EM Vierspänner Donaueschingen: Sensationsgold für Deutschland!

Pferdesport-Fahren

Anna Sandmann (© www.toffi-images.de)

Zum ersten Mal in der Geschichte der Europameisterschaften der Vierspänner gewinnt Deutschland die Goldmedaille. In der Einzelwertung platzieren sich fünf Gespanne unter den Top Ten. Anna Sandmann bringt es auf den Punkt: „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte Gold mit dem Team und Fünfte im Einzel, hätte ich gesagt: Träum weiter“!

Bei Bundestrainer Karl-Heinz Geiger hört sich das dann so an: „Wir sind happy, dass das alles hier im eigenen Land so funktioniert hat, das ist einfach großartig. Damit haben wir nach dem Verlauf der bisherigen Saison nicht gerechnet“, freut er sich über seine erste Goldmedaille mit den Vierspännern.

Favoritensturz und Trostpflaster für die Niederlande

Die Titelverteidiger und Top-Favoriten aus den Niederlanden spielten bei der Vergabe der Medaille keine Rolle mehr, einzig Bram Chardon, der vor einigen Jahren Weltmeister bei den Pony-Vierspännern war, bestritt noch das abschließende Kegelfahren. Sein Vater Ijsbrand, 2017 in Göteborg noch Europameister, war im Gelände nach dem Sturz seiner Kutsche ausgeschieden, Koos de Ronde nach Unstimmigkeiten mit der Ground-Jury wegen einer Zeitüberschreitung im Gelände verärgert abgereist.

Bram Chardon nutzte seine Chance, hatte nur einen Abwurf im Kegelparcours und sicherte sich damit den Titel des Europameisters (153,46 P.). Ein kleines Trostpflaster für die enttäuschten Niederländer. Und die Medaille bleibt ja in der Familie, geht vom Vater an den Sohn.

Deutschlands Weg zum Gold

Das deutsche Team startete mit einem beruhigenden Vorsprung von 15 Punkten in den Kegelparcours. Als erste Starterin ging Anna Sandmann die Aufgabe an. Sie blieb ohne Abwurf, kassierte lediglich 1,16 Punkte für Zeitüberschreitung und verbesserte sich damit in der Einzelwertung vom sechsten auf den fünften Platz (163,81 P.).

Damit tauschte sie den Platz mit Michael Brauchle, der nach Dressur und Marathon noch an fünfter Stelle rangiert hatte, im Kegelparcours jedoch einen Abwurf hinnehmen musste und die Kombinierte Wertung auf Platz sechs abschloss (165,15 P.). Nach seiner Fahrt stand bereits fest: Deutschland ist zum ersten Mal Europameister.

Georg von Stein konnte als letzter deutscher Fahrer also unbeschwert durch die Kegel fahren, immerhin lag er zu dem Zeitpunkt noch auf Bronzekurs. Schon an Hindernis musste er seine Medaillenhoffnung begraben, hier fiel ein Ball. „Schade, dass es mit Bronze nicht geklappt hat, aber wir freuen uns sehr über Mannschafts-Gold“, tröstete er sich schnell über die entgangene Bronzemedaille (Platz vier, 158,32 P.).

Silber ging an die Belgier, die bei den Weltreiterspielen 2918 in Tryon bereits Bronze gewonnen hatten. Das junge Team mit Glenn Geerts, Dries Degriek und dem Vize-Europameister von 2017, Edouard Simonet beendete den Nationenpreis mit 324,74 Punkten und zog im Kegelfahren an den bis dahin an zweiter Stelle rangierenden Franzosen vorbei. 330,60 Punkte standen für Anthony Horde, Benjamin Allaud und Thibault Coudry auf dem Konto. Benjamin Allaud sicherte sich darüber hinaus den Titel des Vize-Europameisters (155,58 P.), Glenn Geerts gewann Bronze (156,63 P.).

Fazit des Bundestrainers

Fünf Fahrer unter den Top Ten, das war ein unerwartetes und grandioses Ergebnis in Donaueschingen. Die drei Teamfahrer auf Platz vier, fünf und sechs, als Siebter Christoph Sandmann, der in Göteborg Silber mit der Mannschaft und Einzelbronze gewann und sich bei dieser EM mit einer strafpunktfreien Runde im Kegelfahren noch um einen Platz verbessern konnte (169,42 P.). Mareike Harm, seine Teamkollegin von 2017, landete trotz des Ausfalls ihres Pferdes Amicello noch auf dem zehnten Rang (173,32 P.).

Das größte Lob aber ging an Anna Sandmann. Die junge Frau hat für 2019 ihren Medaillensatz schon komplett: Bronze bei der Deutschen Meisterschaft mit dem Vierspänner, Silber bei der DM mit dem Zweispänner und nun Gold bei der EM mit dem Vierspänner. Sie erntete vom Bundestrainer das größte Lob: „Anna war überragend. Sie hat bei ihrem ersten großen Championat drei Top-Ergebnisse eingefahren, Platz fünf in der Einzelwertung ist ein toller Erfolg.“

Gestern konnte Karl-Heinz Geiger seinen Geburtstag feiern, „mit dem ganzen Team. Nicht so lange, aber sehr gemütlich“, beschreibt er den Abend. Die Meisterschaftsfeier darf und wird länger und ausgelassener sein, die Fahrer können nicht nur feste arbeiten, sie können auch Feste feiern.