Gut vorbereitet: So helfe ich meinem Pferd bei Kolik, Husten & Co.

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Bei einem akuten Einschuss hilft unterstützend ein Angussverband. (© www.slawik.com)

Wird das Pferd krank oder verletzt sich, besteht Handlungsbedarf. Auch wenn im Zweifelsfall immer der Tierarzt kommen sollte, kann man in vielen Fällen selbst Erste Hilfe leisten. Voraussetzung dafür: eine gut ausgerüstete Stallapotheke.

„Du, irgendwas stimmt mit Deinem Pferd nicht …“ Oder noch schlimmer: „Das sieht gar nicht gut aus, Du musst ganz schnell in den Stall kommen!“ – vor Anrufen dieser Art graut es wohl jedem Pferdebesitzer. Oft macht sich dann Verunsicherung breit. Denn Pferde können schließlich nicht sprechen und uns mitteilen, wo oder wie sehr es wehtut. Muss ich sofort den Tierarzt verständigen? Oder kann ich meinem Pferd vielleicht erst einmal selbst helfen? So oder so empfielt es sich, eine sorgfältig gepflegte Stallapotheke anzulegen, um in Notfall schnell handeln zu können. Alle notwendigen Utensilien können über die Shop Apotheke bestellt werden: www.shop-apotheke.com/tierapotheke

Was in jedem Fall gilt: Erst einmal Ruhe bewahren, durchatmen und genauer hinschauen. Denn wenn ich dem Tierarzt am Telefon möglichst genaue Angaben machen kann, lässt sich die Situation für diesen besser einordnen. Also gilt es, zunächst die (für Laien erkennbaren) Symptome festzustellen, auf deren Dauer und Stärke zu achten. Unsere praktischen Checklisten können als Entscheidungshilfe im Krankheitsfall dienen.

Die PAT-Werte

St.GEORG

Mit einem Fieberthermometer kann die Temperatur des Pferdes überprüft werden. (© St.GEORG)

Einen ersten Hinweis auf eine mögliche Erkrankung können die PAT-Werte (Puls, Atmung, Temperatur) geben. Um diese zu messen, ist nicht unbedingt ein Tierarzt nötig – allerdings kann dieser anhand der von Ihnen ermittelten Werte besser einschätzen, ob es sich um einen Notfall handelt. Um die Temperatur eines Pferdes festzustellen, eignet sich ein handelsübliches Fiberthermometer, das zum Beispiel online über die Shop Apotheke erhältlich ist.

Anders als bei uns Menschen, wird die Temperatur eines Pferdes ausschließlich im After gemessen. Dabei sollte das Thermometer etwa 10-15 Zentimeter eingeführt werden, um eine reelle Messung durchführen zu können. Wer es dem Pferd ein wenig angenehmer machen möchte, kann zusätzlich Babyöl oder Vaseline als Gleitmittel verwenden. Aber Vorsicht: Da das Thermometer relativ weit im After verschwindet, sollte man es dennoch fest im Griff behalten können. Ein am Ende des Thermometers angebrachter Faden hilft, um ein gänzliches Verschwinden im Pferd zu vermeiden.

Puls und Atmung

Auch der Puls, also der Herzschlag des Pferdes, kann relativ einfach selbst überprüft werden. Am besten lässt sich die Frequenz an der Unterseite der Ganaschen messen. In der dortigen Einkerbung verläuft die Gesichtsarterie des Pferdes. Außerdem ist der Puls seitlich bzw. unter der Schweifrübe und an den Vorderbeinen kurz über der Fessel spürbar. Legen Sie dort zwei Finger an und zählen Sie 30 Sekunden lang mit. Wenn Sie das Ergebnis verdoppeln, also mal zwei rechnen, haben Sie den Pulswert ihres Pferdes ermittelt. Nicht nur die Zahl der Schläge, sondern auch deren Rhythmus ist wichtig. Ist der Puls besonders unregelmäßig oder schwach, ist dies ein Warnzeichen.

Am einfachsten kann wohl die Atmung gemessen werden: Hierfür stellen Sie sich schräg neben das Pferd und beobachten, wie häufig das Pferd pro Minute ein- und ausatmet. Die Atemzüge lassen sich anhand der Flankenbewegung mit bloßem Auge erkennen. Sollten Sie sich dennoch unsicher sein, können Sie eine Hand auf den hinteren Rippenbogen legen und versuchen, die Atembewegung zu erspüren. Weniger aussagekräftig ist es hingegen, eine Hand vor die Nüstern zu halten. Die Nüsternbewegung kann sich schnell verändern, beispielsweise wenn das Pferd an der Hand schnuppern möchte oder etwas wittert.

