Erstmals West-Nil-Virus bei einem Pferd in Deutschland nachgewiesen

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Stechmücken übertragen das West-Nil-Virus. Als wichtigste Wirte gelten Vögel. Pferde hingegen können zwar erkranken, aber das Virus nicht weiter verbreiten. (© Fotolia)

Im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg ist ein Pferd gestorben, bei dem das Friedrich-Loeffler-Institut das West-Nil-Virus nachweisen konnte, eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Das betroffene Pferd in Brandenburg, von dem in der Pressemitteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts die Rede ist, war ein Fohlen. Es litt unter neurologischen Ausfallerscheinungen und musste deshalb eingeschläfert werden.

Anders als etwa bei der Infektiösen Anämie, Schweine- oder Geflügelpest besteht beimWest-Nil-Virus (WNV) nicht die Pflicht, die betroffenen Tiere zu töten.

Das West-Nil-Virus (WNV) wird durch blutsaugende Stechmücken übertragen. Die wichtigsten Wirte sind eigentlich Vögel. Die Übertragung auf Pferde oder Menschen ist eher selten. Auch gelten sowohl Pferde als auch Menschen als sogenannte „Fehlwirte“. Das heißt, das Virus vermehrt sich nicht so stark, dass sich Stechmücken beim Blut saugen von Pferd oder Mensch erneut infizieren könnten. Daher geht von Pferden oder Menschen keine Ansteckungsgefahr aus.

Klinische Symptome beim West-Nil-Virus

Die Mehrzahl infizierter Pferde wie auch Menschen können das Virus in sich tragen, ohne klinische Symptome zu entwickeln. Das WNV kann aber zu einer Entzündung des Gehirns (Enzyphalitis) oder der Hirnhaut führen (Meningitis). Die Folgen sind Ausfallerscheinungen, wie Stolpern, Lähmungen der Hinterhand, Ataxie, allgemeine Schwäche, Muskelzittern etc. Seltener kommt es zu fieberhaften Allgemeinerkrankungen. Ein Pferd, das bereits Ausfälle des zentralen Nervensystems aufweist, kann die Krankheit überleben, doch in bis zu 20 Prozent der Fälle bleiben neurologische Schäden zurück. Tödlich verläuft die Erkrankung in 22 bis 44 Prozent der Fälle.

Behandlung

Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Der Tierarzt kann nur die Symptome des Pferdes behandeln. Es besteht allerdings die Möglichkeit, die Pferde gegen das Virus impfen zu lassen. Aktuell sind drei zugelassene Impfstoffe auf dem Markt. Vom Friedrich-Loeffler-Institut hieß es auf Nachfrage, Pferdehalter sollten die Situation in ihrer Umgebung beobachten.

Werden noch weitere mit dem WNV infizierte Vögel gefunden, kann eine Impfung sinnvoll sein.

Allerdings neigt sich die Mückensaison ja ohnehin dem Ende zu. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) arbeitet derzeit an einer Stellungnahme mit entsprechenden Empfehlungen.

Sowohl bei Vögeln als auch bei Pferden gilt das WNV als anzeigepflichtige Tierseuche. Da Pferde jedoch nicht als Überträger des Virus gelten, besteht – anders als z.B. bei der Infektiösen Anämie – von Amts wegen keine Pflicht, das betroffene Tier zu töten, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Vorkommen des WNV

Das Auftreten des WNV in Deutschland ist für die Experten nicht überraschend. Bereits Anfang der 1960er-Jahre trat es erstmals in Frankreich in Erscheinung. In Süd- und Südosteuropa ist es seither immer wieder nachgewiesen worden. Sowohl beim Mensch als auch beim Pferd hat es in Frankreich, Italien, Kroatien, Albanien, Griechenland, Türkei, Österreich, Ungarn, Serbien, Spanien und der Tschechischen Republik immer wieder WNV-Infektionen gegeben.

In Deutschland wurden bislang vor allem Vögel positiv auf das West-Nil-Virus getestet: ein Habicht in Bad Düben (Sachsen), zwei Bartkauze in Poing (Bayern), ein Bartkaut in Halle und ein Habich aus Bernburg (beides Sachsen-Anhalt) sowie zwei Schneeeulen und eine Amsel aus Berlin.

Der heiße Sommer 2018 mag sein übriges zu der Ausbreitung beigetragen haben, denn bei hohen Temperaturen vermehrt sich das Virus in der Mücke besonders gut. Vom Friedrich-Loeffler-Institut heißt es: „Deshalb sind weitere Fälle von WNV bei Vogel und Pferd nicht ausgeschlossen.“

Weitere Informationen zum West-Nil-Virus finden Sie auf der Homepage des Friedrich-Loeffler-Instituts: www.fli.de.

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