Equine Infektiöse Anämie – Tödliche Blutarmut

Equine Infektiöse Anämie

2017 sorgten Polopferde mit häufigen Equiner Infektiöser Anämie-Erkrankungen für Aufsehen. (© www.toffi-images.de)

Es ist eine Diagnose, vor der sich jeder Pferdebesitzer fürchtet: die ansteckende Blutarmut, auch Equine Infektiöse Anämie (EIA) genannt. Das Grausame an der Krankheit: Jedes betroffene Pferd darf nicht behandelt, sondern muss sofort getötet werden. Damit will man vermeiden, dass sich die Seuche weiter ausbreitet.

Bei Equine Infektiöser Anämie, der ansteckenden Blutarmut, handelt es sich um eine virusbedingte Erkrankung des Blutes, bei der sich die Viren in bestimmten Zellen vermehren. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert und möchte den Virus auslöschen, wodurch es aber auch die Blutzellen auflöst.

Was ist Equine Infektiöse Anämie?

Die Equine Infektiöse Anämie ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, eine Virusinfektion, die nur Pferde und Ponys, Esel, Maultiere und Zebras befallen kann. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwischen zwei bis sechs Wochen, kann sich in Einzelfällen aber auch bis zu 90 Tage hinziehen. Bricht die Erkrankung aus, verläuft sie entweder tödlich oder wird chronisch. Eine Behandlung oder Impfung ist nicht möglich. Das erste Symptom sind Fieberschübe, die auf keinerlei Behandlung ansprechen. In so einem Fall ist unverzüglich der Tierarzt zu benachrichtigen. Im Gegensatz zu Druse und Herpes, ist EIA anzeige- und meldepflichtig.

Kaum Symptome

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Eine Blutprobe gibt Aufschluss darüber, ob sich das Pferd wirklich mit der Einhufer Blutarmut infiziert hat. (© Fotolia)

30 bis 90 Prozent der betroffenen Pferde zeigt gar keine Krankheitssymptome. Die Pferde haben das Virus im Körper, aber die Krankheit bricht nicht aus. In dem Fall spricht man von sogenannten „Carriern“, Trägern. Da sie jedoch trotzdem eine Ansteckungsgefahr für andere Pferde darstellen, müssen positiv getestete Pferde unverzüglich eingeschläfert werden, unabhängig davon, ob sie tatsächlich erkrankt sind, oder nicht. Das ist Vorschrift.

Beim Verdacht auf EIA muss der Amtsveterinär verständigt werden, der Blutproben nimmt. Wenn das Friedrich-Löffler-Institut den positiven Befund bestätigt, hat man es mit einem offiziellen Fall zu tun. Rund um den Betrieb wird ein Sperrbezirk von einem Kilometer errichtet. Das betroffene Pferd wird eingeschläfert, alle anderen Pferde auf dem Hof müssen getestet werden. Sind die Ergebnisse negativ, wird 90 Tage abgewartet. Ist dann auch eine zweite Testreihe negativ, kann die Quarantäne aufgehoben werden.

Einzelfälle in Deutschland

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Bis jetzt waren es ausschließlich Polopferde, die sich mit Equiner Infektiöser Anämie angesteckt haben (© www.toffi-images.de)

EIA trat in Deutschland bis dato eher vereinzelt auf. Häufig ging es dann um Importpferde aus Rumänien, wo das Virus endemisch ist. Traurige Berühmtheit erlangte der Fall eines Blutspendepferdes in der Tierklinik Am Kottenforst in Bonn-Wachtberg, wo der Mannschaftstierarzt der Vielseitigkeitsreiter, Carsten Rohde, tätig ist. Das Pferd war EIA-positiv und hatte das Virus durch Bluttransfusionen weitergegeben, unter anderem an ein Rennpferd. In der Folge musste die Kölner Rennbahn gesperrt werden, wo zu dem Zeitpunkt auch Millionenstute Danedream stand. Mehr als 2000 Pferde wurden aufgrund dieses Falles getestet. Interessant: Die Pferde, die stets engsten Kontakt mit dem Blutspendepferd hatten, haben sich nicht angesteckt.

Dem HI-Virus ähnlich

Für den Menschen ist das Virus nicht gefährlich, aber es handelt sich um dieselbe Virusgattung wie der AIDS-Erreger, mit ähnlichen Symptomen wie Fieber, Konditionsverlust und Schwäche. Manche Pferde zeigen keine Symptome, können den Erreger aber ein Leben lang weitergeben über Blut, Speichel, Urin, Sperma oder Milch. Der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome erstreckt sich von einigen Tagen bis auf drei Monate.

