereck dann gute Momente, aber einige Patzer. Kristina Sprehe und Desperados kamen nicht ganz an das gesteckte Ziel heran.

Da stehen sie nun etwas bedröppelt: Das Bundestrainer-Trio Monica Theodorescu, Jonny Hilberath und Jürgen Koschel, Klaus Roeser, Vorsitzender des Dressurausschusses macht den Tröster, nimmt Kristina Sprehe in den Arm, drückt sie. Desperados und Kristina Sprehe 75,061 Prozent das reicht nicht, um die in greifbarer Nähe gewähnte Goldmedaille sicher zu haben. Da fehlen zwei Prozent im Vergleich zu den Niederländern, die nach der hochbewerteten Runde von Edward Gal die Nase vorn haben zumindest was das sprachliche Bild angeht. Die einzige, die gar nicht so traurig aussieht, ist die Reiterin. Das ist schon Atmosphäre, sagt sie zu dem Fußballstadion. Und sie hat die Probleme nicht kommen gesehen, sondern gehört. Das Schnaufen, das sagte schon, dass da etwas Spannung war. Dabei war der Auftakt genau das nicht zumindest für den Betrachter. Ein Pferd in Balance, mit Go nach vorne, locker durch den Körper arbeitend. Schon das Abreiten zu beobachten war ein Genuss: Viele Übergänge, immer wieder die Losgelassenheit verbessern. Zum Auftakt gab es im Schnitt eine 8,1 für den starken Trab, das Rückwärtsrichten: mustergültig! So soll das aussehen: 8,1. Alle Übergänge sind weich, auch die Passage ist hinten regelmäßiger als in den Vorjahren bzw. bei den Auftritten in Aachen.
Aber dann: die erste Piaffe. Taktverlust, das Pferd drückt gegen die Hand seiner zierlichen Reiterin. Das rächt sich auch in den Noten für die Übergönge. Der starke Schritt ist wieder gut, aber auch die zweite Piaffe gelingt nur mit einem Wackler. Das Schlucken im Kiss-and-Cry-Corner, wo die Deutschen Daumen drücken, meint man zu hören. Es schält sich heraus, drei nach der NASA-Weisheit: Warendorf, wir haben ein Problem. Als dann auch noch im starken Galopp der De Niro-Sohn zehn Meter vorm Wechselpunkt umspringt (Kristina Sprehe: Das hat er noch nie gemacht, das habe ich draußen auch gar nicht geübt. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal alles einmal durchreiten), ist klar.
Die Mission Gold könnte zur Mission Medaille reduziert werden. Was insofern fern von nationalistischen Gefühlen besonders schade ist, weil dem Paar viele Dinge auch sehr gut gelingen: Gute Eierwechsel, sichere Pirouetten, klar eingeteilte und hoch konzentriert gerittene Zickzack-Traversalen. Monica Theodorescu hat diesmal nicht das Wort spitze auf den Lippen: Teure Kleinigkeiten. Desperados kann piaffieren für eine Neun, wenn da dann nur eine Sechs oder Sieben steht, ist das teuer, weil das ja auch die Note für die Übergänge drückt. Aber ihren Mut lässt sich die Trainerin nicht nehmen. Helen und Dami kommen ja noch. Es ist noch nichts entschieden! Allerdings muss Helen Langehanenberg deutlich mehr als drei Prozent vor Adelinde Cornelissen und Parzival landen. Wie der Fuchs die Pause überstanden hat, ist die große Frage.

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