Welche Werte sind normal?

Puls

• Ruhezustand: etwa 28 bis 40 Schläge pro Minute
• Belastung: etwa 100 bis 120 Schläge pro Minute
• Höchstleistung (bspw. im Renngalopp): bis zu 250 Schläge pro Minute

Atmung

• Ruhezustand: 8 bis 16 Atemzüge pro Minute
• Belastung: 60 bis 80 Atemzüge pro Minute
• Höchstleistung: bis zu 150 Atemzüge pro Minute

Temperatur

• Normaltemperatur beim erwachsenen Pferd: zwischen 37,5 und 38,3 Grad Celsius
• nach körperlicher Anstrengung, bei Fohlen bis zum sechsten Lebensmonat und hochtragenden Stuten liegen die Werte etwas höher

Wunden

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Kleinere Wunden sollten zunächst gereinigt und desinfiziert werden. (© www.slawik.com)

Ein Kappelei mit dem Paddockfreund, die Rangordnung ausdiskutiert oder einfach an der Boxentür hängengeblieben – kleinere Verletzungen und Schrammen kommen beim Pferd häufiger vor. Und sind erst einmal kein Grund zur Panik! Mit der richtigen Stallapotheke, können kleinere Wunden selbst versorgt werden. Ist die Haut nur oberflächlich abgeschürft oder tritt lediglich eine kleinere Blutung auf, muss die Wunde zunächst mit sauberem Wasser oder einer sterilen Kochsalzlösung gereinigt werden.

Anschließend sollte die Wunde desinfiziert werden – hierfür stehen im Fachhandel verschiedene Sprays und Präparate zur Verfügung. Aber Achtung: Wer unsicher ist, ob die Wunde eventuell chirurgisch verschlossen, also genäht werden muss, sollte auf keinen Fall ein Desinfektionsmittel anwenden und die Wunde bis zum Eintreffen des Tierarztes am besten ganz in Ruhe lassen.

Tritt eine stärkere Blutung auf und der Tierarzt ist nicht direkt verfügbar, kann ein Druckverband angelegt werden. Hierfür sollte immer entsprechende Verbandsmaterial im Stall gelagert werden, welches online über die Shop Apotheke bezogen werden kann. Bei größeren Blutungen an Kopf, Hals oder Rumpf, muss mit einem sauberen Tuch direkter Druck auf die Wunde ausgeübt werden.

Husten

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Um gezielt gegen Husten vorgehen zu können, muss vorher genau geklärt werden, wo das Problem liegt. (© fotolila)

Wenn das Pferd hustet, gilt es zunächst einmal genauer zu beobachten: Wie hört sich der Husten an und welche weiteren Symptome zeigt das Pferd? Klingt der Husten locker und produktiv, ist nicht immer sofort eine tierärztliche Behandlung notwendig. Spezielle Ergänzungsfuttermittel oder ätherische Öle, die über die Shop Apotheke erhältlich sind, können die Atemwege der Pferdes unterstützen.

Wenn Sie jedoch den Eindruck haben, dass der Husten festsitzt und sich trocken anhört, sollten Sie in jedem Fall zum Telefon greifen. Zuvor können Sie bereits die Temperatur messen. Ist diese erhöht – also etwa ab 38,5 Grad Celsius – deutet alles auf einen Infekt hin. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, sollten sie ihr Pferd dann möglichst von den Boxennachbarn isolieren. Allerdings können sich die krankheitserregenden Keime bei einem Hustenstoß bis zu 30 Meter weit verteilen – daher ist es oft schwierig, die Ansteckungsgefahr komplett zu bannen.

Wenn das Pferd einen gelblichen, schleimigen Nasenausfluss hat, ist dies ebenfalls Anzeichen für einen Infekt. In diesem Fall sollte jegliche Anstrengungen für das Pferd vermieden werden. Leichte Bewegung im Schritt – am besten an der frischen Luft – ist hingegen erlaubt.

