Eine große Ehre: Bettina Hoy und Leonidas II in die Hall of Fame aufgenommen

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Leonidas II ließ die Züchterträume von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer wahr werden. (© Pauline von Hardenberg)

In die Hall of Fame des Vielseitigkeitssports werden Pferde und Reiter aufgenommen, die sich mit ihren Leistungen im Sport unvergesslich gemacht haben. Vergessen wird auch St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer diesen Tag nie: Ihr selbst gezogener Leonidas II wurde in diesem Jahr mit der ganz besonderen Auszeichnung bedacht.

Seit 2007 werden anlässlich des internationalen Vielseitigkeitsturniers in Luhmülen jeweils ein besonderes Pferd und ein besonderer Reiter in die Hall of Fame aufgenommen. Auch Michael Jung und sein vierbeiniger Superstar Sam sind dort schon gelistet. Nun finden sich auch Bettina Hoy, die seit über 30 Jahren erfolgreich im Busch unterwegs ist, und Leonidas II,  Spitzenpferd des Neuseeländers Mark Todd,  in den illustren Hallen wieder. Besonders für St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer, Züchterin des Holsteiner Wallachs, kam die Ehrung überraschend: „Ich bin überwältigt und überglücklich und kann gar nicht sagen, wie es mir gerade geht: einfach viel zu gut.“

Ein Züchtertraum wird wahr

Leonidas II kam am 16. Mai 2004 bei Gabriele Pochhammer in Windeby (Schleswig-Holstein) zur Welt. Dass die Anpaarung ihrer Stute Nairobi III, einer Tochter des Parco xx, mit dem Springvererber Landos zu olympischen Meriten führen würde, davon träumte die passionierte Züchterin damals schon heimlich. Und hätte sie sich den späteren Reiter für ihr Fohlen aussuchen dürfen: Die Wahl wäre auf Mark Todd gefallen – Träume werden manchmal wahr. Zweijährig wechselte Leonidas II zu Familie Meyer zu Hartum nach Ostwestfalen, sollte dort ursprünglich zum Parcoursspezialisten ausgebildet werden. Gewaltige Sätze machte der kleine Braune zwar – er hat ein Stockmaß von 1,64 Metern – aber die Technik überzeugte nicht immer voll. Bis Vielseitigkeitsreiter Philipp Kolossa eher zufällig entdeckte, dass in dem Wallach ein wahres Kämpferherz ruht. Den ersten Start in einer Geländepferdeprüfung münzten die beiden in einen Sieg um. Der Grundstein für die weitere Karriere des Leonidas II war gelegt.

Philipp Kolossa war es auch, der den zweifachen Olympiasieger Mark Todd auf das Talent des Braunen aufmerksam machte. Die Chemie stimmte: Sechsjährig zog Leonidas II nach England um, wo der Neuseeländer beheimatet ist. Keine geringere als Charlotte Durjardin, ebenfalls Olympiasiegerin, nur in einer anderen Disziplin, brachte dem kleinen Wallach dort das Dressur-ABC bei. Auch Mark Todd erkannte das Potential des Holsteiners. Und so wurde Leonidas II nicht verkauft, sondern durfte bleiben und wurde behutsam weiter aufgebaut. Insgesamt 76 gemeinsame Starts bei nationalen und internationalen Vielseitigkeitsprüfungen später ist klar: Leonidas II hat sich seine Aufnahme in die Hall of Fame mehr als verdient. 2016 galoppierter er bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zu Platz sieben im Einzel. Fünfmal lief er ohne Hindernisfehler über die Geländestrecke in Badminton, war auch bei den Weltreiterspielen am Start. Die Erfolgsliste des inzwischen 14-jährigen Leonidas II ist lang. Und der Stolz seiner Züchterin Gabriele Pochhamer auf dieses unvergleichliche Pferd: Riesengroß!

Olympiasiegerin der Herzen

Thomas Ix

Auch Bettina Hoy (geb. Overesch) konnte sich den großen Traum von Olympia erfüllen – und das gleich dreifach. 1984 gewann sie mit nur 21-Jahren die Mannschaftsbronze in Los Angeles, damals auf dem selbst ausgebildeten Peacetime. Überhaupt waren es selten „fertige“ Pferde, mit denen die 55-Jährige ihre ganz großen Erfolge feierte. Dazu zählen zweifelssohne der Einzel-Sieg bei den Europameisterschaften 1997 mit Watermill Stream und Mannschafts-Gold bei den Weltmeisterschaften 2006 in Aachen mit dem Schimmel Ringwood Cockatoo. Viermal konnte sie sich den Titel der Deutschen Meisterin sichern, zuletzt 2017 mit Seigneur Medicott. Erst vor wenigen Wochen gab Bettina Hoy ihren Rücktritt aus dem deutschen Olympiakader bekannt. Zwar will sie zukünftig auf Championatsteilnahmen verzichten, aber dennoch bei ausgewählten Drei- und Vier-Sterne-Prüfungen am Start sein, so die Reiterin. Und auch als Bundestrainerin der niederländischen Vielseitigkeitsreiter ist sie gut ausgelastet.

Die Laudatio für Bettina Hoy hielt übrigens Hinrich Romeike. „Einen Ausnahmeathleten erkennt man daran, wie er mit Niederlagen umgeht,“ so der Olympiasieger von 2008. Damit spielte er auf die wohl schwärzeste Stunde in Bettina Hoys Karriere an: Die Olympischen Spiele 2004 in Athen, als ihr die bereits gewonnen geglaubten Goldmedaillen wieder aberkannt wurden. Doch die Reiterin ließ sich nicht entmutigen, gewann noch im gleichen Jahr das CCI3* in Boekelo. Ein ähnliches Szenario wiederholte sich 2008, als sie aufgrund von Verletzungspech auf den Start in Peking verzichten musste. Wenige Wochen später gewann sie die Vier-Sterne-Vielseitigkeit in Pau. „Man sagt ja immer, wirkliche Champions stehen nach Niederlagen wieder auf. Das hat sie gezeigt, wie sonst niemand“, würdigte Romeike seine Kollegin.

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