UAE-Distanzsport: FEI bestätigt sieben Medikationsfälle, Generalsekretärin meldet sich zu Wort

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(© Toffi)

Bei den jüngsten Distanzrennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen in den vergangenen vier Wochen insgesamt sieben Pferde ums Leben. Bei sieben weiteren, die an Rennen in Abu Dhabi teilnahmen, wurden verbotene Substanzen festgestellt. Die FEI kündigt Konsequenzen an.

Über die tragischen Unfälle hatten wir bereits berichtet. Die Pferde mit verbotenen Substanzen im Blut wurden bei vier verschiedenen Rennen in Al Wathba, Abu Dhabi, getestet. Und bei allen vier wurde derselbe Cocktail gefunden: das stimulierende Koffein und seine Metaboliten (Substanzen, die als Zwischenstufen oder als Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen des Organismus entstehen) Theophyllin, Theobromin und Paraxanthin. Theophylline, das auch für die Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Asthma eingesetzt wird, kann im Körper zur Koffein verstoffwechselt werden. Eines der Pferde wurde auch positiv auf das Kortikoid Flumetasone getestet. Es wird benutzt, um Hautirritationen zu behandeln. Koffein, Theobromin und Theophyllin werden bei der FEI als „Verbotene Medikation“ geführt. Paraxanthin ist eine verbotene Substanz und damit Doping.

Alle vier Substanzen fand man im Körper des Pferdes Rafik de Kerpoint von der Irin Amy Louise McAuley, die an einem 120 Kilometer Damen-Rennen Ende November teilgenommen hatte.

Die Pferde Castlebar Lightning von Saeed Sultan Shames Al Maamri (UAE), Intisaar von Scheich Rashid Dalmook al Maktoum (UAE) und Mraseel von Scheich Hamed Dalmook al Maktoum (UAE) liefen am 17 Dezember ebenfalls ein 120 Kilometer-Rennen in Al Wathba und hatten ebenfalls alle vier Substanzen im Blut. Mraseel war das Pferd, bei dem zudem Flumetasone gefunden wurde.

Schließlich wurden noch drei weitere Pferde positiv auf alle vier Substanzen getestet. Das war zum einen der Zweitplatzierte eines 120 Kilometer-Rennens am 24. Dezember, Salam Banquetol unter Abdulla Ghanim Al Marri (UAE). Die anderen beiden Pferde liefen über dieselbe Distanz am 14. Januar, eines davon wurde ebenfalls von Abdulla Ghanim al Marri geritten: Tom Jones. Das andere war Aspenview Amir von Saeed Ahmad Jaber Al Harbi (UAE).

Die Reiter sowie die Trainer Ismail Mohd, Khalifa Ghanim Al Marri und Mohd Ahmed Al Subose sind seit dem 30. Januar gesperrt. Den Pferden wurde ebenfalls eine zweimonatige Sperre auferlegt.

Reaktion der FEI

Sabrina Ibánez, die Generalsekretärin des Weltreiterverbandes, hat nun eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die von beiden Seiten durchzusetzen sind, also sowohl von der Reiterlichen Vereinigung der Vereinigten Arabischen Emirate als auch von der FEI selbst.

Angesichts der Todes- und nun auch Medikations- bzw. Dopingfälle verlangt Ibánez „sofortige Maßnahmen“ von der UAE-FN. Die toten Pferde starben bei sechs nationalen und einem internationalen Rennen. Ibánez erklärte: „Ich habe die UAE-FN aufgefordert, dringend Maßnahmen zu ergreifen, die sich speziell mit der Situation in den UAE befassen und wir begrüßen die Schnelligkeit, mit der sie auf diese wirklich ernsten Angelegenheiten reagiert haben. „Wir haben bereits unserer Besorgnis Ausdruck verliehen, dass die tödlichen Knochenbrüche, die wir in den UAE sehen, wahrscheinlich das Resultat von Übertraining sind. Sehr wahrscheinlich sind es bereits existierende Verletzungen, denen man nicht die Zeit gegeben hat, auszuheilen.“

Weiter erklärte sie: „Die Untersuchungen, die die FEI vornimmt und die beim Sportforum und anschließend noch detaillierter während des Distanzforums in Barcelona vom 23. bis 24. Mai vorgestellt werden, werden helfen, die Gründe herauszufinden. Dann können Maßnahmen ergriffen werden, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu vermeiden.“

Beim Sportforum in Lausanne wird es am zweiten Tag (11. April) eine Sitzung geben, die sich mit Risikofaktoren und Knochenverletzungen im Distanzsport beschäftigt. Es werden erste Ergebnisse der Global Injuries Endurance Studie von Dr. Tim Parkin und Dr. Euan Bennet von der Universität Glasgow vorgestellt. Dr. Chris Whitton von der Universität Melbourne wird außerdem darstellen, was es mit Ermüdungsbrüchen auf sich hat.

