Pferdefutter: Die Basis muss stimmen

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Pferdefütterung ist individuell, die Grundlage sollte aber immer das Raufutter bilden. (© www.slawik.com)

Das Wissen in der Pferdefütterung entwickelt sich stetig weiter. Verdauung, Nährstoffe und der individuelle Bedarf des Pferdes sowie eine Abstimmung des Pferdefutters auf Krankheiten finden weitaus stärkere Berücksichtigung als noch vor einigen Jahrzehnten.

Vor ein paar Jahren landete noch massig Kraftfutter im Futtertrog der Pferde. Heute werden die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Pferdefütterung berücksichtigt und präzise auf Nährwerte, individuelle Futterzusammenstellung und Qualität des Pferdefutters geachtet.

„Zu Recht“, urteilt Manuela Muth, Diplom-Agraringenieurin. „Viele Krankheiten und Probleme können durch die richtige und individuell notwendige Fütterung vermieden werden. Zunächst muss aber erst einmal verstanden werden, welcher Nährstoff wofür zuständig ist im Körper und wie viel das Pferd davon braucht.“

Pferdefutter: Die unterschiedlichen Arten

Grundsätzlich lässt sich das Pferdefutter in verschiedene Hauptkategorien einteilen. Diese einzelnen Pferdefuttermittel lassen sich in der individuellen Futterration flexibel kombinieren und ergänzen. So gibt es die generelle Einteilung des Pferdefutters in die Bereiche Raufutter, Kraftfutter, Saftfutter und Ergänzungsfutter.

Raufutter – von Heu und Stroh

Das Raufutter ist wichtig und sollte den Grundbedarf abdecken können. Hierzu gehören beispielsweise Heu, Stroh oder auch Heulage, die zwischen Heu und Silage angesiedelt wird. Zusammen mit dem täglichen Weidegang bildet das Raufutter die natürliche Grundlage der Pferdefütterung.

Beim Stroh kommen verschiedene Sorten zum Einsatz und häufig finden sich das nährstoffreiche Haferstroh oder das gerne gefressene Weizen- und Gerstenstroh. Beim Heu gibt es je nach Anbaugebiet verschiedene Zusammensetzungen. Meistens wird allgemein Wiesenheu mit einem variierenden Anteil an Kräutern verwendet oder auch spezielle Heusorten wie beispielsweise Klee- oder Luzerneheu. Ebenso hat der Schnitt des Heus Auswirkungen auf Nährstoffgehalt und Qualität.

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Die Basis des Pferdefutters sollte bei jedem Pferd gutes Raufutter wie beispielsweise Heu sein. (© patb56 - Fotolia)

Warum Raufutter als Grundlage in der Pferdefütterung?

Die Basis aller Fütterung ist und bleibt Raufutter bzw. Heu, erklärt Manuela Muth. Wer sich nicht sicher ist, wie hoch der Bedarf ist, kann sich am Richtwert 1,5 Kilogramm (kg) pro 100 kg Lebendmasse (LM) pro Tag halten. „Der Bedarf kann natürlich auch darüber liegen, aber selten darunter. Wer gutes Heu füttert, der kann zumindest den Erhaltungsbedarf schon mit Raufutter decken. Für den Arbeitsbedarf tut das Kraftfutter dann sein Übriges.“

Eine Folge von zu wenig Raufutter können Aggressionen gegenüber Artgenossen sein oder eine Neigung des Pferdes zu Koliken oder Verhaltensauffälligkeiten.

„Rund 18 Stunden sind Pferde in der freien Wildbahn mit Fressen beschäftigt und machen dabei bis zu 60.000 Kauanschläge. Die Kauanschläge sind deshalb wichtig, weil Pferde keine Dehnungsrezeptoren im Magen haben. Diese zeigen z.B. dem Menschen, dass er satt ist. Ein Völlegefühl haben Pferde in dem Maße nicht, ihr Sättigungsgefühl entsteht durch müde Kaumuskeln. Um das auch in Stallhaltung ansatzweise erreichen zu können, muss ausreichend Raufutter zur Verfügung stehen. Um1 kg Heu zu fressen, braucht ein Pferd circa 45 Minuten und macht dabei ungefähr 3.500 Kauanschläge.“

Kraftfutter – Pellets, Hafer oder Müsli fürs Pferd?

