Olympisches Mannschaftsspringen: Gold für Briten, Silber für Niederlande, Bronze für Saudi-Arabien

Stehen 2020 nur noch neun Reiter auf dem olympischen Podium? Derzeit sieht es danach aus …

Olympische Spiele London Greenwich Park 06.08.2012 Springen Mannschaftswertung (zweite Runde Nationenpreis) Siegerehrung: Silber für das Team Niederlande v.l.n.r. Jur Vrieling, Maikel van der Vleuten, Marc Houtzager und Gerco Schröder (NED), Gold für Großbritannien Nick Skelton, Ben Maher, Scott Brash und Peter Charles, Bronze für das Königreich Saudi-Arabien Prinz Abdullah al Saud, Kamal Bahamdan, Ramzy al Duhami und Abdullah Waleed al Sharbatly (KSA) Foto: Julia Rau Am Schinnergraben 57 55129 Mainz Tel.: 06131-507751 Mobil: 0171-9517199 Rüsselsheimer Volksbank BLZ 500 930 00 Kto.: 6514006 Es gelten ausschliesslich meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (© Julia Rau)

Das olympische Mannschaftsspringen wurde ohne die deutschen Springreiter entschieden. Zuguterletzt mussten Briten und Niederländer um Gold stechen, Bronze ging an die Saudis. Fürs Einzelfinale am Mittwoch konnten sich Marcus Ehning und Meredith Michaels-Beerbaum qualifizieren.

Nach vier Durchgängen hatten sich die Reiter aus Saudi-Arabien mit 14 Minuspunkten aus beiden Umläufen die Bronzemedaille erobert, während die Reiter aus Großbritannien und den Niederlanden um den Olympiasieg stechen mussten. Nachdem dem letzte Briten, Peter Charles auf Vindicat, eine fehlerlose Runde hingelegt hatte, stand der Olympiasieg für die Gastgeber fest. Im Stechen war lediglich Scott Brash auf Hello Sanctos ein Abwurf unterlaufen, der nun nicht mehr zählte, da auch Nick Skelton auf Big Star und Ben Maher auf Triple X fehlerfrei geblieben waren. Bei den Niederländern war Jur Vrieling auf Bubalou zunächst eine Nullrunde gelungen, dann aber kassierte Maikel von der Vleuten auf Verdi zwei, Marc Houtzager auf Tamino einen Abwurf. Damit waren die Briten nicht mehr einzuholen, der letzte Niederländer, Gerco Schröder, konnte seinen Hengst London im Stall lassen.

Nach Enttäuschung und Hoffnung schüttelten gestern die Emotionen im deutschen Springreiterlager durcheinander. Die Niederlage in der Mannschaftswertung Platz zehn, Endrunde verfehlt, keine Medaille zu verwinden, wird wohl noch etwas dauern. Aber neue Hoffnung keimte, als sich Marcus Ehning auf Plot Blue und Meredith Michaels-Beerbaum auf Bella Donna in der zweiten Nationenpreisrunde gestern, die zugleich die dritte Qualifikation für die Einzelreiter war, durch zwei abwurffreie Runden einen Startplatz im Einzelfinale am Mittwoch sicherten. Heute hatte ich das Glück, das mir gestern fehlte, sagte Ehning. Heute konnten mein Pferd und ich unsere Erfahrung ausspielen. Auch Meredith Michaels-Beerbaum konnte wieder lachen. Mein Pferd hat heute viel Kraft und Mut gezeigt, jetzt hoffe ich nur, dass die junge Stute genügend Kondition für zwei weitere Runden hat. Ich freue mich auf Mittwoch. Bella Donna ist mit neun Jahren das jüngste Pferd des deutschen Teams und erst als Reserve nachgerückt.

In gedrückter Stimmung beendete Janne Friederike Meyer den Tag. Ihr 14-jähriger Lambrasco war mit den riesigen Hindernissen des im Vergleich zum Vortag deutlich schwereren Parcours deutlich überfordert. Nach zwei Abwürfen hielt sie den kleinen Holsteiner Wallach in einer Kombination an, kam mit 17 Fehlern aus dem Parcours. Er wird kein Championat mehr gehen, sagte Meyer nach ihrer Runde. Das habe ich unterwegs beschlossen. Es war einfach heute zu schwer für uns. Eigentlich hätte ich schon früher aufhören wollen. Lambrasco hat mit zwei Nullrunden zum Weltmeisterschaftsgold 2010 und zum Europameisterschaftsgold 2011 beigetragen, mit ihm hat Meyer 2011 den Großen Preis von Aachen gewonnen. Er hat immer 150 Prozent gegeben. sagte sie gestern gefasst. Sie habe sich drei Jahre lang fürs Team aufgerieben, ihren ganzen Plan auf das Championat konzentriert, auf Hallenturniere verzichtet. Dem Druck möchte ich mich nicht länger aussetzen.

Bundestrainer Otto Becker freute sich für Michaels-Beerbaum und Ehning, haderte aber immer noch mit der Niederlage vom Vortag. Natürlich sind wir enttäuscht und traurig, sagte er. Es ist lange her, dass dem deutschen Springteam solch eine bittere olympische Niederlage beigebracht wurde. Sieht man vom nachträglichen Ausscheiden des deutschen Teams wegen verbotener Medikation in Hongkong 2008 ab, dann muss man 20 Jahre zurückgehen. 1992 in Barcelona wurde das Team Elfter. Wir waren gut, aber nicht gut genug, das reichte bei der Leistungsdichte nicht, sagte Becker. Marcus Ehning auf Plot Blue, Janne Friederike Meyer auf Lambrasco und Christian Ahlmann auf Codex One kassierten je einen Abwurf, Meredith Michaels-Beerbaum auf Belle Donna sogar zwei. Ein Fehler kann immer passieren, versucht Becker das Debakel zu erklären, es sind halt zwei Lebewesen. Auch Ludger Beerbaum, wegen Ausfall seines Pferdes nicht im Sattel sondern nur zu Fuß in London dabei, sagte: Mit dreimal vier Fehlern ist man normalerweise immer in der zweiten Runde dabei. Der Kurs, den immerhin 17 Reiter ohne Abwurf meisterten, sei an der unteren Grenze der Schwierigkeit gewesen. Das ist uns nicht entgegengekommen fand Becker.

Christian Ahlmann auf Codex One wurde in der ersten Qualifikation an einer Kombination, als sein Hengst den Gehorsam verweigerte, vorzeitig aus dem Rennen um eine Einzelmedaille geworfen. Er hatte den Hengst nach dem Ungehorsam mit einem Klaps mit der Peitsche aufs Hinterteil zur Raison gebracht. Dafür wurde er im Internet von besorgten Tierfreunden übel beschimpft, sodass er sich gezwungen sah, öffentlich sein Bedauern zum Ausdruck zu bringen.

Auf Platz vier landeten die Schweizer(16 Punkte) vor dem kanadischen Team, das nur noch aus drei Reitern bestand (26) und Schweden (28). Es folgten die Teams aus USA (28) und Brasilien (67).

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