Totilas und Matthias Rath: Comeback beim CDI Kapellen mit 78,68 Prozent, mit erster Reaktion Bundestrainerin Monica Theodorescu

Matthias Alexander Rath hat heute Totilas nach zweijähriger
Turnierpause wieder erstmals auf einem Wettkampf präsentiert. Mit 78,68 Prozent
liegt er beim Grand Prix im belgischen Kapellen derzeit in Führung. Die Richter
waren recht unterschiedlicher Meinung zum Ritt.

Monica Theodorescu ist zufrieden: Ein schöner Ritt, vor allem sehr schön im Hals, lautete die erste Bilanz der Bundestrainerin gegenüber St.GEORG-online. Lediglich ein Fehler, in den 15 fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung, und eine Unstimmigkeit zum Abschluss der Rechtspirouette hätten Punkte gekostet, so Theodorescu.

Auch beim Abreiten habe es keine schlechten Bilder gegeben.

Im ersten Drittel der Grand Prix-Aufgabe, in der Trablektionen starker Trab, Traversalen sowie Piaffen und Passagen überwiegen, hatten die Bewertungen des 29-Jährigen und seines so gern in der Boulevardpresse als Wunderhengst bezeichneten KWPN-Hengst v. Gribaldi kurzfristig bei knapp über 80 Prozent gelegen.

Ganz einig waren sich die fünf Juroren am Viereck aber nicht. Sage und schreibe 9,2 Prozent lagen zwischen den Beurteilungen der Russin Irian McNamee (bei E: 82,9 Prozent) und des Belgiers Geert Lemmens (B: 73,7 Prozent). Die beiden Richter der höchsten Kategorie, offizielle Fünfsternerichter O-Judges, mit der Befähigung, Championate wie Welt- und Europameisterschaften zu richten, sahen das Paar bei 79,5 (Dr. Dietrich Plewa) und 82,2 Prozent (Leif Törnblad, Dänemark Chefrichter bei C).

Rath, der seit zwei Jahren mit dem umstrittenen niederländischen Ex-Bundestrainer Sjef Janssen trainiert, hatte bei seinen letzten Turnierauftritten im Jahr 2012 durch sein Abreiten für Negativschlagzeilen gesorgt. Ein möglicher Olympiastart des Paares war durch eine Erkrankung des Reiters an Pfeifferschem Drüsenfieber vereitelt worden. Er hatte dadurch nicht mehr an den vorgeschriebenen Sichtungsturnieren teilnehmen können.

Kein Sichtungstermin, wohl aber ein Pflichtstart, waren die Deutschen Meisterschaften in Balve am vergangenen Wochenende. Dort mussten alle Kaderreiter, die Ambitionen auf eine Teilnahme an den Weltreiterspielen (WEG) Ende August in der Normandie haben, an den Start gehen. Die Reiter, nicht die Pferde, wie Klaus Roeser, Vorsitzender des Dressurausschusses des Deutschen Olymiadekomitees für Reiterei (DOKR) und Angestellter des Totilas-Besitzers Paul Schockemöhle, etwas ungehalten in Balve betont hatte.

Für Rath gilt diese Regelung nicht, da er aktuell in keinem Kader geführt wird. Er muss vielmehr, so er denn bei den WEG dabei sein will, zwei Qualifikationsnoten liefern. Dafür muss er auf einem internationalen Turnier eine Bewertung von mindestens 64 Prozent von einer Jury erhalten, zu der zwei Fünfsternerichter, O-Judges, gehört haben, von denen keiner die Nationalität des Reiters hat. Die Gelegenheit böte sich für Rath beim CDI in Perl-Borg auf dem Gestüt Peterhof, wo Ende Juni eine verpflichtende Sichtung für alle in Frage kommenden deutschen Reiter-Pferde-Kombinationen stattfindet. Bis zum 21. Juli müssen die Qualifikationsergebnisse erbracht sein, das ist der Montag nach dem CHIO Aachen. Nach aktuellem Recherchestand des Teams von St.GEORG online, würde das heutige Ergebnis aus Kapellen somit für die internationale Anerkennung in Hinblick auf einen Start bei den WEG nicht ausreichen.

Das Training von Totilas und Matthias Alexander Rath fand in der letzten Zeit ohne zutun der Bundestrainer statt, eben weil das Paar vom Schafhof in Kronberg derzeit in keinem Kader geführt ist. Allerdings kann es nach diesem 78-Prozentritt umgehend wieder zu einer Berufung kommen. Vor ein paar Wochen hatte Bundestrainerin Monica Theodorescu die Sichtung zum Preis der Besten auf dem Schafhof genutzt, um Rath und Totilas einmal beim Trainieren zu sehen.

In Balve war noch von nicht die Rede gewesen von einem bevorstehenden Start von Totilas, allerdings hatten die Gerüchte eines bevorstehenden Comebacks sich gehalten. Gestern hatte die BILD-Zeitung von dem geplanten Start und der Schwangerschaft von Raths Ehefrau Franziska berichtet. Heute darf Raths Vater Klaus-Martin in einem langen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ, seine Sicht der Dinge von sich geben. Unter anderem sagt er darin, Totilas sei weder im vergangenen Jahr, noch in diesem Jahr „im Deckgeschäft“. Dabei steht der Rappe sowohl 2013 als auch 2014 im Oldenburger Hengstverteilungsplan verzeichnet, sowohl für Bedeckungen mit Frischsamen (FS) und Tiefgefriersperma (TG).