Sch…-EM-Auftakt  für Jessica von Bredow-Werndl und Dalera

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Jessica von Bredow-Werndl und Dalera TSF auf dem Weg zum Stadion (© Pauline von Hardenberg)

Mit einer sehr guten Prüfung, aber einem super teuren Patzer ist Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera in die Europameisterschaft gestartet. Knapp 77 Prozent erreichte das erste deutsche Starterpaar. Es hätten locker 78-Plus sein können. Wäre da nicht die Verdauung gewesen.

„Ich habe so geweint“, gibt Jessica von Bredow-Werndl freimütig zu. Vor zehn Minuten hat sie das Viereck der Europameisterschaft in Rotterdam verlassen. Pitschnass sind beide, Reiterin und die Trakehner Stute. Während des Abreitens hatte es wolkenbruchartig gegossen. Doch pünktlich zur Prüfung hatte es dann aufgehört zu regnen.

Dalera fing so an, dass man versteht, warum Jessica von Bredow-Werndl sagt, sie habe mit der Stute in der Vorbereitung ein „neues Level erreicht“. Gutes Halten, die ersten Lektionen wie am Schnürchen, Traversale nach rechts elastisch und weit greifend. Dann der Sch…Moment. In der Traversale nach links hob die Easy Game-Tochter den Schweif, verlor den Schwung. Totalausfall in dieser Lektion, 2,9. Besonders bitter: Im Grand Prix geht diese Lektion in zweifacher Wertung ins Ergebnis ein.

Jessica: Vorbereitung war perfekt

Es war ein „beschissener Moment“, sagt Jessica von Bredow-Werndl. „Sie musste halt auf’s Klo“. Die Anspannung ist der Reiterin anzusehen, das Lächeln ist noch nicht wieder da, die Augen sind leicht rot. „Sie war perfekt, die Vorbereitung war perfekt. Und jetzt so etwas.“ Sie habe nur zeigen wollen, was sie alles können, sagt die Aubenhausenerin. Das Training vor den Europameisterschaften hatte sie optimistisch nach Rotterdam reisen lassen. Wer die 2,9-Traversale ausblendet, weiß warum. Die Trakehner Stute trabte in den Verstärkungen deutlich verbessert, kraftvoller im Hinterbein. Noten bis 8,5 unterstrichen den guten Eindruck. Die ersten beiden Piaffen waren super regelmäßig, die Passage-Übergänge ohne Fehl und Tadel. Die abschließende Piaffe bei X verdiente absolute Höchstnoten. Dalera schwingt im Rücken in den Piaffen. Nichts wirkt andressiert oder mechanisch.

In den Serienwechseln gelangen die fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen noch minimal besser (7,8) als die Einerwechsel (7,7). „Da habe ich sie in der Mitte noch einmal runder gemacht, um auf Nummer sicher zu gehen.“ Auch die Zickzack-Traversalen waren gut eingeteilt und ausdrucksstark (7,8). Die Linkspirouette (7,8) war noch einen Deut besser als die nach rechts (7,6).

Knapp 77 Prozent, exakt 76,894, lassen den Schluss zu, dass ohne den schwerwiegenden Patzer 78 Prozent und mehr locker drin gewesen wären. Es sei für die Stute untypisch während der Prüfung zu misten, sagt Jessica von Bredow-Werndl. „Das ist für mich ein Déjavu. Das hat Unee bei der WM-Sichtung in Perl auch gemacht, damals vorm Galopp.“ Warum? Das ist die Frage, die sie beschäftigt. „Ich suche da immer nach der Botschaft“ – die Antwort dürfte sein. „Ich musste mal“. Mutter Micaela sieht es etwas gelassener als die Tochter:

Sch… bringt Glück ist ab sofort die Devise.

Jessicas Tränen der Anspannung sind verständlich. Denn die „beschissene“ Traversale könnte auch tiefenpsychologisch teuer sein: Gehen die anderen deutschen Teampferde entsprechend der Erwartung, dann sind Jessica und Dalera die Nummer vier im Team. Die Richter könnten so etwas dann ebenfalls im Hinterkopf haben. Vor allem wenn am Donnerstag der Grand Prix Special auf dem Programm steht. Und die Kür, in der nur die besten drei Teilnehmer einer Equipe startberechtigt sind, in Aachen das Highlight von Dalera, könnte damit auch in Gefahr sein.

Nun hofft Jessica von Bredow-Werndl erstmal, dass ihr Rotterdam-Trip ihr noch einen Startplatz unter den besten Zehn aus dem Grand Prix beschert, die Top Five scheint nunmehr schwer zu erreichen zu sein. Top 10 wäre auch deswegen wichtig, weil in Gruppen gelost wird. Die besten Zehn gehen im Grand Prix Special zuletzt ins Viereck. Und dann sind die Richter gegebenfalls noch etwas generöser mit den Noten.

Deutschland vor Großbritannien und Schweden in der Zwischenwertung

Nach dem ersten Ritt führt zwischenzeitlich Deutschland vor den Briten. Hier war es die junge Charlotte Fry mit Dark Legend, die mit 74,317 Prozent den Auftakt machte. Der Rappe ging leicht verkantet in den Traversalen und hätte in den regelmäßig getretenen Piaffen deutlicher unter den Schwerpunkt kommen müssen. Knapp dahinter rangieren die Schweden. Hier hatte Antonia Ramel mit Brother de Jeu (74,223) als Startreiterin ins Viereck gemusst.

Die Ergebnisse finden Sie hier.

 

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