Ein begnadeter Reitersmann: Thank you Mark Todd!

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer und Mark Todd verbindet ein ganz besonderes Pferd: Leonidas II. Und eben dieser kleine Holsteiner war es auch, mit dem Mark Todd nun seine letzte Vielseitigkeitsprüfung bestritt. Gedanken zu einem der ganz Großen im Sport.

Es zeichnet den guten Reiter aus, dass er den richtigen Absprung findet. Sir Mark Todd ist gelungen, was viele Spitzensportler nicht schaffen: Tschüss zu sagen, wenn man ganz oben auf dem Treppchen steht. Aller Karriereanfang ist schwer, das Ende manchmal auch. Als Mark Todd 1980 zum ersten Mal mit dem kleine Charisma aus Neuseeland angereist kam und auf Anhieb die schwerste Vielseitigkeit der Welt in  Badminton gewann, da kannte ihn kaum einer. Als er jetzt, 63 Jahre alt, nach seinem letzten Sieg beim Nationenpreis im irischen Camphire das Ende seiner Laufbahn bekannt gab, kennt ihn die ganze Welt, nicht nur die kleine Familie der Buschreiter.

Zwischen 1980 und heute liegen sechs Olympische Medaillen, davon zweimal Einzelgold in Los Angeles 1984 und Seoul 1988, vier Weltmeisterschaftsmedaillen, vier Siege in Badminton, fünf in Burghley und ungezählte Erfolge in internationalen Prüfungen. Von der Queen wurde er geadelt, vom Weltreiterverband FEI zum „Reiter des 20.Jahrhunderts“ gewählt. Er hat mehr Pferde in Championaten und Viersterne (heute Fünfsterne)-Events geritten als die meisten anderen. „What a Man“ sagte der neuseeländische Equipechef Thom Graeme, als er den Abschied der Ikone aus dem aktiven Sport bekannt gab. Was für ein begnadeter Reitersmann, der jedes Pferd auf seine Seite bringen kann und jedem Pferd im Wettkampf die Chance gab, sein Bestes zu zeigen.

Es war nicht Marks erster Abschied, bereits 2000 zog er sich zurück, um sich in seiner Heimat mit dem Training von Rennpferden zu beschäftigen, seine zweite große Leidenschaft neben der Vielseitigkeit.  Aber 2007 war er wieder da. Zurück in seiner Wahlheimat England legte er ein furioses Comeback hin, gewann vier Jahre später in Badminton. Auch drei weitere Starts bei den Olympischen Spielen in Hongkong (2008), London (2012) und Rio (2016) folgten.

Der richtige Moment

Da stand er nun mit seinen beiden Teamkameraden Jonelle und Tim Price auf dem Podest, nur eine Handvoll Zuschauer am Rande, den Blick gesenkt. Er fühle eine Mischung aus Trauer und Erleichterung, sagte er später. „Ich konnte ja nicht für immer weitermachen.“ Sollte er noch einmal versuchen, sich für Tokio zu qualifizieren, nochmal sich und sein Pferd dem konsequenten Training unterziehen? „Man muss 110 Prozent fokussiert sein“, sagt er und er hatte das Gefühl, dass er diese 110 Prozent nicht mehr geben konnte und wollte.

Mark beschloss schon lange vor dem 28. Juli, am Ende des Jahres den Schlussstrich zu ziehen. Fragte sich nur wann. Vor jedem Start habe er überlegt, ob der richtige Moment gekommen sei oder ob es eine Prüfung zu viel sein werde. Vor dem Springen in  Camphire teilte er seinen Teamkollegen seinen Entschluss mit. Eigentlich wollte er still und leise Servus sagen, aber so  ließen sie ihn nicht davon kommen. Und ich denke mal, da werden noch einige Abschiedspartys steigen.

Inzwischen trainiert Mark wieder Rennpferde, die neue und spannende Herausforderung für die Zukunft. Er wird weiter reiten, aber nicht mehr im Wettkampf, er wird weiter andere Reiter trainieren und sucht bereits für eine Truppe junger neuseeländischer Talente Pferde, auch in Deutschland. Er geht der Buschwelt nicht verloren. „Es ist kein Abschied, sondern nur eine Änderung der Richtung. Die Welt des Eventing ist eine große Familie“, sagte er der britischen Pferdezeitschrift Horse and Hound. In diesem Fall stimmt das wohl mehr als in jeder anderen Pferdesportdisziplin.

„Das flaue Gefühl im Magen wird mir nicht fehlen“

Er werde den Adrenalinschub  und das Hochgefühl nach einer guten Runde vermissen, sagte Mark, „aber das flaue Gefühl im Magen am Cross-Country-Morgen von Badminton, das werde ich bestimmt nicht vermissen.“

Ich kann an dieser Stelle nicht über Marks Abschied von Sport schreiben, ohne ein bisschen persönlich zu werden. Bei seinem letzten Sieg, bei seiner letzten Ehrenrunde saß die Sportlegende auf Leonidas und jeder Züchter wird verstehen, dass Stolz, Wehmut und alle guten Wünsche dieser Welt sich in dem Moment die Hand reichen. Leo war sechs, als er zu Mark kam, seitdem konnte ich miterleben, meist aus der Ferne und in einigen nervenzerfetzenden Momenten auch live, wie er den eigenwilligen kleinen Kerl zu einem Weltklassebuschpferd formte, ihn sorgsam aufbaute, nie zuviel verlangte und ihn so behandelte, wie es sich jeder Züchter für sein Pferd wünscht. Thank you Mark! Leo schließt sich an und wollte, wenn er könnte, noch was sagen: „Sorry, I messed it up in Rio.“


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