Kolik

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Kolik – eine Folge von Verdauungsproblemen. (© www.slawik.com)

Wenn das Pferd Koliksymptome zeigt, verursacht das meist auch beim Besitzer Bauschmerzen. Leider kommen Koliken beim Pferd so häufig vor, dass fast jedes Pferd im Laufe seines Lebens mindestens einmal mit dieser Krankheit konfrontiert ist. Wobei die Spannbreite hier von einem harmlosen Zwicken bis hin zu teilweise lebensgefährlichen Darmverschlingungen reicht. Es gibt viele mögliche Faktoren, durch die eine Kolik ausgelöst werden kann.

Oft ist es dem Tierarzt unmöglich eine genaue Ursache zu diagnostizieren. Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch geboten, wenn sich im Alltag des Pferdes etwas verändert, also beispielsweise ein Stallwechsel stattfindet, neues Futter in der Krippe landet oder extreme Wetterumschwünge anstehen. Hier können vorsorglich Produkte gefüttert werden, die Magen und Darm des Pferdes unterstützen.

Anzeichen für eine leichte Kolik sind: Das Pferd schaut, tritt oder beißt nach seinem Bauch, stampft und scharrt mit den Vorderhufen, ist allgemein unruhig und legt sich mehrfach hin. In diesem Fall sollten Sie das Pferd zunächst am Fressen hindern, also alles Futter und die Einstreu entfernen oder einen Maulkorb anlegen. Trinken ist hingegen erlaubt und wichtig! Zudem können regelmäßig die PAT-Werte kontrolliert und bestenfalls schriftlich notiert werden, um den Tierarzt genau informieren zu können. Achten Sie darauf, ob das Pferd äppelt oder uriniert.

Auch ist es meist sinnvoll, dass Pferd vorsichtig im Schritt zu führen. Auch Wärme wirkt krampflösend, daher kann das Pferd eingedeckt werden – sofern es nicht bereits stark schwitzt. Verschlimmern sich die Symptome oder zeigt das Pferd Anzeichen einer schweren Kolik, sollten Sie jedoch immer einen Tierarzt rufen.

Lahmheit

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Ist nicht klar wo die Ursache einer Lahmheit liegt, kann eine Leitungsanästhesie zum Einsatz kommen. (© www.slawik.com)

Neben den Koliken gehören Lahmheiten sicherlich zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden beim Pferd. Die Anzahl der möglichen Ursachen für eine Lahmheit ist so groß, dass sich damit mindestens eine ganze St.GEORG-Ausgabe füllen ließe. Von Sehnenschäden, über Hufgeschwüre bis hin zu Knochenbrüchen gibt es viele Auslöser für eine Störung des Bewegungsablaufes. Dabei fällt der Blick meist zunächst auf die Hufe und Beine des Pferdes, denn es scheint naheliegend, dass der Schmerz dort herrührt. Eine Lahmheit kann aber auch von weiter oben, also beispielsweise aus dem Rücken des Pferdes begründet sein.

Es gibt leichtere Fälle, bei denen das Pferd lediglich für einige Tage „unrund“ läuft oder die Lahmheit erst bei starker Belastung auftritt – und weitaus schwerwiegendere, bei denen lange Verletzungspausen oder gar das Aus als Reitpferd drohen. Daher gilt es zunächst festzustellen, wie stark ausgeprägt eine Lahmheit ist. Wer sich unsicher ist, sollte erfahrene Mitreiter oder Stallkollegen um Hilfe bitten.

Handelt es sich um eine geringfügige Lahmheit, kann das Bein mehrfach täglich mit Wasser gekühlt werden. Auch Tonerde oder spezielle Pasten zur Kühlung der Pferdebeine helfen. Diese sind über die Shop Apotheke erhältlich. Das Pferd sollte in dieser Zeit grundsätzlich nicht belastet oder geritten werden. Tritt innerhalb einiger Tage keine Besserung ein oder sind Sie sich unsicher, gilt auch hier: den Tierarzt rufen!

Tipp: für den Notfall üben!

Nicht jedes Pferd findet das Fiebermessen im After angenehm. Daher kann diese Situation schon im Alltag gut geübt werden, wenn Mensch und Pferd entspannt sind und keine akute Erkrankung die Nerven flattern lässt. Auch den Puls richtig zu spüren oder einen Wundverband korrekt anzulegen, erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl. Daher gilt: Übung macht den Meister!

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