Silage für Pferde – eine Futteralternative?

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Gegen Silage von guter Qualität als Pferdefutter ist in der Regel nichts einzuwenden. (© Fotolia)

Am häufigsten wird dem Pferd Heu als Raufuttergabe gefüttert. Allerdings kommen auch Heulage oder Silage zum Einsatz. Der Silage haftet oft ein schlechter Ruf an. Dabei ist sie sogar von guter Qualität oft die bessere Wahl, als minderwertiges Heu.

Werden Heu und Silage unter den gleichen Bedingungen geerntet, d.h. gleicher Boden, gleicher Dünger, gleicher Schnittzeitpunkt und gleiche Gräser, unterscheiden sich die beiden Produkte bei den Inhaltsstoffen zunächst oft lediglich im Wassergehalt.

Da Silage nach dem Schnitt früher eingefahren wird, hat sie einen höheren Wasseranteil. Die Silierung, das heißt die Umwandlung der leicht verdaulichen Kohlenhydrate der Pflanze in konservierende Milchsäure durch Mikroorganismen, machen diese Restfeuchte erforderlich.

Silage als Pferdefutter?

Gerade für Allergiker und Pferde mit Husten bietet sich eine Silage- oder Heulage-Fütterung an, da durch die Feuchtigkeit Staub besser gebunden wird. Wegen der enthaltenen Restfeuchte sind Silage und Heulage schwerer als Heu. Um auf die gleiche Menge an Nährstoffen zu kommen, muss meistens mehr gefüttert werden.

Vorsicht bei einer Futterumstellung! Stellt man von Heu auf Heulage oder Silage um oder umgekehrt, sollte das neue Produkt langsam angefüttert werden, damit sich der Verdauungstrakt an das neue Futter gewöhnen kann.

Anders als Tierärztin und Mikrobiologin Dr. Dorothe Meyer, die bei Silage-Fütterung Verdauungsstörungen beobachtet hat, sieht Prof. Dr. Winter von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen darin in der Regel kein Problem: „Aus meiner Sicht kann man Heu und Silage gleichwertig füttern.“ Vorausgesetzt, die Silage ist von guter Qualität. Und auch Agrarwissenschaftler Dr. Hans-Peter Karp sieht kein Problem in der Silage-Fütterung: „Der Speichel neutralisiert das saure Milieu der Silage bereits im Maul. Die Milchsäure nimmt damit keinen weiteren Einfluss auf die Verdauung des Pferdes.“

Heu und Heulage

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Wo liegt der Unterschied zwischen Heu und Silage?

Im Gegensatz zu Heu ver­dirbt Silage bei Nässe nicht so schnell. Der Grund: Ihr pH-Wert liegt mindestens unter 5,0, das heißt, das Futter ist saurer. Bakterien können sich nicht so leicht ansiedeln.

Was ist Silage? Die Herstellung

Silage wird, wie Heu auch, aus Gras gewonnen. Während Heu bei der Ernte jedoch zum Trocknen auf der Wiese liegen bleibt, wird das Gras für Silage nur kurz angewelkt und dann noch relativ feucht (30 bis 70 Prozent Trockenmasse) zu einem Ballen gepresst und mit Folie luftdicht umwickelt.

Das setzt den Silierungsprozess in Gang: Milchsäurebakterien vermehren sich unter Luftabschluss und vergären den Zucker im Gras zu Milchsäure. Das Gras wird eingesäuert. Dadurch wird es konserviert, also haltbar gemacht.

Ganz genauso funktioniert das Prinzip Weißkohl zu Sauerkraut zu machen. Silage hat durch diesen Vorgang weniger Zucker als Heu, was Pferden mit Stoffwechselproblemen oder Hufrehe eigentlich zu Gute kommen würde. Die Betonung liegt auf „eigentlich“. Falls sich nämlich wegen falscher Herstellung, Lagerung oder weil der Ballen schon zu lange offen ist, Hefen und andere Keime gebildet haben, können diese wiederum Hufrehe auslösen.

