Gabriele Pochhammer aus Göteborg: Königlicher Besuch, Mehrwerterfahrungen und Jahrhundertverträge

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Königin Silvia von Schweden ganz in Pink, pardon Cyclamen, war eigens angereist, um dem neuen Europameister ihre Glückwünsche auszusprechen. (© Pauline von Hardenberg)

Woran man merkt, dass wichtige Entscheidungen anstehen, wie nachhaltig in Schweden gewirtschaftet wird und was Ludger Beerbaum vom neuesten FEI-Vertragswerk hält.

Woran merkt man, dass es wichtig wird? Richtig, die Royals geben sich die Ehre. In diesem Fall das schwedische Königspaar, das gerade von FEI-Präsident Ingmar de Vos zum Platz geführt wird. Übrigens keine feudalen Goldsessel wie in Scheichkreisen üblich, sondern normale Stühle, auf der Beletage  des VIP-Zeltes. Wahre Majestät hat billigen Protz nicht nötig. Königin Silvia in leuchtendem cyclamen-Kostüm (ich wollte schon schreiben „pink“, aber mein Chefredakteur findet das irgendwie unköniglich). Also Cyclamen, auf jeden Fall weithin leuchtend. Um den Hals trägt Silvia eine dicke Goldkette plus Brosche an der Kostümjacke. Kein Hut, sondern schöne offene Haare. De Vos erklärt ihr die Springreiter-Welt, der König läuft nebenher und tut, als ob er sich auch für Pferde interessiert. Gut geplant. Am Ende darf Silvia dem Schweden Peder Fredricsen gratulieren, das hat die königliche PR-Abteilung gut hingekriegt.

Noch eine Stunde, dann ist mal wieder alles vorbei, wir werden uns über den Landweg nach Hause aufmachen. Das ist zwar ein Umweg, aber aufs Schiff wollen wir nicht nochmal: Das ist weg, wenn wir hier fertig sind.

Es ging uns gut hier eine Woche lang, die Göteborger sind ausgefuchste Turnierveranstalter seit Jahrzehnten, wissen, wie’s geht. Man ist hier umweltbewusst, das kriegt man an jeder Ecke zu spüren. Zu trinken gibt es Leitungswasser. Wie auch im Hotel, wo einem mitgeteilt wurde: Das schwedische Leitungswasser sei so gut, dass man nicht andres trinken müsse. Na, dann! Außerdem wurde man beim Frühstücksbuffet aufgefordert, nicht mehr auf den Teller zu schaufeln, als man aufessen kann, damit nicht soviel weggeworfen werden muss. Und am Fahrstuhl hing ein Schild, mit dem Hinweis, dass man auch die Treppe benutzen könne. Das spart Strom und verbraucht Kalorien, zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

Nur mit den Parkuhren an der Straße war ich ein bisschen überfordert. Man musste seine Kreditkarte reinstecken und solange drücken, bis die Zeit erschien, zu der man wieder wegfahren wollte. Dazwischen Aufforderungen auf schwedisch, die ich deswegen nicht befolgen konnte, weil mein Schwedisch eher rudimentär ist. Fazit aus vier Nächten: Zweimal gut gegangen, einmal korrekt bezahlt, einmal ein Knöllchen von schlappen 400 Kronen (40 Euro) und eine Nacht im letzten Winkel der Garage, in der meine Freundin Micky netterweise mein Auto reingefahren und meine Freundin Christine es morgens wieder herausgefahren hat. Man kann nicht alles können und Ein- und Ausparken gehört nicht zu meinen Talenten.

Heute morgen gab die FEI eine Pressekonferenz, es gibt einen neuen Sponsor für die Nationenpreise. Sehr wichtig, nachdem der arabische Sponsor Furusiyya ausgestiegen war. Der neue alte Sponsor: Longines, die Uhrenfirma, sponsert die FEI ohnehin in großem Stil. Jetzt also auch die Nationenpreise auf unbestimmte Zeit. „Wenn wir in Rente gehen, hoffe ich, sind FEI und Longines immer noch Partner“, sagt FEI-Präsident Ingmar de Vos. Dann unterschrieben de Vos für die FEI und Juan Carlos Capelli für Longines vor unseren Augen und stießen mit Champagner an. Den gab es am Ende auch für die Journalisten. Die Reiter jubeln. „Der Vertrag ist ein Jahrhundertwerk“, sagt Ludger Beerbaum. „Davon hängt auch die olympische Zukunft des Pferdesports ab.“ Dann mal Prost!


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