Olympia-Sperre wegen Doping: Russische Reiter unter neutraler Flagge gen Tokio

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Regina Isachkina und ihr Rheinländer Sun of May life beim Vetcheck des Weltcup-Faniles in Göteborg 2019. (© Pauline von Hardenberg)

Auf Betreiben der Welt-Anti-Dopingagentur (WADA) sind russische Sportlerinnen und Sportler von der Teilnahme an Championaten ausgeschlossen. Betroffen von der Olympia-Sperre sind auch die Reiter. Der Weltreiterverband (FEI) hat dazu Stellung genommen. Ein besonderer Dopingtest wird verlangt

Vergangenes Wochenende hatte die Welt-Anti-Dopingagentur (WADA) bewirkt, dass alle russischen Sportlerinnen und Sportler nicht an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Für vier Jahre soll damit der russische Sport international gesperrt sein. Grund für den auf der Exekutivsitzung der WADA in Lausanne getroffenen Beschluss ist eine Datenbank, die der WADA zugespielt wurde. Bei der Überprüfung der der WADA vorliegenden Daten und denen, die der Organisation von offizieller Seite aus Russland zur Verfügung gestellt wurden, fanden sich eklatante Unterschiede. Die „New York Times“ hatte als erste davon berichtet.

Der Zeitung zufolge wurden im Vergleich zur Originaldatei mehr als 15.000 Datensätze und Ordner gelöscht. Bei annähernd 600 Proben von knapp 300 Athletinnen und Athleten steht der Verdacht der Manipulation im Raum. So würden mutmaßliche Dopingvergehen verschleiert. Die Russische Anti Doping Agentur (RUSADA) will beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Beschwerde gegen den WADA-Beschluss einlegen.

Vorschlag der WADA: neutrale Flagge bei Olympia-Sperre

Um nicht alle russischen Sportler unter Generalverdacht zu stellen, hat die WADA folgenden Vorschlag unterbreitet: Russische Sportler, die des Dopings unverdächtig sind, sollen bei den Olympischen Spielen in Tokio unter neutraler Flagge an den Start gehen. Sie würden als „Olympische Sportler aus Russland“ geführt. Im Falle einer Goldmedaille würde aber weder die russische Flagge gehisst, noch die Nationalhymne erklingen. So war das Internationale Olympische Komitee bereits bei den Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea vorgegangen. Voraussetzung dafür wäre, dass diese Athletinnen und Athleten versichern können, dass sie nie gedopt waren und ihre Datensätze auch nicht zu denen zählen, die Anlass für den Entschluss waren.

Der Weltreiterverband (FEI) hat sich nun diesem Prozedere angeschlossen. Die russischen Dressurreiter hatten sich einen Mannschaftsplatz für die Spiele in Tokio gesichert. Unter den Top 300 der Dressurweltrangliste sind derzeit sieben Reiterinnen mit acht Pferden aufgeführt. Unter den Top 100 finden sich Elena Sidneva mit Fuhur wieder (Platz 57). Wobei das Pferd gerade verkauft wurde. Zweitbeste Russin ist Regina Isachkina mit Sun of May Life (83.).

Im Springlager sind die besten drei Russen Vladimir Tuganov (305.), Natalia Simonia (369.) und Sergey Petrov (378.). Russland bester Buschreiter in der Weltrangliste ist Aleksandr Markov (48.), gefolgt von Valery Martyshev (102.) und Andrey Mitin (123.).

Olympia-Sperre: Das sagt die FEI

Auf Nachfrage des St.GEORG hat die FEI ihre Vorgehensweise wie folgt beschrieben: „Als Unterzeichner des Codes der Welt-Anti-Dopingagentur (WADA) unterstützt die FEI vollständig die Aussagen des Exekutivkomitees der WADA, wonach die Russische Anti Doping Agentur (RUSADA) nicht konform mit dem WADA Code gehandelt hat und für eine Zeitspanne von vier Jahren vom Sport ausgeschlossen ist. Der Umstand, dass das Exekutivkomitee der WADA einstimmig den Empfehlungen des unabhängigen Compliance Review Committee gefolgt ist, setzt ein starkes Signal für die Sportwelt.

Während klar ist, dass diejenigen, die sich entschieden haben zu betrügen, bestraft werden müssen, macht die Entscheidung auch deutlich, dass Athletinnen und Athleten aus Russland in neutraler Funktion, also nicht als Vertreter eines Landes, an den Olympischen Spielen von Tokio 2020 teilnehmen dürfen, vorausgesetzt sie können deutlich machen, dass sie nicht an der Missachtung der Regeln beteiligt waren. Um die Rechte der sauberen Athletinnen und Athleten zu bewahren, werden wir sie wie vor den Spielen von Rio 2016 auf Doping testen.

Die Entscheidung des Exekutivkomitees der WADA wird nur rechtskräftig werden, wenn die RUSADA sie akzeptiert oder aber ihre Beschwerde vor dem Weltsportgerichtshof, Court of Arbitration for Sport (CAS), entsprechend beschieden wurde. Leitlinien für eine etwaige Umsetzung sind noch nicht ausgearbeitet worden.“

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  1. Carmen Fischer

    Sippenhaft (Also generelle Mitverurteilung aufgrund des Fehlverhaltens eines anderen Mitglied einer Familie, Sippe, Gruppierung) ist Menschenrechtswidrig.
    Und den russischen Sportlern die nicht gedopt haben die Teilname nur mittels „Stigmaflagge“ zu ermöglichen ….
    Beides weckt Erinnerung an finstere Zeiten.
    Wozu will man Sportler noch alles instrumentalisieren?


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