Inken Johannsens Brilliante ist gestorben

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Die beiden waren 31 Jahre lang echte Freunde: Inken Johannsen und Brilliante. (© Toffi)

Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre war Inken Johannsens Brilliante eines der besten Vielseitigkeitspferde der Welt. Nun ist sie im gesegneten Alter von 31 Jahren gestorben.

Mit Inken Johannsen, jetzt Inken Gräfin von Platen-Hallermund, gehörte die Holsteiner Staatsprämienstute Brilliante v. Ricardo-Follywise xx-Landsturm einst zu den besten Paaren weltweit im Busch. Zweimal wurden die beiden U21-Europameister. Bei den Senioren holten sie einen Deutschen Meister-Titel, nahmen an zwei Weltmeisterschaften teil und gewannen 2001 Silber bei der EM in Pau.

Eine außergewöhnliche Geschichte

Der Weg dahin begann auf dem elterlichen Hof in Tornesch, Schleswig-Holstein, denn dort kam Brilliante zur Welt. Damals hieß sie noch Rica. Und den Schreibfehler verdankt sie ihrer Reiterin, die beim Eintragen noch nicht wusste, dass „Brillant“ ohne i hinter dem l geschrieben wird. Das hinderte die Brilliante aber nicht, ihrem Namen alle Ehre zu machen. Sie war das erste Pferd, das Inken Johannsen selbst einritt. Bei Brilliantes Stutenleistungstest trug ihre Reiterin erstmals Lederstiefel – geliehene. Doch angesichts der herausragenden Freispring-Performance ihres Pferdes war das ziemlich egal.

Trotz zehn Personen in der Bahn mogelte Brilliante sich in ungeplant in die Freispringgasse. Einmal landete sie dabei mit den Hinterbeinen direkt auf der Oxerstange. Das ärgerte sie wohl. Jedenfalls peilte sie unverzüglich die Absperrung an und hüpfte drüber, als sei es ein Cavaletti. Dahinter drehte sie um, nahm noch einmal die Kombination ins Visier und überwand sie fehlerfrei. Wertnote: 10,0.

In den folgenden Jahren bildete Inken Johannsen die Stute aus, konzentrierte sich aber zunächst auf Dressur und Springen. Zwecks Abwechslung nahm sie mit ihr an einem Geländelehrgang am Süseler Baum teil. Als Knackpunkt für die beiden erwies sich das Wasser. Das verfolgte sie auch noch etwas länger. Schließlich war Brilliante in der marsch groß geworden, wo die Weiden mit breiten Gräben abgetrennt sind, die Wasser führen. Da lernte sie schon als Fohlen, dass man sich davon besser fern hält. Um ihr die Angst zu nehmen, marschierte Inken Johannsen zu Fuß mit ihr durch die Gegend rundum Tornesch, immer auf der Suche nach Pfützen zum Üben. So gewöhnte die Stute sich allmählich an das kühle Nass.

Unter anderem qualifizierten die beiden sich fürs Bundeschampionat. Da sah man dann, dass sowohl Reiterin als auch Pferd zwar hoch talentiert aber noch ein bisschen grün hinter den Ohren waren. Sie waren im Finale so flott und happy unterwegs, dass sie die Kombination, die eigentlich mit zwei Galoppsprüngen zu reiten gewesen wäre, mal eben so mit einem Galoppsprung zwischen den Hindernissen überwanden. „Davon war Herr Plewa, der mich zu richten hatte, dann natürlich nicht so begeistert“, so die Reiterin. Sie wurden trotzdem Vierte.

Doch bis zum endgültigen Durchbruch war es noch ein langer, steiniger Weg. Inken Johannsen räumt auch heute noch selbstkritisch ein, dass es ihre Schuld war, dass die Stute nicht so Dressur ging, wie sie eigentlich gekonnt hätte. Sie war schon drauf und dran, sie einem anderen, erfahreneren und besseren Reiter anzuvertrauen. Aber ihre Eltern überredeten sie, Brilliante selbst weiter zu reiten. „Es wäre nicht schlimm, wenn sie bei mir nicht so erfolgreich werden würde“. Schließlich war die Stute selbst gezogen und hätte ein vierbeiniges Aushängeschild für die Zucht der Johannsens werden können. Das wurde sie ja schließlich auch. Viele Tränen ihrer Reiterin später.

Doch 1995 wurden die beiden Europameister der Jungen Reiter in Achselschwang – obwohl sie nach diversen Problemen an Wasserhindernissen im Vorfeld eigentlich nur als Ersatzpaar vorgesehen waren.

Bei der Dressurarbeit half den beiden inzwischen Caroline Hatlapa aus Österreich, was ziemlich schnell zum Erfolg führte. 1996 wurden die beiden Zweite bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter und traten als Favoriten zur EM an. Und holten ihren zweiten Titel.

1997 war das erste Senioren-Jahr. Nach Platz sieben bei den Deutschen Meisterschaften wären die beiden auch für die Europameisterschaft in Burghley nominiert gewesen. Doch Johannsen fand, das käme für sie und ihr Pferd zu früh und verzichtete auf den Start.

1998 folgte dann der erste Senioren-Titel: Deutsche Meisterin in Luhmühlen! Und die Nominierung für die Weltmeisterschaft. Diesmal wollte Inken Johannsen es wissen! Doch es lief nicht ganz nach Plan. Die deutsche Mannschaft platzte, das Paar Johannsen/Brilliante lag vor dem Springen auf dem siebten Platz und steuerte eine Nullrunde an. Doch nach ausgiebigem Regen war der Boden einigermaßen glitschig geworden. Brilliante rutschte in der Kurve vor dem letzten Hindernis weg, der greifbare vierte Platz war dahin. 1999 gönnte die Reiterin ihrer Stute eine Sportpause. Sie selbst hatte sich beim Sturz von einem jungen Pferd verletzt.

2000 wurden die beiden Zweite bei der letzten Olympia-Sichtung in Bonn-Rodderberg und waren bestes deutsches Paar. Aber sie hatten 1999 nicht die erforderlichen Qualifikationen für eine Teilnahme in Sydney erritten, so dass Olympia ohne sie stattfand.

2001 war dann EM-Jahr. Da lief dann alles wie am Schnürchen. 14 Sekunden unter der erlaubten Zeit kamen sie aus dem Cross „Wie Ponyreiten“, sollte Johannsen im Nachhinein sagen. Und im Parcours wurde die Holsteiner Stute ihrer 10,0 bei der Stutenleistungsprüfung einmal mehr gerecht: fehlerfrei, Silbermedaille! Was für eine Karriere von Reiterin und Pferd!

Der Abschied

Nun ist Brilliante mit 31 Jahren gestorben. Ein ganz besonderes Pferdeleben ging zu Ende. Inken Johannsen bzw. Gräfin von Platen-Hallermund sagt: „Brilliante ist gestorben. Es war mit 31 Jahren ja abzusehen, trotzdem hat es mich sehr getroffen, habe ich doch mehr als mein halbes Leben mit ihr verbracht und viele Jahre davon war sie der Mittelpunkt von allem.“

Man kann gut nachempfinden, wie sie sich fühlen muss! Danke, Brilliante!

Toffi

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