Zu der Grundlage des Pferdefutters kommt das Kraftfutter hinzu. Dieses besteht je nach Ausrichtung des Betriebs und der Region aus Getreide (wie beispielsweise Hafer, Gerste oder Mais) und verschiedenen Varianten von Pferdemüsli und Pellets.

Gerade beim Müsli für die Pferde gibt es sehr viele unterschiedliche Angebote. So reicht die Produktpalette beispielsweise von Kräutermüslis, über getreidefreie Müslis bis hin zu Spezialmischungen für Allergiker und Pferde mit Stoffwechselproblemen. Im Pferdefutter hat das Müsli heute einen festen Platz gefunden und es ist sogar möglich sich sein Pferdefutter selber zu mischen.

Wird Pferdefutter mit Pellets aufgewertet, ist das ebenfalls eine einfache und effiziente Variante der Kraftfuttergabe. Pellets werden oft gerne gefressen und ob man nun ein Müsli oder Pellets oder eine Kombination aus beidem füttert, hängt meist vom Bedarf des Pferdes und der persönlichen Einstellung ab.

Hiermit wird der zusätzliche Energiebedarf des Pferdes abgedeckt. Mit der Fütterung von Kraftfutter sollte immer vorsichtig umgegangen werden, da zu große Mengen sich negativ auf die Verdauung auswirken können und im schlimmsten Fall durch eine Magenüberladung eine Kolik versucht werden kann. Wichtig ist es deshalb die gesamte Kraftfutterration auf mindestens drei kleinere Mahlzeiten über den Tag aufzuteilen.

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Kraft aus Kohlenhydraten und Stärke

„Der Ausspruch -Ihn sticht der Hafer- kommt nicht von ungefähr“, weiß Expertin Manuela Muth. Im Getreide steckt die meiste Energie, genauer gesagt die darin enthaltene Stärke liefert die Energie.Diese kommt in größeren Mengen in Mais, Gerste und Hafer vor. Bei sehr empfindlichen Pferden kann ein getreidefreies Pferdefutter ratsam sein. 

„Hafer ist nach wie vor das Futtergetreide Nummer eins. Das ist auch nicht ohne Grund so, denn es ist auch im ganzen Korn am besten verdaulich von allen drei Getreidesorten. Bei der Fütterung von Gerste und Mais sollte darauf geachtet werden, dass beides hydrothermisch aufbereitet ist.“ 

Wichtig: Die Verdaulichkeit des Pferdefutters

Hafer hat eine Verdaulichkeit von etwa 90 Prozent, hydrothermisch aufbereitete Gerste liegt bei 88 und Mais bei 78 Prozent. Um Magengeschwüren und Stoffwechselproblemen vorzubeugen, gibt es für Stärke eine Obergrenze: ein Gramm (g) pro Kilogramm LM pro Mahlzeit (als Beispiel sind das für ein Pferd mit 600kg = 600g Stärke). 

Wie hoch der jeweilige Stärkeanteil ist, kann auf dem Etikett des Futtersacks nachgelesen werden. In der Regel kann man davon ausgehen, dass Hafer einen Stärkeanteil von etwa 45 Prozent pro Kilogramm, Gerste von 55 Prozent und Mais von 60 Prozent hat.

Saftfutter fürs Pferd

Unter Saftfutter versteht man vor allem Futtermittel wie beispielsweise frisches Weidegras, Möhren, Äpfel, Rüben und Rote Beete. Der Wassergehalt und die Verdaulichkeit aufgrund des geringen Rohfaseranteils, sind hier deutlich höher als in anderen Futtermitteln. Wichtig ist bei der Fütterung von Saftfutter die entsprechende Lagerung, damit es hygienisch und in der Qualität einwandfrei bleibt. Das Futter darf nicht schimmeln oder verderben (wie z.B. in warm, feuchter Umgebung).

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Saftfutter wie Möhren und Äpfel dienen zur Ergänzung und sind gesunde Leckereien. (© www.slawik.com)

Tipp: Grundsätzlich gibt es auch extra Futtertonnen fürs Pferd, in denen die Futtersäcke vor Ungeziefer, Nässe und Temperaturschwankungen besser geschützt sind. Für Saftfutter gibt es spezielle Futtereimer mit Luftlöchern, damit die Feuchtigkeit nach außen entweichen kann und das Futter nicht so schnell verdirbt.