Die Generalsekretärin kündigte an: „Wenn nach der Präsentation der wissenschaftlichen Erkenntnisse Einigkeit herrscht, welche sofortigen Maßnahmen zu treffen sind, werde ich vorschlagen, den Notfallplan zu benutzen, um die Einsetzung neuer Regeln zu beschleunigen. So, wie wir es schon früher in ähnlichen Situationen gemacht haben.“

Zusätzlich wird die FEI eine Reihe von Treffen mit Trainern und Veterinären in den USA organisieren, um speziell auf die große Anzahl fataler Verletzungen in der Region einzugehen.

Die UAE-FN hat reagiert

Als Antwort auf die Aufforderung der FEI, Maßnahmen zu ergreifen, hat die UAE-FN nun folgende Maßnahmen in Kraft gesetzt:

  • Jeder Stall, in dem ein tödlicher Unfall vorkam, muss nun Buch führen über die Medikation jedes seiner Pferde, ebenso wie Details aus Futterplan und Trainingsplan inklusive dabei angewandter Methoden, Trainingszeiten, Distanzen, Zeiten, Bodenbeschaffenheit usw.
  • Alle Distanzstrecken werden untersucht werden.
  • Überprüfungen aller verbleibenden Distanzrennen der Saison 2017 durch ein Expertengremium für Distanzstrecken, erfahrenen Veterinären inklusive des FEI Veterinächefs
  • Direkte Zusammenarbeit mit örtlichen Organisationskomitees, um Verletzungen der Pferde auf ihrem Gelände zu untersuchen
  • Verschärfte Sanktionen für diejenigen, die für eine fatale Verletzung verantwortlich sind, inklusive Geldstrafen von bis zu 15.000 Euro und Strafpunkten
  • Größerer Kreis von Personen, die zur Verantwortung gezogen werden können, zusätzlich zu Trainern und Tierärzten

Sabrina Ibánez erklärte: „Die neue Führungsetage der UAE-FN, die sich vergangenen Monat mit dem FEI-Präsidenten getroffen hat, ist deutlich engagierter und transparenter als die vorherige. Wir voller Hoffnung, dass wir durch ihre fortgesetzte Zusammenarbeit mit der FEI zusammen radikale Verbesserungen vornehmen können, um die Menge an Verletzungen und Dopingfällen anzugehen. Das ist etwas, was von innen nach außen geschehen muss. Und, obwohl wir durch Aufklärung helfen wollen und können, muss vor allem von innen heraus der Wille da sein, etwas zu verändern. Das scheint nun der Fall zu sein.“

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  1. Jürgen Zell

    15.000 Euro Strafe für „fatale Verletzungen“ (das ist der verharmlosende Begriff für: Das Pferd ist tot oder muss eingeschläfert werden) sind ein lächerlicher Betrag, wenn man bedenkt dass beim nach Scheich Maktoum, -dem Herrscher des Landes- benannten Rennen jeder Teilnehmer der die Strecke bewältigt oft 25.000 € Preisgeld erhält. Das was die Sieger erhalten, sprengt sogar das Vorstellungsvermögen jedes preisverwöhnten Dressur-Kadermitglieds.

    Liest man einmal die Namen der aktuellen Dopingsünder, nämlich Scheich Rashid Dalmook al Maktoum (UAE) und Scheich Hamed Dalmook al Maktoum (UAE) ergibt sich nicht nur eine zufällige Namensübereinstimmung. Die Herren sind nicht nur Familienmitglieder des Königshauses, sondern auch Milliardäre und lächeln über solche Beträge und Sanktionen.

    Die vermeintlichen „Sanktionen“ der FN-UAE sind deshalb Augenwischerei, zumal die Ställe der Maktoums nicht das erste Mal aufgefallen sind.

    Diese Leute gehören aus unserem Sport verbannt und lebenslang gesperrt. Aber dann gibt es keine „all for free“ (Flug mit samt Pferd, Hotel, Trossfahrzeug u.v.m. … alles wird gezahlt) Einladungsritte für ausländische Teilnehmer mit tollen Preisgeldern mehr und auch das mega Verwöhnprogramm für die Offiziellen der FEI während der Wettkämpfe hat ein Ende. Und da genau liegt das Problem.


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