Alles Gute zum 70. Geburtstag, Thomas Frühmann!

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Dreamteam: Thomas Frühmann und The Sixth Sense (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Der Österreicher, der den Springsport vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren mit prägte, hat seinen 70. Geburtstag gefeiert: Thomas Frühmann.

Thomas Frühmann war Weltcup-Sieger, hat Olympiamedaillen und den Großen Preis von Aachen gewonnen. Doch für viele sind es wohl vor allem die Runden auf dem Pferd, das das letzte seiner internationalen Karriere war, die man im Gedächtnis hat, die mit The Sixth Sense.

Für diejenigen, denen Thomas Frühmann nicht mehr so geläufig ist, hier ein paar Eckdaten seiner großen Karriere: 1978 kam der gebürtige Wiener Thomas Frühmann nach Deutschland und ritt zunächst im Stall von Georg Ahlmann, Christian Ahlmanns Vater. Nach einer Zwischenstation bei Gert Brenninkmeyer in Hagen kam Frühmann 1984 in den Stall von Alwin Schockemöhle nach Mühlen. Hier blieb er zehn Jahre lang und feierte in dieser Zeit seine größten Erfolge, etwa den Sieg im Großen Preis von Aachen auf Grandeur 1990. Frühmann war der erste Österreicher an der Tafel neben dem Einritt in die Soers.

1992 war sein Jahr. Mit Genius gewann er erst das Weltcup-Finale in Del Mar und gehörte dann zum Silber-dekorierten Team bei den Olympischen Spielen in Barcelona an der Seite von Hugo Simon auf Apricot, Boris Boor mit Love me Tender und Jörg Münzner im Sattel von Graf Grande.

Eine weitere quasi olympische Medaille hatte es schon 1980 für ihn gegeben. Damals boykottierten viele westliche Staaten die Olympischen Spiele in Moskau aus Protest gegen der Einmarsch der Russen in Afghanistan. Statt der Olympischen Spiele wurde für die Springreiter ein Ersatzturnier in Rotterdam abgehalten, bei dem die Österreicher mit Frühmann im Team Bronze gewannen.

Frühmann wurde neunmal Österreicher Staatsmeister. Das letzte Mal 2013 auf seinem letzten Erfolgspferd The Sixth Sense. Darüber hinaus gewann er dreimal das Hamburger Spring-Derby und war 2006 Rider of the Year.

Der Westfalen-Wallach The Sixth Sense war es, der Frühmann noch einmal ein Comeback in den großen Sport ermöglichte. 1995 war Frühmann zurück nach Österreich gezogen. Sportlich wurde es damals zunächst ruhig um ihn. Bis er The Sixth Sense traf.

Bei den beiden war auch für Außenstehende klar: Dies ist ein extrem sensibles Pferd, das einen Reiter verlangt, er genau damit umzugehen weiß. Und den hatte er mit Thomas Frühmann. Einen echten Horseman, der am 23. Januar seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Aus diesem Grund hat der Österreichische Pferdesportverband OEPS (www.oeps.at) ein Interview mit ihm geführt, in dem er vergangene Erfolge Revue passieren lässt und aktuelle Entwicklungen einordnet. Wir dürfen es hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen.

Was war der emotionellste Erfolg Ihrer langen und erfolgreichen Karriere? 
Thomas Frühmann: Ich glaube, dass das natürlich die Olympia-Medaille in Barcelona war, wenn man von einem mannschaftlichen Erfolg spricht. Im Einzel war es sicher das Weltcupfinale in Del Mar. Aber es ist jeder Erfolg schön, weil jeder Erfolg dich in dem was du zu Hause machst, wie du die Pferde trainierst und vorbereitest, bestätigt. Und vor allem längere Zeit gut in Form hältst. Ich habe zum Beispiel mit Grandeur den Großen Preis in Aachen gewonnen, dann ist ein zweiter Platz im Großen Preis von Aachen mit einem Domspatz wahrscheinlich sogar höher zu bewerten, weil der Domspatz ein ungleich schwierigeres Pferd war. Oder der Große Preis von Wiesbaden mit Bandit. Das sind Pferde, die man nicht gleich so im Kopf hat. Aber für mich haben diese Siege die Welt bedeutet.

