Die WEG-Vorbereitungen laufen – aber nicht alle nach Plan

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer über Mitarbeit bei den Weltreiterspielen und andere Herausforderungen in Tryon.

Haben Sie im September noch nichts vor? Im Tryon Equestrian Center, wo vom 11. bis 23. September die Weltreiterspielen steigen, suchen sie noch Freiwillige. Wie bei allen großen Events läuft ohne diese leidensfähigen, omnipräsenten freundlichen Helfer aller Altersgruppen nichts. Professionelle Kräfte zu bezahlen, würde wahrscheinlich auch das Portemonnaie gut situierter Veranstalter überfordern.

9000 Positionen sind zu vergeben, für die etwa 4500 Freiwillige gebraucht werden. Die meisten von ihnen werden kein Pferd zu Gesicht bekommen, jedenfalls nicht, wenn sie im Dienst sind. Die Ausschreibung für die Volunteers warnt jedenfalls vor falschen Hoffnungen in dieser Richtung. 8000 Einsätze sind weit entfernt von Stallgeruch und Wettkampfatmosphäre. Etwa als Parkwächter, in den Zelten, in denen Reiter und Medien ihre Akkreditierung abholen, oder als Chauffeur für die Golfwägelchen, die – hoffentlich – überall entlangfahren, um Leute mitzunehmen, etwa uns von den Medien. Vor allem die Fotografen müssen ja oft Zentner schleppen, da ist man für jeden „Lift“ dankbar.

Bezahlt wird den Volunteers nichts, dafür gibt es freie Logis in privaten Unterkünften und tagsüber Verpflegung. Die „Uniform“ muss sich jeder für 35 Dollar selbst kaufen. Also nichts zum Geldverdienen, aber vielleicht eine gute Gelegenheit, mal mit neuen Menschen aus aller Welt zusammen zu kommen! Bis in den Juni läuft die Bewerbung bei www.tryon 2018.com

Von „Ballroom“ keine Spur

Mit der Planung solcher Details sind die Organisatoren also schon recht weit. Auf anderen Gebieten scheint ihnen die Zeit davon zu laufen. Die Bagger stehen immer noch auf dem roten Acker, auf dem Mark Bellissimo, der Chef des Unternehmens Tryon, uns im Herbst den „Ballroom“, den Ballsaal des Hotels, das hier mal stehen soll, angekündigt hat.

Zum Weltcup-Finale war Bellissimo eigens angereist, um die Medien über den neuesten Stand der Vorbereitungen zu informieren. Zwei Stunden vor der Pressekonferenz war er in Paris gelandet, anderthalb Stunden danach saß er schon wieder im Flieger. Ganz schön sportlich! Aber für einen umtriebigen Macher wie Bellissimo wohl Alltag.

Von den Hotels sprach er diesmal auffallend wenig, dafür wurden mehr oder weniger sämtliche Hotels in der Umgebung blockiert, um dort die Reiter und ihren Tross unterzubringen. Da muss wohl jetzt Plan B greifen. Natürlich kann man immer noch die Blockhäuser direkt am Platze mieten, inzwischen kosten sie 24.000 Dollar pro Woche.

Das war den Deutschen zu teuer, „aber einige andere Nationen machen das“, sagt Denis Peiler. Der Sportchef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) war direkt aus Tryon mit frischen Eindrücken nach Paris gekommen.

WEG-Pendler

Beim Testevent, einer Vielseitigkeit, hatte er die Gelegenheit genutzt, die Unterkünfte zu inspizieren. Die deutschen Reiter werden in Hotels an vier verschiedenen Orten untergebracht, jeweils zwei Disziplinen zusammen, mit Bettenwechsel nach der ersten Woche. Alle Hotels sind eine halbe bis eine ganze Stunde vom Schauplatz des Geschehens entfernt, bei Stau mehr. Die Reiter müssen sich also auf lange Fahrten in Auto oder Bus einstellen. Mal eben in einer Wettkampfpause zum Nickerchen ins Hotel fahren, kann man sich wohl abschminken. Dann muss man sich halt ein kühles Plätzchen im Wald suchen, den gibt es nämlich rund um Tryon reichlich. Auch ein gesamtdeutsches Mannschaftsgefühl zu kreieren, dürfte diesmal schwierig werden.

Alles um die Ecke?

Was den Sport angeht, sind die Deutschen optimistisch. Im Tryon International Equestrian Centre (TIEC) werden schon jetzt rund 40 Turniere pro Jahr veranstaltet, da sollten sie also wissen, wie’s geht. Worauf Mark Bellissimo besonders stolz ist: Noch nie lagen die Sportstätten für die inzwischen acht Disziplinen so dicht beieinander, nicht mehr als zehn Minuten zu laufen. Sagt er. Das Gelände beginnt gleich neben der Hauptarena, es ist ziemlich hügelig und fordert also eine sehr gute Kondition, nicht nur von den Pferden. Auch von den Zuschauern. Die Ställe, meist in festen Gebäuden, sind fertig und bereits in Gebrauch, alles rund ums Pferd ist jetzt schon bereit und, so der Eindruck der deutschen Abordnung, vom Feinsten. Und das, da sind sich alle einig, ist ja wohl der Allerwichtigste.


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