Getreidefreies Pferdefutter – für welches Pferd geeignet?

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Qualitativ hochwertiges Heu – mehr benötigt das Pferd nicht unbedingt. (© www.slawik.com)

Getreidefreies Pferdefutter – man hört davon immer öfter und es soll wahre Wunder vollbringen. Für welche Pferde ist es tatsächlich sinnvoll?

Heu und Hafer, vielleicht auch noch Pellets – seit vielen Jahren das Standardfutter für Pferde. Aber auch getreidefreies Pferdefutter, also ohne Hafer, Gerste, Mais oder, in der etwas exotischeren Variante, Reis eingesetzt wird, ist möglich. Getreide liefert vor allem durch die enthaltene Stärke große Mengen Energie. Früher, als Pferde für die Arbeit auf dem Feld oder lange Kutschfahrten als Arbeitstiere gebraucht wurden, war dies notwendig, um die Rationen aufzuwerten. Auch Sportpferde, die große Leistungen vollbringen, haben einen hohen Energiebedarf.

Warum getreidefreies Pferdefutter?

Schaut man sich in verschiedenen Ställen um, fällt schnell auf, dass viele Pferde vor allem eines sind: zu dick. Meist die Folge einer nicht bedarfsgerechten Fütterung, also zu hohen Mengen an Energie. Häufig wird der energetische Bedarf des Pferdes überschätzt, denn nur die wenigsten leisten wirklich intensive Arbeit, so die Meinung von Dr. Christa Finkler-Schade, die ein Beratungsunternehmen für Pferdebetriebe leitet.

Um abzunehmen

Soll das Pferd abnehmen, bietet es sich an, die Getreidemenge zu reduzieren oder auf getreidefreies Pferdefutter zurückzugreifen. Der Hauptbestandteil einer Ration sollte ohnehin aus hochwertigem Raufutter bestehen, welches meist in Form von Heu gefüttert wird. Selbst im Heu ist Energie enthalten, die nicht unterschätzt werden darf: Zehn Kilogramm Heu können beispielsweise, je nach Schnittzeitpunkt, 80 bis 90 Megajoule verdauliche Energie enthalten. „Für ein leichtfuttriges Pferd kann auch das schon zu viel sein“, erklärt Dr. Finkler-Schade. Laut der Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist damit bereits der Energiebedarf eines 600 Kilogramm schweren Pferdes bei leichter Arbeit gedeckt. Unter dem Begriff „leichte Arbeit“ versteht man nicht nur Bewegung in Form von ruhigen Ausritten, sondern durchaus auch dressurmäßige Arbeit auf A-Niveau.

Getreidefreies Futter bei Stoffwechselerkrankungen

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Cushing zeigt sich bei Pferden und Ponys häufig deutlich durch die Fellwechselstörung. (© www.slawik.com)

Ein weiterer Grund für getreidefreie Fütterung: Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, Equines Metabolisches Syndrom (EMS) oder Tying up nehmen immer mehr zu. Längst sind sie nicht mehr auf bestimmte Rassen und ältere Pferde beschränkt. Auch wenn diese Krankheiten unterschiedliche Ursachen haben, ist ihnen gemein, dass das Pferd nicht überfüttert werden darf. Die Zufuhr von Stärke und Zucker muss vermieden werden. Eine getreidefreie Ernährung wird für betroffene Pferde dringend empfohlen.

Bei schlechter Ernte

Auch nach schlechten Ernte­jahren kann getreidefreies Pferdefutter angesagt sein. Ist es vor der Ernte zu nass, werden selbst Getreidekörner gerne von Pilzen besiedelt. Häufig betroffen sind Sorten mit hohem Spelzanteil wie Hafer, der wegen seiner guten Dünndarmverdaulichkeit und der Rohfaser liefernden Spelze insbesondere für die Pferdefütterung geeignet ist. Von Pilzen befallenes Getreide kann jedoch ernsthafte gesundheitliche Probleme wie Koliken, Allergien oder Atemwegsprobleme auslösen und sollte somit auf keinen Fall verfüttert werden. Ist man sich unsicher, ob das Futter durch Pilze verunreinigt ist, sollte vor der Verfütterung eine hygienische Kontrolluntersuchung (z.B. durch LUFA, die landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt, oder eine tierärztliche Hochschule) durchgeführt werden.

Alternativen

Verzichtet man wegen Verunreinigungen auf Getreide, kann das, was bei übergewichtigen Pferden der Vorteil ist, zum Problem werden: der fehlende Energielieferant. Das gilt auch für Pferde mit Stoffwechselerkrankungen, die durch entsprechende Arbeit einen höheren Energie­bedarf haben können. In diesem Fall beschränkt sich die Suche nach Alternativen auf wenige Möglichkeiten.

Raufutter

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Links: Dieses Heu wurde früh geschnitten und enthält wenig Rohfaser, dafür viel Eiweiß, Aminosäuren und Energie. Rechts: Später geschnittes Heu mit weniger Energie und Eiweiß, dafür mehr Rohfaser. (© Lengwenat)

Zunächst bietet sich das Raufutter an.Wird das Heu früher geschnitten, hat es einen höheren Energiegehalt, ebenso verhält es sich mit Grassilagen. Beachtet werden sollte jedoch, dass bei einem früheren Schnitt auch der Eiweißgehalt höher ist, der Anteil an Rohfasern dagegen unter dem eines späteren Schnittes liegt. Auch Luzerne kann eingesetzt werden, diese muss jedoch besonders in der Rationsplanung berücksichtigt werden. Durch den hohen Gehalt an Eiweiß und Calcium sollten nur begrenzte Mengen verfüttert werden, rät Dr. Christa Finkler-Schade.

Öl

Auch Öl kann ein Lieferant für die fehlende Energie sein. Es besitzt eine sehr hohe Energiedichte, enthält dabei aber weder Stärke noch Zucker. Allerdings sollte hierbei beachtet werden, dass das Pferd als Pflanzenfresser nicht für die Aufnahme von großen Mengen Öl geeignet ist. „Der Einsatz von Öl sollte bei einem durchschnittlich beanspruchten Reitpferd auf maximal 200 Milliliter am Tag begrenzt werden“, erklärt die Expertin. Sie empfiehlt zudem ein Mineralfutter, welches der Ration angepasst wird, um das Pferd bedarfsgerecht mit allen Spuren- und Mengenelementen zu versorgen.

Getreide nicht verteufeln!

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Hafer liefert viel Energie. (© www.slawik.com)

Grundsätzlich sollte die Fütterung von Getreide nicht verteufelt werden. Nach wie vor ist es der für Pferde am besten verdauliche Energielieferant. Allerdings immer vorausgesetzt, es liegen keine speziellen Unverträglichkeiten oder Stoffwechselprobleme vor, die den Einsatz verhindern. Und natürlich unter Beachtung des richtigen Managements, das ein qualitativ hochwertiges Raufutter, passendes Mineralfutter und eine energetisch an den Bedarf angepasste Ration voraussetzt. Ist die Fütterung von Getreide aus einem medizinischen Grund nicht möglich, kann dies meist relativ problemlos ersetzt werden.

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