Ihr Weg als erfolgreichster Springreiter Österreichs war aber nicht vorgezeichnet, oder?
Frühmann: Ich würde heute sagen, es war eine klassische Tellerwäscherkarriere. Denn ich hatte ja keinen Betrieb zu Hause, keinen Reitstall. Meine Mutter ist manchmal in Wr. Neustadt spazieren geritten. Dann kam ich mit 10 oder 11 Jahren in mein erstes Reitlager. Und dann ist es losgegangen, die Pferde haben mich nicht mehr losgelassen. Und ich habe von Anfang an versucht, mit den Besten mitzuhalten, um sie dann irgendwann im Parcours zu schlagen. 

Dieser Ehrgeiz dürfte aufgefallen sein in der Reiterwelt, Sie waren ja von von 1984 bis 1994 bei Alwin Schockemöhle in Mühlen und sind dort mit den besten Pferden der Welt geritten.
Frühmann: Ja, ich wollte von Anfang an in diese Weltklassefamilie hineinkommen. Dabei habe ich immer versucht, zwei Treppen gleichzeitig zu überspringen. Und dort durfte ich dann mit unglaublichen Pferden wie Porter, Lamor, Grandeur oder Genius arbeiten. Das waren beeindruckende Lebewesen.

Apropos Pferde. Sie hatten so viele gute Pferde, an welches erinnern Sie sich am liebsten?
Frühmann: Ganz klar an Sixth Sense. Er war das menschlichste Pferd von allen. Charakterlich schwer nervös, er hasste Siegerehrungen und war im Handling nicht immer der Einfachste. Aber im Stall war er so lieb, denn hättest du am liebsten mit ins Bett genommen. Ein Top-Charakter mit dem hast du dich unterhalten können. Der hat genau gespürt, wie es dir geht und man hat das Gefühl gehabt, er hört dir zu.

Sie sind heute noch eng mit dem Reitsport verbunden. Warum?
Frühmann: Weil mich Pferde einfach faszinieren. Deshalb will ich immer etwas mit Pferden zu tun haben. Ich bin zwar schon genug geritten in meinem Leben, aber mit meiner Erfahrung kann ich noch immer helfen. Deshalb unterstütze ich ein paar gute internationale Reiterinnen und Reiter. 

Sie sind zum Beispiel auch Mentor im Team Alpenspan. Wer ist eigentlich auf das grüne Sakko als Markenzeichen gekommen?
Frühmann: Das war der Wolfgang Pirker, der wollte mehr Farbe ins Spiel bringen. Eine geniale Idee, von der ich sofort begeistert war. Das war eine Revolution damals als ich im Jahr 2006 in Dortmund mit diesem Sakko eingeritten bin. Die Leute haben vor Begeisterung gepfiffen, mich haben Sie ja dort in der Gegend gut gekannt, weil ich mehr als ein Jahrzehnt dort in der Nähe gewohnt habe.

Wie kann man die Begeisterung für den Springsport neu wecken? Es ist doch relativ unübersichtlich und unverständlich geworden, oder?
Frühmann: Ich glaube, was ganz ganz schlecht für den Springsport war, ist die Entwertung der Nationenpreise. Dass da heute nur noch ein paar wenige Nationen im Finale in Barcelona reiten dürfen, ist nicht gut. Der Kern waren früher die Nationenpreise. Da ist ganz viel Emotion drin. Da waren 20 Nationen am Start in Aachen, Rom oder Falsterbo. Da hatten die Nationpreise natürlich einen Stellenwert, da war richtig Action. Dass man als vermeintlich schwächere Nation nicht mehr dabei sein darf bei den Besten, ist ein Rückschritt.

Was fehlt derzeit im österreichischen Springsport?
Frühmann: Ich denke die Ausdauer und der Plan. Wenn du keinen Grand Prix auf Zweistern-Niveau gewinnst, kannst du keinen Vierstern gewinnen. Man muss das Treppchen für Treppchen durchstehen, dranbleiben und lernen, wie man gute Pferde ausbildet noch besser zu werden. Nicht gleich aufgeben. Ich habe mit Grandeur in eineinhalb Jahren nur 1.700 Mark gewonnen. Als der den Teich und Springbrunnen in Aachen gesehen hat, hat er sich gefürchtet. Da war er 9-jährig und unerfahren. Zwei Jahre später haben wir dort gewonnen. Viele Reiter höre ich immer wieder sagen: „Dieses Pferd kann nicht mehr!“ Vielleicht ist es aber so, dass der Reiter nicht mehr kann, sage ich.
Es gibt bestimmt viele gute Reiterinnen und Reiter in Österreich, aber das Trainieren des Pferdes gehört bei den ganz Großen eben auch dazu.

Das gesamte St.GEORG-Team gratuliert Thomas Frühmann von Herzen zum runden Geburtstag!