Dos Amigos siegt auch im Finale der siebenjährigen Dressurpferde mit über 80 Prozent

HKM Bundeschampionate 2022

Dos Amigos, Bundeschampion siebenjährige Dressurpferde, unter Leonie Richter. (© Dr. Tanja Becker/Equitaris)

Sowohl in Sachen Qualität als auch in der technischen Ausführung wusste der Dimaggio-Sohn Dos Amigos unter seiner Besitzerin Leonie Richter heute am meisten zu überzeugen. Dos Amigos trug sich somit als erstes in die Siegerliste des Bundeschampionats der siebenjährige Dressurpferde ein.

Seit er vier Jahre alt ist, steht Dos Amigos bei Leonie Richter im Stall und wird von der Helgstrand-Bereiterin ausgebildet. Die 26-Jährige fand Dos Amigos v. Dimaggio unweit ihres Heimatortes bei seiner Züchterin, Constanze Fürste. Die hatte Dimaggio mit einer Sir Donnerhall I-Stute angepaart. Das Produkt wurde bei der Züchterfamilie angeritten, ehe er zu Leonie Richter wechselte. Die setzte Dos Amigos bisher schonend ein, ritt ihn fünf und sechsjährig jeweils nur auf zwei Turnierprüfungen, in einer davon wurde Dos Amigos bemerkenswerter sechsjähriger Landes-Dressurpferdechampion. Dieses Jahr griffen die beiden dann an. Mit Erfolg, wie sich heute wie auch schon in der Finalqualifikation am Donnerstag zeigte.

Als erstes Starterpaar kamen der Oldenburger und Leonie Richter ins Dressurviereck und absolvierten die internationale Aufgabe für siebenjährige Dressurpferde, wie sie auch bei der WM der jungen Dressurpferde gefordert ist. Um bei letzterer starten zu können, hatte es für Dos Amigos nach den beiden Sichtungen nicht gereicht. Dafür kam er als einziges Pferd aber schon in der Finalqualifikation auf über 80 Prozent beim Bundeschampionat. Ebenso beständig und von hoher Qualität war auch die heutige Vorstellung des Wallachs. Es richteten Henning Lehrmann die Technik, Elke Ebert die Qualität und bei M saß Kerstin Holthaus, um die Nachwuchsdressurpferde zu beurteilen.

„Das Pferd hat wirklich Gummi“, lobte Dr. Dietrich Plewa die elastischen, schwungvollen und kadenzierten Bewegungen von Dos Amigos. Ein glattes „sehr gut“ hinsichtlich der Qualität des Pferdes vergaben die Richter für seinen Trab, Galopp und den Gesamteindruck. Im Galopp überzeugte die Bereitschaft des Pferdes, Last in der Hinterhand aufzunehmen. In den Pirouetten war deutliche Hankenbeugung zu erkennen. Allerdings wünschte man sich sowohl im Mitteltrab, als auch im Mittelgalopp mehr Rahmenerweiterung bei Dos Amigos. 7,5 gab es für den Schritt, da die Fußfolge in den Schrittpirouetten nicht ganz korrekt war. Dennoch bestach die Durchlässigkeit des Pferdes, das immer bei seiner Reiterin war: 8,5. 8,6 bzw. 86 Prozent lautete somit die Gesamtbewertung für die Qualität. In Kombination mit der technischen Bewertung in Höhe von 75,807 Prozent machte das unter dem Strich 80,948 Prozent für Dos Amigos und Leonie Richter.

Dos Amigos: Talent für Grand Prix

Die Selbstverständlichkeit ihres Wallachs im Finale seine Reiterin und Besitzerin, wie sie nach der Prüfung sagte: „Ich hatte nie das Gefühl, dass irgendwie etwas passieren könnte. Es war einfach Wahnsinn!“ Nun hat Leonie Richter schon ein klares Ziel vor Augen, wie es mit Dos Amigos weitergehen soll: „Er hat nun erstmal Pause und wird wohl auch kein Turnier mehr gehen dieses Jahr, weil ich jetzt versuche, und ich glaube dass er da viel Talent für hat, ihn Richtung Grand Prix weiter auszubilden.“ Ob die Reise dieses Paares noch von Zukunft ist, da war sich die Bereiterin von Helgstrand Dressage, die mit Vogue ja auch schon den Bundeschampionats-Favoriten der dreijährigen Reitpferdehengste 2022 unter dem Sattel hat, nun doch nicht mehr so sicher. „Eigentlich war der Plan, dass er bei uns bleibt, aber es konnte ja auch keiner ahnen, dass er Bundeschampion wird.“ Voreilige Entscheidungen will die 26-Jährige aber vermeiden.

