FEI Vollversammlung: Die wichtigsten Änderungen im Überblick

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FEI Logo (© www.fei.org)

Die Vollversammlung für 2017 liegt hinter dem Weltreiterverband (FEI). Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Die meisten Entscheidungen, die bei der Generalversammlung der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) in Montevideo (URU) getroffen wurden, überraschen nicht mehr, weil vorher ausgiebig und strittig diskutiert wurde. Wir haben darüber mehrfach berichtet. Aber jetzt sind sie Gesetz. Im Folgenden die wichtigsten Beschlüsse.

Wahlen

Springen: Der deutsche Springrichter Stephan Ellenbruch, bereits bei den Olympischen Spielen 2016 Jury-Chef und bisher Mitglied im FEI-Springkommittee, ist neuer Vorsitzender des Komitees.

Dressur: Frank Kempermann, Turnierleiter des CHIO Aachen, bleibt für weitere vier Jahre Chef des Dressurkomitees.

Vielseitigkeit:Philine Ganders-Meyer, in der deutschen FN-Zentrale zuständig für die Vielseitigkeit, wurde als neues Mitglied ins Vielseitigkeitskomitee gewählt.

Regeln

Olympiaqualifikation: Die Dreireiter-Regelung ist fest beschlossen, wobei dem Ersatzreiter eine wichtigere Rolle eingeräumt wird als bisher. Die deutsche FN konnte erreichen, die Deadline für die individuelle Qualifikation von Reitern (minimum eligibility requirement) auf fünf Wochen vor Nennungsschluss gelegt statt auf den 18. Mai. So haben Reiter zwei bis drei Wochen mehr Zeit, ihre Olympiatauglichkeit nachzuweisen. Das ist besonders wichtig in der Vielseitigkeit, in denen es insgesamt viel weniger Startmöglichkeiten gibt als in den anderen beiden Disziplinen.

Springen

Hinterbeingamaschen: Darüber musste gesondert abgestimmt werden, zu dem Thema hatte es in den Sitzungsrunden die Tage zuvor Diskussionen gegeben. Einige wollten sie erst generell 2021 verbieten. In einer separaten Abstimmung wurde der Vorschlag einer gestaffelten Abschaffung mit 30 Gegenstimmen angenommen. Die deutsche FN begründet ihre Zustimmung zum gestaffelten Verbot damit, dass man erstmal bei Ponyreitern und Junioren/Jungen Reitern die Regel ausprobieren und Probleme beheben könne, bevor das Verbot bei den Senioren greift.

„Einladungen“ zu Springturnieren sind verkappte Paycards, wie allgemein bekannt. Der Verkauf von Startplätzen ist für den Veranstalter eine willkommene Finanzierungsmethode. Alle Reiter müssen jetzt von ihrer FN „abgehakt“ werden. Zugleich ist eine feste Quote vorgesehen, nach der Reiter von der Weltrangliste startberechtigt sind. Und schließlich können Veranstalter künftig eine höhere Quote an Reitern „einladen“. Das Problem für Deutschland ist, dass die Quote für Reiter des eigenen Landes niedriger ist als bisher. Aktuell können auf deutschen Turnieren 50 Prozent der Reiter Deutsche sein. Künftig sind es je nach Niveau des Turnieres nur noch 20 bis 30 Prozent. Die Deutschen verlieren also etwa 10 bis 15 Reiter. Ein von den Deutschen eingebrachter Kompromissvorschlag, der eine höhere Quote für Home Riders vorsieht, wurde nicht angenommen, auch dank mangelnder Unterstützung der Delegierten aus anderen Ländern. Die „Invitation Rules“ wurden schließlich mit 32 Gegenstimmen verabschiedet. Die Änderung wird erst die zweite Jahreshälfte 2018 betreffen betreffen, da das Online-Nennungssystem erst dann eingesetzt werden kann. Das Jahr soll genutzt werden, um die Entwicklung auszuwerten und für 2019 einen neuen Vorschlag einzubringen.

Bei der Weltrangliste werden einige gute Veränderungen vorgenommen. So gibt es auf Vorschlag des International Jumping Rides Club (IJRC) pro Turnier nur noch eine Prüfung der höchsten Punktekategorie AA; in der Vergangenheit konnte z.B. das Global Champions Tour-Turnier Shanghai in drei Prüfungen AA Punkte vergeben. Statistiken haben im Übrigen gezeigt, dass die Teilnahme an der GCL/GCT nur bei sehr wenigen Reitern zu einer extremen Veränderung ihrer Weltranglistenposition geführt hat.

