Kupfermangel beim Pferd: Das sollte man wissen!

Kupfermangel vorbeugen

Bei einem Kupfermangel können spezielle Zusätze gefüttert werden. (© www.slawik.com)

Kupfer ist eines der wichtigsten Spurenelemente und gehört zu den Dreien, an denen es am häufigsten mangelt. Ein Kupfermangel kann schwere Folgen nach sich ziehen. Nicht nur in der Entwicklung von Fohlen und Jungpferden, sondern auch bei ausgewachsenen Pferden.

Prof. Dr. Petra Wolf, Leitung der Professur für Ernährungsphysiologie und Tierernährung an der Universität Rostock sagt: „Im Bereich der Spurenelemente mangelt es am häufigsten an Kupfer, Zink und Selen.“ Das ist insofern dramatisch, da Kupfer im Pferdekörper eine wichtige Rolle spielt.

Es wird beispielsweise für die Nerven- und­ Blutbildung benötigt. Auch für den Aufbau und die Bildung von Pigment­en, Bindegewebe­ und Knochen ist ein ausreichender Kupfergehalt von Bedeutung. So wird schnell klar, welch wichtige Rolle das Element Kupfer unter den anderen Spurenelementen einnimmt.

Kupferbedarf über Mineralfutter abdecken

Am einfachsten kann der Kupferbedarf über ein gutes Mineralfutter abgedeckt werden, das dem Pferd zum normalen Pferdefutter gereicht wird. Um weder einen Mangel noch eine Überversorgung zu riskieren, kann man sich an folgende Richtwerte halten:

Der normale Bedarf an Kupfer bei Pferden liegt im Schnitt bei 8 bis 10 Milligramm pro Kilogramm Futter-TS (TS=Trockensubstanz). Damit der Grundbedarf abgedeckt ist und der Gefahr eines Kupfermangels vorgebeugt werden kann, reicht diese Menge im Normalfall aus.

Eine andere Berechnung kann auf Grundlage des Gewichts und der Arbeit erfolgen. So benötigt beispielsweise ein Pferd in Erhaltung 1 mg/kg 0,75 Lebendmasse pro Tag.

Allerdings haben Pferde, die auf Sand­-, Moor-­, und Marschböden weiden, aufgrund des geringeren Kupfergehalts in diesen Böden und Gräsern, oft einen etwas höheren Bedarf. Hier liegt der Wert bei 10 Milligramm pro Kilogramm Futter-TS. Auch Absetzer, Pferde im Wachstum und Zuchtstuten benötigen mehr Kupfer, so dass der Wert ebenfalls bei 10 Milligramm pro Kilogramm Futter-TS liegt.

Achtung: Im Ergänzungsfutter für Saugfohlen sollte man auf einen höheren Gehalt bei 25 mg/kg Futter achten, da der Kupfergehalt in der Stutenmilch sehr gering ist.

Vorsicht: Wechselwirkung Kupfer und Zink

Der Körper des Pferdes toleriert normalerweise auch leicht höhere Dosierungen, wobei man eine Überversorgung nicht riskieren sollte. Ein Problem, das bei einer permanenten Überversorgung und bei einer Gabe von mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm Futter-TS auftritt, ist die Beeinträchtigung der Zinkverwertung. Aufgrund dessen kann dann die Leber des Pferdes Schaden nehmen.

Darum wird manchmal bei nachgewiesenem Mangel auch kurzfristig eine höher dosierte Kur über einige Tage oder eine individuelle Intervallfütterung empfohlen. Kupfer und Zink müssen im bedarfsgerechten Verhältnis zueinander stehen, damit man weder eine Mangelsituation des einen, noch eine Überversorgung des anderen provoziert.

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Eine bedarfsgerechte Ration umfasst auch die Versorgung mit Spurenelementen wie Kupfer und Zink. (© www.slawik.com)

Bioverfügbarkeit des Kupfers

Prof. Dr. Wilhelm Windisch, Leiter des Lehrstuhls für Tierernährung am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, betont, dass Zink, Mangan und Kupfer in organischen Verbindungen (in der Regel kohlenstoffhaltig) eine höhere Bioverfügbarkeit aufweisen als in anorganischen (kohlenstofffrei).

Wieso das so ist, hat man bis
 jetzt noch nicht genau herausgefunden. Es hängt wohl mit dem unterschiedlichen chemischen Aufbau zusammen. Bekannt ist der Einfluss der Zusammensetzung des Pferdefutters auf die Bioverfügbarkeit.