Ergänzungsfutter fürs Pferd

Einen besonderen Stellenwert nehmen die Zusatzfuttermittel ein. Dazu gehören beispielsweise Öle, Mineralfutter, Mash oder auch Kräuter. Hierbei ist es wichtig das richtige Maß und die richtige Zusammensetzung zu finden, denn viel hilft nicht immer viel. Zu viel kann auch schaden! Im Zweifel sollte man sich vom Tierarzt und einer Futtermittelberatung bei der individuellen Auswahl helfen lassen.

Öle im Futter des Pferdes

Im Pferdefutter finden sich Fette in der Regel durch Öle, wie beispielsweise Sonnenblumen- oder Leinöl. Die Verdaulichkeit ist beim Pferd trotz einer fehlenden Gallenblase, vergleichsweise hoch. Die sogenannte Dünndarmverdaulichkeit liegt hier bei etwa 76 Prozent.

Fett macht mit knapp fünf Prozent der Gesamtration im Pferdefutter den kleinsten Teil aus. In der Regel wird auch meist eher den Hochleistungs- als Freizeitpferden Öl gefüttert, um zusätzliche Energie bereit zu stellen. „Wer sich dazu entschließt, Stärke zu reduzieren und den Fettanteil anzuheben, sollte es langsam steigern. Sonst kann es zu Darmproblemen wie z.B. Durchfall kommen. Öl in erhöhten Mengen ist kein natürliches Futtermittel, auch wenn die Verträglichkeit gut ist“, mahnt Agraringenieurin Muth.

Eiweiß in der Pferdefütterung: bitte hochwertig!

Eiweiß oder besser gesagt Proteine, sind im Pferdefutter unabdingbar. Das Eiweiß im Pferdefutter ist wichtig, damit das Pferd Muskel- oder Körpereiweiß aufbauen kann. Außerdem ist es wichtig für 
das Immunsystem, Hormone, Enzyme und Erbsubstanz sowie zur Festigung des Bindegewebes und, um Organe, Blut und Verdauungssekrete in Gang zu halten. Zu viel Eiweiß ist aber auch nicht gut, denn der Körper muss den Überschuss abbauen und das belastet insbesondere Leber und Niere.

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Wie viel Gras Pferde wirklich aufnehmen, ist umstritten. Fakt ist aber, dass Gras ein hochwertiger Eiweißlieferant ist. (© www.toffi-images.de)

Relevant sind im Eiweiß vor allem die 20 Aminosäuren, wovon fast die Hälfte, neun an der Zahl, zugefüttert werden müssen. Das sind im einzelnen: Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threonin, Valin, Histidin und Phenylalanin. Diese essentiellen Aminosäuren kann der Körper nicht selber herstellen.

Die andere Hälfte der Aminosäuren hingegen, kann der Pferdekörper aus Fett- bzw. Kohlenhydratquellen selbst herstellen. Wenn eine dieser Aminosäuren dem Körper in unzureichender Menge zur Verfügung steht, ist der Aufbau von körpereigenem Eiweiß schwieriger.

Bewertung von Eiweiß im Pferdefutter

Der entscheidende Ort im Darm, an dem die meisten Nährstoffe aufgenommen werden, ist der Dünndarm. Aus diesem Grund konzentriert man sich jetzt nicht mehr auf den verdaulichen Proteingehalt, sondern auf den im Dünndarm verdaulichen Proteingehalt. Mittels chemischer Analysen wird der Anteil des Proteins ermittelt, der im Dünndarm nicht aufgeschlossen werden kann und somit nicht nutzbar ist.

Unterschieden wird demnach in „Pcv Protein“ und einfaches „Protein“: Pcv steht für präcaecal verdauliches Rohprotein. Das bedeutet, dass das pcv Protein im Dünndarm verdaut wird und der Rest des Rohproteins ungenutzt in den Dickdarm gelangt.