Dressur

Die Schlussnoten mit den Lektions-übergreifenden Kriterien wie Schwung, Takt, Losgelassen, Gehorsam, Durchlässigkeit etc. für das Pferd wurden gegen die Stimme der deutschen Delegierten abgeschafft. Die Note für Sitz und Einwirkung bleibt.

Das sogenannte HiLo-Verfahren (Streichung der jeweils höchsten und niedrigsten Note) wurde aufgrund deutlichsten Widerstandes nicht zur Abstimmung gebracht. Es wird 2018 eine Testphase geben, die von unabhängigen Experten ausgewertet wird. Das ist wichtig, damit nicht die Erfinder bzw. Anbieter bestimmter technischer Systeme sich selber evaluieren.

Distanzreiten

Hier gab es einige umstrittene Entscheidungen über die noch weiter beraten werden soll. Alle Regeländerungen werden erst zum 1. Januar 2019 gültig.

Es gibt ein künftiges Mindestgewicht für Senioren von 70 Kilo, nicht wie ursprünglich vorgeschlagen von 75 Kilo.  Es wurde verringert, um leichtere Reiter/Innen nicht durch zu viel totes Gewicht zu benachteiligen.

Finanzen

Der Haushalt der FEI wächst stetig an, auf ca. 53 Millionen CHF in 2016. Neue Sponsoren sind eine Ursache für die Zuwächse, außerdem steigende Veranstaltergebühren.

 

 

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  1. Lena Santabalbina

    Die FEI schafft die Benotung der grundlegenden Punkte der Ausbildungsskala ab! Damit schafft Sie die Dressur ab, oder anders gesagt: die Dressur kommt vom Zirkus, nun verkommt sie zum Zirkus!

  2. M Maier

    Das Ausprobieren der Abschaffung der Hinterbeingamaschen bei den Junioren/Jungen Reitern ist in meinen Augen ein fauler Kompromiss: Denn warum soll ausgerechnet dort ausprobiert werden, wo es noch gar nicht um das große Geld geht und daher die Motivation für straffe Gamaschen eher gering ist? Missbrauch ist natürlich auch in diesen Altersklassen nicht ausgeschlossen, aber ist er gleich wahrscheinlich wie in den höher dotierten Senioren-Prüfungen? Und trägt ein generelles Verbot zum Schutz der Tiere bei oder sollte man nicht eher nach Wegen suchen, die Spannung der Verschlüsse zu regeln? Das ist natürlich ungleich schwieriger, würde aber die Möglichkeit zulassen, die Hinterbeine weiterhin vor Stößen und Schlägen zu schützen.

    Die Abschaffung der Gesamtnoten in der Dressur wird dazu führen, dass man dem Reiter eines Pferdes, das erkennbar unter Spannung steht, zukünftig keine positive Nachricht zu seinem Umgang mit dieser Spannung (z.B. über Note für Sitz und Einwirkung) geben kann. Andersherum kann ich im Zukunft auch keinem Reiter, dessen Ritt technisch sauber war, die sichtbare Spannung über die gesamte Prüfung und sein Zutun dazu (bspw. wegen grober Einwirkung) mehr ankreiden.

    Natürlich kann man mit den Endnoten Reiter bewusst hochziehen oder abstrafen, auch wenn die einzelnen Lektionen das für sich genommen nicht klar hergeben. Diese Gefahr bestand bisher sicher.

    Aber in Zukunft muss dann jeder Richter bei einer technisch sauberen, jedoch verspannt präsentierten Lektion eine tiefere Einzelnote geben. Und das muss er dann hinterher im Zweifelsfall für jede einzelne Note durch die gesamte Prüfung begründen. Damit setzt man die RichterInnen unnötig der Kritik aus.

    Und welche Information erhalte ich als Reiter dann beispielsweise noch zu meinem Sitz? Maximal kann ich auf einen Kommentar unter dem Protokoll, den ich dann quasi selbst in eine Note „übersetzen“ muss.
    Echte Innovation sieht irgendwie anders aus.

    Eine Zusatznote fürs Abreiten wäre in meinen Augen sinnvoller gewesen.


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