Ciao Aachen, der letzte Blog 2018

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Aufbruchstimmung im Pressezentrum beim CHIO Aachen (© www.st-georg.de)

Den Witz des Tages las ich heute morgen in der Turnierzeitung: „Es ist das höchste der Gefühle, hier zu gewinnen.Mehr …

Den Witz des Tages las ich heute morgen in der Turnierzeitung: „Es ist das höchste der Gefühle, hier zu gewinnen. An das Geld denkt man da nicht.“ Das sagte Philipp Weishaupt, der den Hengst Convall für die Großen Preis von Aachen schonen wollte. Da hatte er die Chance, zusätzlich zum Preisgeld von 330.000 Euro eine Sonderprämie von 250.000 Euro zu gewinnen, für den zweiten Grand Slam-Sieg innerhalb eines  Jahres nach Spruce Meadows 2017.

Der Aachener  Sonntag hat ein ganz spezielles Flair, einerseits ist es der Höhepunkt einer für alle sehr aufregenden, in diesem Jahr besonders sonnigen Woche, andererseits herrscht schon unterschwellige Aufbruchstimmung. Viele Transporter sind schon wieder unterwegs Richtung Heimatstall, die Dressurpferde ab heute mittag, die Buschpferde schon gestern. Den fliegenden Händlern auf den Tribünen geht langsam das Magnum-Mandel aus, Classic ist schon vergriffen, besser verspeist. Insgesamt fanden 362.000 Zuschauer in diesem Jahr den Weg in die Soers, schon am Samstag wurde der Kartenverkauf komplett eingestellt.

Die Koffer sind schon in den Autos verstaut, im Pressezentrum werden die letzten Texte abgefeuert. Die Kekse sind auch alle, die Kaffeemaschine hat sowieso immer nur auf gutes Zureden reagiert. Zwischen den beiden Umläufen zum Großen Preis reiht sich eine Siegerehrung an die nächste. Die Vierspänner feiern  ihre Sieger, die Pferde stehen wie die Zinnsoldaten oder gehen gelassenen Schritt – vielleicht sollte man ein paar Dressurpferde einfach mal anspannen, um ihnen Manieren beizubringen. Gefühlte zehn Mal ertönen diverse Nationalhymnen, was die Zuschauer zu Aerobic-ähnlichem Auf und Nieder zwang. Zwei Damen sitzen in diesem Jahr bei der Ehrenrunde auf dem Bock, die beiden Deutschen Anna Sandmann und Mareike Harm, die eine mit naturfarbenem, die andere mit hellrotem Strohhut. Sehr schick. Und dann bewundere ich, wie sie es schaffen, mit ihren mehr oder weniger zarten Händen die vier Leinen zu halten, mit denen sie das Gespann zügeln. Gewonnen hat  der Niederländer Isbrand Chardon, und das hysterische Jubelgeschrei seiner Entourage über den Fehler des durch einen gebrochenen Fuß gehandicapten Konkurrenten Boyd Excell beim Kegelfahren war bis in den Stall zu hören. Ist doch schön, wenn man sich so von Herzen freuen kann.

Zwischen den Siegerehrungen verkündet der Sprecher auch die Name der Promis, die den Weg in die Soers gefunden haben. Ranghöchste war diesmal Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, weit dahinter unter ferner liefen ihr Vorgänger Karl Theodor zu Guttenberg.  Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet war wieder da, wie schon die Tage zuvor.

Familie Klimke hatte gestern einiges zu feiern, mal nicht so sehr im Busch, als auf dem Dressurviereck. Zweiter Platz für Franziskus im der Grand Prix Kür, Sieg mit Bluetooth in der Intermediaire I. Angestoßen wurde mit lauwarmem Schampus, der Kühlschrank war kaputt. Zur Siegerehrung ritt Ingrid mit Helm und Sicherheitsweste ein, nicht weil sie  befürchtete, ihr Pferd nicht bändigen zu können, sondern weil sie schon für das Springen über Gräben und Wälle umgezogen war und auf Parmenides saß.

Siege sind ja nicht gleich Siege, auch nicht für die die, die nur am Rande mitfiebern. Der Sieg von Marcus Ehning im Großen Preis von Aachen, der zweite nach seinem Erfolg mit Küchengirl vor zwölf Jahren, hat niemanden kalt gelassen, nicht nur wegen der enormen Summen, die hinter dem Grand Slam stehen. Zwei Millionen für vier Siege in allen vier Prüfungen – das ist allerdings schon wie ein Lottogewinn. „Dies ist eine Sache, die bleibt“, sagte Ehning, „davon werden sich noch die Kinder meiner Kinder erzählen.“


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