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Wichtig: Die Silageballen müssen ausreichend gepresst und gewickelt sein, damit sie eine gute Qualität erhält. (© www.slawik.com)

Silage: Vorteile und Kritikpunkte

Der Vorteil der Silage für Landwirte: Das Futter kann auch innerhalb eines engen Zeitfensters gewonnen werden, da der lange Prozess der Trock­nung auf der Wiese entfällt bzw. deutlich kürzer ist.

Silage hat aber nicht unbe­dingt einen guten Ruf – unter anderem, weil sie sauer ist. Das würde dem Magen schaden, wird kritisiert. Prof. Petra Wolf von der Universität Rostock, teilt dieses Argument nicht. „Si­lage hat den gleichen pH-Wert, wie er im Magen des Pferdes herrscht. Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass beim Füttern von Kraftfutter der pH-Wert richtig gedrückt wird, da kommt Silage nicht ran.“ Auch Zahnschäden, die man­cher auf das Füttern von saurer Silage zurückführen, lassen sich aus Sicht der Expertin nicht objektiv nachweisen.

Wichtige Eckpunkte für eine gute Silage

Damit man eine gute Silage erhält, muss das Gras sehr eng gepresst werden, um Lufteinschlüsse zu vermei­den. Als Pferdebesitzer kann man am Ballen sehen, wie eng er gepresst wurde und wie viele Lagen Folien verwendet wurden: Es sollten mindestens fünf bis sechs Lagen sein. Dann ist die Gefahr gering, dass die Folie von außen verletzt wird und Luft in den Ballen gelangt.

Wenn Sauerstoff eindringt oder sich aufgrund zu geringer Pressung noch Luft im Ballen befindet, führt das zu Fehlgä­rungen. Fäulnisbakterien und Schimmelpilze vermehren sich. Landwirte, die schon lange Si­lage herstellen, haben meist das entsprechende Knowhow, um diese Faktoren zu berücksichti­gen. Damit die Silierung näm­lich gut in Gang kommt, dürfen die Pflanzen nicht zu grob sein, sie dürfen nicht zu viel Eiweiß haben, müssen sauber sein und genügend Zucker enthalten (nicht von Magerwiesen).

Risiko Botulismus beim Pferd durch minderwertige Silage, Heu und Heulage

Im Zusammenhang mit Silage wird immer wieder vor der Krankheit Botulismus gewarnt, die durch das Bakterium Clostridium botulinum ausgelöst wird. Unter Luftabschluss und nur bei leicht saurem Milieu fühlen sich diese Bakterien besonders wohl und bilden Gifte, die das Nervensystem des Pferdes schwer schädigen.

Atemnot, Lähmung der Herz- und Skelettmuskulatur können auftreten. „Solche Bakterien lassen sich in Silage finden, ja, aber auch im Heu können durch den Einschluss von toten Tieren diese Bakterien entstehen“, klärt Prof. Dr. Wolf auf.

Wichtig ist, dass die Silage richtig hergestellt wurde. Denn nicht nur tote Tiere führen zu einem Einschluss der gefährlichen Bakterien. Ihre Sporen kommen auch im Boden vor. Einige Regionen scheinen stärker betroffen zu sein. Denn dort, wo größere Tierbestände erkrankten, waren die Bakterien auch im Boden nachzuweisen.

Prinzipiell ist das nicht schlimm, das Bakterium an sich ist nicht gefährlich, son­dern das Gift, das es produziert – und dieses kann es nur unter sauerstoffarmen Bedingungen herstellen, wie etwa in einem Tierkadaver oder unter Folie.

Wichtig für die Silageernte

Für die Silageernte bedeutet das: Nicht zu tief mähen, damit keine Bestandteile des Bodens eingeschlossen werden! Bei einer korrekten Silierung sinkt der pH-Wert so schnell ab, dass die Vermehrung der Bakterien gehemmt wird. Bei einer richtig verarbeiteten Silage ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Gifte bilden, also gering.

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