Eiweiß-Hauptquelle im Futter des Pferdes

Den Eiweißbedarf kann man auch mit dem Energiebedarf über das Grundfutter abdecken. Hauptquelle für Eiweiß sind dabei Heu und Gras. Beim Weidegras kann mit 80 bis 90 Prozent dünndarmverdaulichem Rohprotein pro Kilogramm gerechnet werden.

Beim Heu gehen die Werte weit auseinander. Grundsätzlich geht man im Schnitt von etwa acht Prozent Eiweißanteil pro kg aus, wovon aber maximal die Hälfte dünndarmverdaulich ist. Anstreben sollte man eine Heumenge von 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Lebendmasse. Man muss dabei beachten, dass Heu nicht gleich Heu ist: je später geschnitten, desto mehr Rohfaser, weniger Eiweiß und Aminosäuren und weniger Energie hat Heu!

Um die genauen Werte herauszufinden, sollte man in regelmäßigen Abständen wiederkehrend eine Heuanalyse durchführen lassen (beispielsweise bei der LUFA, Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt).

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Auch Heu beinhaltet wichtiges Eiweiß. Allerdings variiert der Eiweißgehalt je nach Schnitt und Region. (© www.toffi-images.de)

Artgerechte Pferdefütterung

Welches Pferdefutter benötigt man für eine artgerechte Pferdefütterung und was sollte man dabei beachten?

Zunächst sollte das Raufutter grob strukturiert sein, um das Kauen zu fördern und die Verdauung optimal vorzubereiten. Das Raufutter wird zudem grundsätzlich vor dem Kraftfutter gefüttert, wobei oft eine Versorgung ad libitum (zur freien Verfügung) ideal sein kann.

Die Kraftfutterration sollte auf viele kleine Portionen über den Tag verteilt gefüttert werden (mindestens drei Rationen am Tag, besser fünf), wobei beachtet werden sollte, dass die Haferstärke gut verdaulich ist, die von Gerste und Mais jedoch nur in aufgeschlossenem Zustand (thermisch aufgeschlossen, geschrotet, gepoppt, gequetscht) gut genutzt werden kann. Ein ergänzendes Mineralfutter sollte nicht einfach unüberlegt und unkontrolliert dazu gegeben werden.

Nach der Fütterung sollte das Pferd ruhen können, so dass frühestens eine Stunde danach mit dem Training begonnen wird. Zwischen den einzelnen Mahlzeiten sollten dazu nicht mehr als vier Stunden Pause liegen und das Pferd braucht jederzeit Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser! Da Pferde hauptsächlich nachts fressen, ist es sinnvoll abends die größte Heumenge zu geben.

Wichtig: Das Pferdefutter muss hygienisch einwandfrei sein: Kein Schimmel, keine Pilzsporen, keine Verunreinigungen!

Pferde richtig füttern – ein Beispiel der Futterverteilung

Wie in etwa eine Futterzusammensetzung aussehen kann und um in etwa eine Vorstellung davon zu bekommen, was das Pferd braucht, soll das folgende Beispiel einen ersten Eindruck vermitteln.

Das Beispielpferd:

  • Zustand: gesund
  • Fütterung/Futterverwertung: normal futtrig
  • Rasse: Warmblut
  • Gewicht: 600 Kilogramm
  • Mittlere Arbeit: eine Stunde am Tag auf gutem A- bis L-Niveau
  • Turniereinsatz: ein- bis zweimal monatlich
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Beispielhafte Futterverteilung. Achtung: Jedes Pferd ist individuell und braucht eine extra abgestimmte Verteilung! (© St.GEORG)

In diesem Beispiel bildet Heu die Grundlage und ist Hauptbestandteil der Futterverteilung. Im Sommer kommt noch etwas Weidegras hinzu, wobei die Nährstoffe aus dem Gras weder über- noch unterschätzt werden sollten.

„Wer hat heute schon noch richtig dicke und saftige Weiden? Vor allem in Städten sind Weideflächen überschaubar und wenn, dann stehen die Pferde vielleicht ein bis zwei Stunden darauf“, sagt Manuela Muth. Außerdem scheiden sich beim Thema Futteraufnahme auf Weiden die Geister.

Ein weiterer Aspekt ist, ob das Pferd auf Stroh oder Spänen in der Box steht. Je nach dem, ob die Pferde viel Stroh fressen oder eher weniger, muss das auch noch berücksichtigt werden. 

 

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