Ist das Futter reich an sogenannten Komplexbildnern, wie beispielsweise Phytaten, werden die Spurenelemente so stark gebunden, dass sie im Darm nicht mehr verwertet werden können. In organischen Verbindungen werden die Nährstoffe hingegen in Lösung gehalten, so dass sie besser aufgenommen werden.

Wichtig ist in der Fütterung zu beachten, dass der Körper den Spurenelemente-Haushalt selbst regelt. 
Das heißt: Sobald der Bedarf von Mineralien und Spurenelementen über 
die Nahrung gedeckt ist, wird
 die Aufnahme von Zink, Kupfer, Mangan und Eisen im Verdauungstrakt gedrosselt. Dazu wird die Ausscheidung von Selen und Jod über die Nieren hochgeregelt.

Dennoch können bestimmte Spurenelemente wie beispielsweise Selen, bei einer Überdosierung trotz dieses eigenständigen Mechanismus Vergiftungen hervorrufen. Darum ist es wichtig, dass man eine Überversorgung möglichst vermeidet.

Folgen und Symptome eines Kupfermangels

Kupfermangel – eventuell zusammen mit anderen Spurenelementen – kann sich beispielsweise in Wundheilungsstörungen äußern. Da auch Kupfer in Kombination mit Zink für Haut und Fell wichtig ist, sollte man bei solchen Problemen einen Mangelzustand im Hinterkopf haben und abklären lassen.

Kupfer ist ebenso an dem wichtigen Prozess des Aufbaus und der Regeneration von kollagenem Bindegewebe beteiligt. Also damit auch für die Bildung von Knorpel zuständig. Es trägt einen bedeutsamen Teil zu funktionstüchtigen und starken Sehnen und Bändern bei, so dass sich ein Kupfermangel hiermit zusammenhängend auch in Problemen des Bewegungsapparats zeigen kann. Da Kupfer auch Einfluss auf Blut und Nerven hat, ist es für die gesamte Leistungsfähigkeit des Pferdes von Bedeutung.

Wenn tragende Stuten einen Mangel aufweisen, wird in der Folge zu wenig Kupfer in die Leber des Fötus eingelagert. Bei heranwachsenden Fohlen, die unter einem Kupfermangel leiden, sieht man häufig Anämien und Skelettveränderungen, wie beispielsweise schmerzhafte Schwellungen am Fesselkopf und Osteochondrose.

Bei ausgewachsenen Pferden kann es in Folge eines Mangels im schlimmsten Fall auch zu gefürchteten Gefäßrupturen (Aortaabriss!) kommen.

OC (Osteochondrose) und OCD (Osteochondrosis dissecans)

Osteochondrose (OC) und Osteochondrosis dissecans (OCD) beschreiben eine Beeinträchtigung der Knochen- und Knorpelbildung. „Sie ist mit die wichtigste Erkrankung des Bewegungsapparates beim Pferd“, schildert Dr. Friedrich Appelbaum die Bedeutsamkeit der Osteochondrose.

Entwicklungsbedingt entsteht sie bereits in den ersten zwei Lebensjahren und ist von mehreren Faktoren abhängig – wobei eine erbliche Komponente mit im Vordergrund steht. Als mitbestimmend für die Entstehung einer OC sind außerdem die Ernährung und belastungsinduzierte Schädigung (Traumata) des Wachstumsknorpels anzusehen.

Bei der Ostechondrose sitzt das Teil im Knorpel noch dort, wo es entstanden ist und bei der Osteochondrosis dissecans handelt es sich um einen freien Gelenkkörper, einen sogenannten Chip. Kleine Fragmente können sich bis zum Alter von ca. drei Jahren noch zurückbilden. Bei älteren Pferden ist das nicht mehr wahrscheinlich.

Kupferbrille: besondere Pigmentstörung beim Pferd

Äußerlich kommt es bei einem Kupfermangel, oft zusammen mit einem Manganmangel, auch zu auffälligen Pigmentstörungen. Dabei lassen sich vielfach helle Stellen um die Augen, Nüstern und Maul finden, aber auch weiße Flecken im Fell sind möglich.

Eine besondere Form dieser Mangelerscheinung ist die sogenannte Kupferbrille. Sie tritt meist dann auf, wenn der Kupfermangel bereits über einen längeren Zeitraum besteht und geht oft in einer Mangelkombination mit Zink und/oder Mangan einher. Eventuell kommt auch eine Kombination mit einem Eisenmangel und/oder Manganmangel in Frage.

 

© Info zur Verwendung von Texten der Autorin Dominique Wehrmann

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