Neuer Vorstand bei Xenophon e.V.

Sitzt die Trense? Klaus Balkenhol erinnerte noch einmal daran

Xenophon e.V., der Verein zum Erhalt und zur Förderung der klassischen Reitkultur, traf sich am 10. Mai zur ordentlichen Mitgliederversammlung 2014 in der Westfälischen Reit- und Fahrschule (WRFS) zu Münster. Unter anderem standen Neuwahlen für den Vorstand auf der Tagesordnung.

Reitmeister Klaus Balkenhol, Gründungsmitglied und inzwischen Teil des Xenophon-Aufsichtsrates, gab zum Auftakt einen Einblick in die Geschichte Xenophons: Vor neun Jahren haben wir uns zusammengesetzt und überlegt: ,Wie können wir den fehlerhaften Entwicklungen in der Reiterei entgegenwirken? Wie kann es sein, dass die Richtlinien, die auf der H.d.V.12 basieren, auf Turnieren einfach ignoriert werden? Damals, als er mit bekannten Verfechtern der klassischen Reitlehre wie beispielsweise Paul Stecken oder auch dem Experten für Biomechanik, Dr. Gerd Heuschmann, beschloss, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich einsetzt für gutes und pferdefreundliches Reiten, wurde Xenophon geboren. Mit seiner obigen Frage knüpfte Balkenhol zugleich an das Thema an, das den ersten Teil der Mitgliederversammlung bestimmen sollte: die Ergebnisse der sogenannten Round Table-Diskussion der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zu Thema pferdegerechtes Abreiten. Dass es diese Debatte überhaupt gibt, ist auch Xenophon zu verdanken, betonte Balkenhol. Er, der selbst Olympiasieger ist und Trainer einiger der erfolgreichsten Reiterinnen und Reiter der Welt, gehörte zu dem Expertenkreis, den die FN eingeladen hatte, um Richtlinien für pferdefreundliches Abreiten zu erarbeiten. Was dabei herauskam, hat Balkenhol im Rahmen der Xenophon-Mitgliederversammlung noch einmal in der Praxis vorgestellt wo hört die fordernde Arbeit auf und wo fängt aggressives Reiten an?

Als Demonstrationsobjekte diente Klaus Balkenhol zum einen Stefan Wolff, ein ehemaliger Auszubildender von ihm, der einen sechsjährigen Fidertanz-De Niro-Sohn mit nach Münster gebracht hatte. Zum anderen war ein Gast von sehr weit her nach Münster gereist: Wolffs Schülerin aus Kalifornien, Camille Kusin, die einen zwölfjährigen, bereits bis zur schweren Klasse ausgebildeten French Kiss-Sohn mitgebracht hatte. Zunächst wurde Wolff aufgefordert, sein Pferd absichtlich ein wenig intensiver zu fordern, um zu zeigen, wann der Richter nach dem neuen Regelwerk der FN den Reiter im Auge behalten sollte, und bei welchem (un-)reiterlichen Verhalten er einschreiten muss. Als Wollfs Schülerin Camille Kusin ihren großrahmigen Dunkelfuchs dann vorritt, blieb Balkenhol nur eines anzumerken: Da würde ich als Richter jetzt gar nichts Fehlerhaftes sehen. Höchstens eines: Dieser Nasenriemen ist fast schon zu locker verschnallt.

Wie wichtig eine gut sitzende Ausrüstung ist, hatte Balkenhol gleich zu Anfang ausgeführt. Denn in der viel zitierten Skala der Ausbildung fehlt Klaus Balkenhol ein ganz wichtiger Punkt, der noch vor dem Takt auftauchen sollte: das Vertrauen. Wenn ich dem Pferd das Maul zuschnüre, die Trense drückt und womöglich der Sattel nicht passt, hat es Schmerzen. Denen versucht es, sich durch Wegrennen zu entziehen. Dann werden die meisten Reiter grob, und ein Teufelskreis ist programmiert. Ehe man sich mit der reiterlichen Ausbildung des Pferdes beschäftigt, gilt es also, alle Störfaktoren auszuschalten. Solche Dinge sollten selbstverständlich sein, sind es aber nicht, wie man immer wieder feststellt.

Der zweite praktische Programmpunkt des Tages war Vielseitigkeitsreiterin und -trainerin Lisa von Ditfurth, selbst einst zum Olympiakader der USA gehörig, die der Xenophon-Jugendriege eine Springstunde gab. Eines ihrer Steckenpferde ist der richtige leichte Sitz, der sich der Bewegung des Pferdes anpasst, zugleich aber dem Reiter Stabilität und Sicherheit gibt. Wie der funktioniert, testeten die 11- bis 14-jährigen Nachwuchsreiter zunächst in allen drei Grundgangarten, später dann auch über den Hindernissen.
Danach folgte der formelle Teil des Tages. Unter anderem standen Neuwahlen für den Vorstand an. Drei neue Vorstandsmitglieder konnten gewonnen werden: den zweiten Vorsitz übernimmt Grand Prix-Ausbilderin Karin Lührs aus Schleswig-Holstein. Lührs gehört sowohl als Reiterin als auch als Trainerin zum Besten, was Norddeutschland zu bieten hat. Sie bildet Reiter und Pferde erfolgreich bis zur Königsklasse aus und engagiert sich besonders auch in der Jugendförderung. Lührs tritt an die Stelle Friedhelm Petrys, der aus Zeitgründen sein Amt niederlegen muss.

Der zweite Neue ist Ernst Funke aus Hessen. Er löst Andrea Nefen, die aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist, auf dem Posten des Geschäftsführers ab. Funke blickt auf lange Jahre Erfahrung in der Vorstandsarbeit von Vereinen zurück. Unter anderem war er involviert in die Organisation des Wiesbadener Pfingstturniers.

Die Dritte im Bunde der neuen Vorstandsmitglieder ist Lillian Grepne, gebürtige Norwegerin, die lange in Deutschland gelebt hat und in dieser Zeit von einigen der besten Springreiter der Bundesrepublik profitiert hat wie Hans Günter Winkler, Franke Sloothaak sowie den Brüdern Alwin und Paul Schockemöhle. Doch ihr Herz schlug auch für die Dressur und so sattelte sie um und machte ihren Pferdewirtschaftsmeister. Selbst war sie erfolgreich bis Grand Prix, bildete aber auch Reiter aus. Unter anderem hat sie als Landestrainerin die norwegischen Dressurnachwuchsreiter betreut. Heute ist sie für die Norwegische Reiterliche Vereinigung als Ausbilderin der Trainer tätig (in Norwegen gibt es nur Amateurtrainer). Der neue Vorstand hat seine Arbeit noch am selben Tag aufgenommen und blickt guten Mutes in die Zukunft.

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  1. Helga Erlbeck

    ja- man könnte weinen und manchmal tut man das auch. Pferde sind zum Wegwerfartikel geworden. Meine beiden Stuten, die eine 35 Jahre und 10 Jahre im Springsport bis M., die andere ist 24 bei guter Gesundheit. Was ist ein Leben ohne Pferde? Herzlichst H.Erlbeck


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