Fabienne Lütkemeier liefert – guter Auftakt für deutsche Dressurequipe

Fabienne Lütkemeier und D’Agostino

Herning (DEN) MCH-Arena 21.08.2013 Europameisterschaften Dressur- und Springreiten und Para-Dressur: Dressur Grand Prix (erster Tag): Fabienne Lütkemeier (GER) überglücklich nach ihrem Ritt mit D´Agostino Foto: ©Julia Rau Am Schinnergraben 57 55129 Mainz Tel.: 06131-507751 Mobil: 0171-9517199 Rüsselsheimer Volksbank BLZ 500 930 00 Kto.: 6514006 Es gelten ausschliesslich meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (© Julia Rau)

Alle waren froh, Mutter Gina Capellmann-Lütkemeier, Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu samt ihrer Honorarcoaches und der Rest der rotgewandeten Entourage. Championatsneuling Lütkemeier drehte eine fokussierte Runde mit nur einem kleinen Schnitzer. Die jeweils zweiten Teamreiter für die Niederlande, Dänemark und Großbritannien kamen an Fabis Resultat nicht heran.

„Das war super, einfach nur super!“, viel mehr wollte Bundestrainerin Monica Theodorescu zu dem Ritt nicht sagen. „Fabi war voll auf Spur“, freute sich auch ihre Mutter. Die Paderbornerin hatte erst vor zehn Tagen erfahren, dass sie nach dem Ausfall von Dablino und Anabel Balkenhol ins Team nachrücken würde. War sie nervös? „Natürlich, das ist normal“, sagt Monica Theodorescu. „Aber sie war konzentriert“. Belohnt wurde das unter anderem mit den ersten beiden Neunen (für den starken Galopp) dieser Wettkämpfe. Auch im starken Schritt, in den fliegenden Galoppwechseln und im starken Trab gab es mehrere Achten. Beim Angaloppieren aus der Passage war die Harmonie kurz dahin. In der Galopptour hatten sich beide aber wieder gefunden. Zwar kommt der Fuchs immer noch hin und wieder leicht hinter die Senkrechte, aber insgesamt zeigte er sich auch hier noch einmal deutlich verbessert. Die Zweierwechsel hätten etwas besser eingeteilt sein können, da kam das Paar gerade noch mit dem letzten Wechsel am Punkt an – aber das ist Fehlersuchen auf hohem Niveau. Was bemerkenswert ist: In den Piaffen trat keines der ersten 20 Pferde auch nur annähernd so gleichmäßig und rhythmisch wie der De Niro-Sohn. Sicherlich ist die Piaffe nicht seine Glanzlektion, das Hinterbein müsste eigentlich mehr unter den Körper fußen, aber es ist dennoch ein Zeichen, was gutes Dressurtraining vermag: Ein Pferd Lektionen in Losgelassenheit und Harmonie zeigen zu lassen, selbst wenn die Anatomie es ihm nicht in die Wiege gelegt hat. „15 Tritte auf der Stelle“, betont die Bundestrainerin und man sieht ihrem breiten Strahlen an, wie sehr sie sich über die Fortschritte dieses Paares freut. Die Übergänge in die Piaffe hinein und aus ihr wieder heraus waren ebenfalls von einer Qualität, wie sie kein anderes Paar zeigte.
Wie viel die 73,237 Prozent Wert waren, die Fabienne Lütkemeier für ihr Championatsdebüt bekam, wurde von Minute zu Minute deutlicher. Zunächst ging der zweite britische Reiter an den Start, Michael Eilberg mit Halfmoon Delphi. Die Schimmelstute v. Dimaggio-Westwall, die britische Papiere hat, aber über ein lupenreines hannoversches Pedigree verfügt, hat viele Höhepunkte: Ausdrucksstarke Passage, meistens in guter Silhouette, geschickt vorgestellt von dem schön sitzenden Briten, dessen Vater früher im Stall Klimke geritten ist. Leider kann die Stute ihre kadenzierten Bewegungen nicht immer halten, dann wird sie unruhig im Maul und kippt ab, beispielsweise in den Seitengängen. Im Schritt war der Takt nicht immer klar. Am spannendsten war hier die Bewertung: Von Platz eins (drei der insgesamt sieben Richter) bis Platz zehn reichte das Spektrum. Die Französin Isabelle Judet gab verzückte 75,638 Prozent, ihr schwedischer Kollege Gustaf Svalling beließ es bei 65,532 Prozent. Mit 72,264 Prozent landete er zunächst hinter Fabienne Lütkemeier.
Dann kam Andreas Helgstrand. Das Stadion hatte sich gefüllt, war aber natürlich nicht voll. Fußball spielt halt wortwörtlich in einer anderen Liga. Aber es wurde still im Stadion als der Däne mit Akeem Foldager begann. Der dänische Wallach trabte selten im Rhythmus, immer wieder schwingt das rechte Vorderbein etwas höher als das linke. Nach den ersten zehn Lektionen, allesamt – das Rückwärtstrichten ausgenommen – im Trab mit Piaffen und Passagen, in denen der Wallach im hohen 70-Prozent-Bereich lag. Das ungleich abfußende Hinterbein in der Passage störte die Richter weniger als die Fehler, die sich in der Prüfung anäuften: wenig Übertritt im Schritt, fehlerhaftes Angaloppieren, versprungenen Zweier- und Einerwechsel, Taktfehler im starken Trab – außer dem deutschen Richter Dr. Dietrich Plewa (75,532) und dem Dänen Leif Törnblad (72,766 Prozent) sah kein weiterer Juror das Paar auf Platz eins. Am Ende gab es 72,72 Prozent für das hochgewettete Paar.
Auch der zweite Niederländer, Hans Peter Minderhoud mit dem Oldenburger Romanov v. Rohdiamant, konnte nicht über sich hinauswachsen. Lebhaften Piaffen stand eine Prüfung gegenüber, die über weite Strecken unter dem mangelnden Hinterhandsengagement des Braunen litt. Und dem Umstand, dass auch er sich in keiner Phase dehnte, keine Rahmenerweiterung zeigte, an Stellen, an denen diese durchaus erwünscht bzw. gefordert ist. Schwankende Galoppwechsel und ein Umspringen im starken Galopp, bzw. der geforderte fliegende Wechsel deutlich vor dem Wechselpunkt, führten zu einer Endnote von 71,35 Prozent.
Mehr zu den Ritten in einer Galerie, die heute abend noch online sein wird.
JT

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