Überraschungssieg in Deutschen Derby Schlenderhaner In Swoop gewinnt das 151. Blaue Band

In Swoop siegt unter R. Thomas im IDEE 151. Deutschen Derby, Gr.1

In Swoop wurde seinem Namen – zu Deutsch: Im Sturzflug – voll gerecht und gewann das Deutsche Galoppderby mit einer dreiviertel Länge Vorsprung. (© Marc Ruehl)

Mit einer Dreiviertel Länge Vorsprung, das ist im Rennsport schon eine sichere Sache, gewann der Schlenderhaner In Swoop das 151. Deutsche Derby in Hamburg-Horn vor Torquator Tasso vom Gestüt Auenquelle und Grocer Jack, gezogen und im Besitz von Dr. Christoph Berglar.

Keiner des Siegertrios hatte zum engeren Favoritenkreis auf den Sieg im Derby gehört, auch nicht der spätere Sieger In Swoop. Der haushohe Favorit Wonderful Moon, geritten von Championjockey Andrasch Starke, wurde nur Sechster, da reichte die Kraft am Ende nicht, nachdem er einmal einen weiteren Bogen gehen musste.

Auch der nachgenannte Kellahen, der das Feld lange Zeit angeführt hatte und wie Wonderful Moon in diesem noch Jahr ungeschlagen war, verschwand beim Finish im Nirwana, das heißt auf den hinteren Rängen.

In Swoops Aufholjagd

In Swoop war von den 19 dreijährigen Hengsten des diesjährigen Derbys derjenige, von dem man am wenigsten wusste, denn er wird seit dem vergangenen Herbst in Chanilly beim französischen Shooting Star Francis Henri Graffard trainiert, für den es der erste Start im Deutschen Derby überhaupt war.

In Swoop war bis gestern erst zweimal gelaufen und begann seine Karriere erst im Mai, später als alle seine Konkurrenten, mit einem Sieg über 2200 Meter, nur 200 Meter kürzer als die Derbydistanz von 2400 Metern.

Erst nach der letzten Kurve schoss er nach vorne und machte seinem Namen alle Ehre. In Swoop heißt nämlich Sturzflug. Für den französischen Jockey Ronan Thomas war es der erste Gruppe I-Sieg überhaupt und das erste Rennen, das er mit dem Braunen bestritt.

„Aber ich kannte ihn, weil ich ihn öfter in der Arbeit geritten habe“, sagte Thomas. Volles Vertrauen genoss In Swoop auch bei seinen Züchtern und Besitzern, der Familie von Ullmann. „Er ist einfach unglaublich gut gezogen“, sagte Philipp von Ullmann.

Der 24-Jährige verkörpert die sechste Generation seiner Familie, die sich mit dem Gestüt Schlenderhan dem Vollblut verschrieben hat. Der Schlenderhaner Adlerflug, der Vater des Derbysiegers wie auch des Zweiten, zählt zu Deutschlands gefragtesten Deckhengsten und gewann das Derby in Hamburg-Horn selbst souverän mit sieben Längen Vorsprung im Jahre 2007.

Das Gestüt Schlenderhan, das im selben Jahr gegründet wurde wie das Deutsche Derby, stellte zum 20. Mal den Sieger in diesem Klassiker, das ist Rekord.

Derby in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie drückte auch dem Derby wie allen anderen Sportveranstaltungen ihren Stempel auf. Es durften sich nur 1000 Menschen auf dem Rennbahngelände aufhalten. Anders als ursprünglich angekündigt, durften auch die Pferdebesitzer mit einer Begleitperson kommen, das Ergebnis zäher Verhandlungen mit den Hamburger Behörden, die strenger seien als in manch anderem Bundesland, wie HRC-Schatzmeisterin Ilona Vollmers vermerkte.

Der Hamburger Rennclub musste sich zu einem strengen Hygienekonzept verpflichten. Keiner kam am Eingang am Fieberthermometer vorbei, Maskenpflicht herrschte auf dem ganzen Platz, der mal mehr mal weniger penibel gehorcht wurde.

Die Jockeys trugen den Mund-Nasenschutz auch beim Rennen, falls ihnen dabei derselbe nicht verrutschte. „Aber da haben wir sowieso reichlich Fahrtwind und genug Abstand voneinander“, sagte Andrasch Starke.

Die Derbywoche wurde auf drei Tage eingedampft. „Zuerst hatten wir Angst, ob überhaupt Pferde kommen“, sagt Hans-Ludolf Matthiesen, HRC-Vizepräsident. Hamburg liegt ja nicht gerade im Zentrum sondern eher am Rande der europäischen Rennsportszene.

Die Sorge war unbegründet, mehr als 400 Pferde gingen in den insgesamt 35 Rennen an den Start. Die Gewinne wurde auf 70 Prozent reduziert, bis auf das Derby am Sonntag selbst, da gab es das volle Preisgeld von 650.00 Euro.

Zwei späte Nachnennungen füllten die Kassen des HRC nochmal extra, 65.000 Euro, zehn Prozent des Gewinngeldes, mussten die Besitzer von Soul Train und Kellahen jeweils bezahlen, ein Vabanque-Spiel, das beide am Ende verloren.

Keine Zuschauer – das hieß nicht nur, keine derbywürdige Atmosphäre, das hieß vor allem keine Wetten auf der Bahn. Über Buchmacher und die Internetportale wurde trotzdem kräftig gewettet. 1,817 Millionen Euro wurden umgesetzt, das war deutlich mehr als die von Schatzmeisterin Ilona Vollmers angepeilte 1,2 Millionen.

Diese war am Ende sichtlich erleichtert: „Unter den gegebenen Umständen ist es hervorragend gelaufen und wir hatten drei tolle Tage.“ Ist eben alles relativ.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.


Schreibe einen neuen Kommentar