Die Bekämpfung der EIA ist staatlich geregelt, genaue Vorschriften sind einzuhalten: Wenn sich bei einem Pferd Symptome einer EIA zeigen, muss das zuständige Veterinäramt informiert werden und es wird ein spezieller Bluttest durchgeführt, der sogenannte­ Coggins-Test, bei dem spezifische Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Bis das Labor ein Ergebnis bekannt geben kann, vergehen etwa drei Tage. In dieser Zeit ist für das betroffene Pferd sowie für alle anderen Tiere des Stalls Einzel­haltung in der Box angesagt sowie Verbringungsbeschränkungen (Teilnahmeverbot für Turniere) und Exportverbote. Bei einem positiven Fall muss das Pferd getötet werden und alle Tiere des Stalls werden untersucht. Außerdem werden alle Kontaktbetriebe der letzten 90 Tage gesperrt und alle Tiere untersucht, das gleiche gilt für alle Betriebe, die sich in einem Radius von einem Kilometer rund um den infizierten Stall befinden – wird beim ersten Test keine EIA festgestellt, wird die Untersuchung nach 90 Tagen wiederholt. Die Sperrung infizierter Betriebe wird dann aufgehoben, wenn die verbliebenen Pferde keine typischen Symptome zeigen und zwei im Abstand von drei Monaten entnommenen Blutproben negativ auf EIA getestet wurden.

Leicht übertragbar

„Der Erreger verfügt über eine relativ hohe Widerstands­fähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen“, warnt die Sächsische Tierseuchenkasse auf ihrer Internetseite. „In getrocknetem Blut bleibt er bei Zimmer­temperatur etwa sieben Monate infektionsfähig, in Harn und Kot etwa zwei Monate, in gepacktem Dung ca. einen Monat. Durch Kälte wird das Virus kaum beeinflusst, direkte Sonneneinstrahlung inaktiviert es innerhalb weniger Stunden. Für die Desinfektion eignen sich stark saure oder alkalische Mittel.“ Eine Übertragung ist daher auch über Gegenstände wie Fieberthermometer oder Tränken sowie beim Decken möglich. Aber auch blutsaugende Insekten wie Bremsen könnten theoretisch das Virus übertragen – zum Glück überlebt es nur kurze Zeit in den Insekten und die Mücke muss mehrmals stechen, damit eine so große Virusmenge ins Pferd gelangt, um dieses auch zu infizieren.

In den letzten Jahren gab es vereinzelte Fälle von Infektiöser Anämie in Bayern, NRW, Hessen, Sachsen und Thüringen, sie erstreckten sich auf wenige Tiere. Auslöser solcher Fälle sind meist importierte, infizierte Pferde. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet, in Europa sind vor allem Süd- sowie Osteuropa betroffen, speziell Rumänien – Pferde, die aus diesem Land importiert wurden, standen daher bei uns in den letzten Jahren immer wieder als Überträger im Verdacht. Eine Impfung gegen die Krankheit gibt es übrigens nicht.

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Pferde innerhalb eines Sperrgebiets dürfen nicht auf die Weide. Bremsen könnten die Erreger übertragen. (© Fotolia)


Wir haben mit Dr. Patricia König, Leiterin des Labors für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut, über EIA und den Umgang mit der Seuche gesprochen.

Welches sind die wahrscheinlichsten Ansteckungswege?

Dr. König: Eine Ansteckung der Pferde untereinander durch engen Kontakt ist möglich, die Übertragung über Blut (durch Insekten, Blut oder Blutprodukte, unsachgemäßer Umgang mit Kanülen) jedoch effizienter.

Wie wird nun vorgegangen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern?

Dr. König: Eine massivere Ausbreitung scheint nach den bisherigen Untersuchungen nicht vorzuliegen. Dennoch sind zur abschließenden Beurteilung der Lage umfangreiche epidemiologische Ermittlungen notwendig, die momentan mit Hochdruck vorangetrieben werden.

Sollten alle Polopferde getestet werden? Und was ist mit Reitpferden?

Dr. König: Es ist nach Auffassung des FLI durchaus ratsam, alle Polopferde zu untersuchen, da der Zeitpunkt des Infektionseintrages oder der Infektionseinträge möglicherweise lange zurückliegt und relevante Kontakte eventuell nicht mehr nachvollzogen werden können. Reitpferde, die in engerem Kontakt mit infizierten Polopferden standen, werden im Rahmen der epidemiologischen Untersuchungen erfasst. Generell ist eine Entfernung von 100 Metern eine sichere Distanz zu einem positiven Tier, eine Infektionsübertragung über Bremsen erfolgt nicht über größere Distanzen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind in dieser Situation generell angeraten?

Dr. König: Generell sollten neue Pferde erst einmal in Quarantäne gehalten und auf relevante Erreger getestet werden, ehe sie in die Gemeinschaft integriert werden.

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