Famous K zum Titel Vize-Bundeschampion

V. Finest stammen sowohl die Vize-Bundeschampion, als auch das viertplatzierte Pferd der Konkurrenz ab. Unter Stefanie Wittmann sicherte sich Famous K aus der Zucht von Martina Knetsch Silber mit 79,871 Prozent. Hier gefiel zunächst mal die „natürliche Präsentation“ dieses hochveranlagten Hannoveraner Finest-Sohnes, so Kommentator Dr. Plewa. Der Hengst bewegte sich mit leichter Anlehnung und absolvierte alle an sie gestellten Anforderungen schon mit großer Selbstverständlichkeit. Die Prüfung begann mit einem energischen Trab, wo man sich allerdings in den Verstärkungen noch mehr Schub gewünscht hätte: 8,5 lautete hier die Note. Für den durch den Körper fließenden Schritt mit gutem Viertakt bedachten die Richter das Paar mit einem glatten „sehr gut“. Die schwächste Gangart des Hengstes aus einer Londonderry-Mutter war heute der Galopp. 8,0 lautete hier die Note, in den Verstärkungen hätte man sich deutlich mehr Risiko bezogen auf die Reiterei gewünscht, außerdem gab es leichte Unsicherheiten in den fliegenden Wechseln.

Für die Durchlässigkeit und Perspektive/Gesamteindruck des Hengstes im Besitz von Nachwuchs-Dressurreiterin Lilly Marie Collin gab es jeweils die 8,5. Es überzeugten unter anderem die fließenden Traversalen mit bedeutendem Kreuzen. Für die Qualität schlugen somit insgesamt 85 Prozent (8,5) zu Buche, die technische Ausführung lag bei 74,743 Prozent.

Borja Carrascosa auf den Plätzen drei und vier

Seine beiden Finalisten ritt der Spanier Borja Carrascosa im Finale auf den Bronze- und den vierten Rang. Bei beiden Pferden fiel das immer wieder leicht offene Maul auf. Mit Fun4ever v. Feedback, dem ersten Pferd von Carrascosa, wurden es 78,846 Prozent unterm Strich. Der Hannoveraner Feedback-Sohn trabte groß und bedeutend mit großer Schulterfreiheit. Die Richter bemängelten laut Dr. Dietrich Plewa lediglich, dass der Hengst aus der Zucht von Gerd Pigge in den Verstärkungen im Trab hinten etwas breit wurde: 9,0 lautete die Note für diese Gangart. Der Schritt ließ, wie auch bei Carrascosas viertplatziertem Pferd Frizzantino, etwas mehr (Los-)Gelassenheit vertragen. Dafür blieb der Takt bei beiden Pferden stets erhalten im Schritt. Fun4ever sammelte dafür eine 7,5 ein, auch dank seiner guten Schrittpirouetten.

Den Galopp des Hengstes aus einer De Vito-Mutter (B.: BG Möhmann und Von Fintel) beschrieb Dr. Plewa als „vom allerfeinsten“. Die Pirouetten zeigte der Hengst schon mit deutlicher Lastaufnahme, die Verstärkung gelang mit viel Raumgriff. Auf der letzten Linie schlich sich ein Fehler ein, der Hengst sprang unabsichtlich um. Das nahmen die Richter jedoch in ihrer Bewertung für die Durchlässigkeit auf. 9,0 bekam also der Galopp, für die Durchlässigkeit erhielt Fun4ever ein glattes „gut“. Der Gesamteindruck wurde mit einem glatten „sehr gut“ bedacht. 85 Prozent (8,5) machte das in Summe für die Qualität, die technische Ausführung war mit 72,692 Prozent hingegen nur die Neuntbeste des 15-köpfigen Starterfeldes.

Nochmal Finest hieß es beim viertplatzierten Pferd Frizzantino aus einer Quaterback-Mutter. Hier war Borja Carrascosa nicht nur der Reiter, sondern er zeichnet sich auch für den Besitz des Hannoveraner Hengstes verantwortlich. 78,615 Prozent lautete die Bewertung unterm Strich, Galopp (9,0) und Trab (8,5) stachen hier hervor.

Weitere Platzierte und Favoritensturz

Dahinter auf Rang fünf nochmals ein Pferd unter dem Sattel seines Besitzers: Best of Bond unter Anna-Lisa Stotmeister. Für den Hannoveraner Rapphengst v. Bordeaux, gezogen vom Zuchthof Neumann-Ullrich, vergaben die Richter insgesamt 77,717 Prozent.

Für die Bundeschampionesse des Vorjahres und Siegerin der zweiten Abteilung in der Finalqualifikation, Forever Valentine, wurde es am Samstag nur Platz zehn. Die Hannoveraner Franziskus-Stute ließ die Losgelassenheit in der Oberlinie laut Dr. Plewa vermissen. Das äußerte sich in einem eiligen Herumwenden in der Pirouette anstelle korrekter Lastaufnahme sowie Fehlern in den Viererwechseln.

Die Ergebnisse vom Finale der siebenjährigen Dressurpferde finden Sie hier.

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