Ein Schritt in die richtige Richtung – endlich

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Das Urteil gegen einen Distanzreiter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dessen Pferd nach einem Ermüdungsbruch erlöst werden musste, ist ein längst überfälliges Zeichen, findet St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer.

Vielleicht war es doch eine gute Idee, die Disziplin Distanzreiten nicht aus der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) zu werfen. Gründe gibt es genug – fortwährende Regelverletzungen und eine unverschämte Arroganz gegenüber den Maßnahmen der FEI in den arabischen Distanzhochburgen. Mit solchen Leuten kann man eigentlich keinen Sport betreiben. Ein Rausschmiss wäre nach der jüngsten Änderung des Generalreglements vor zwei Jahren möglich, aber dann hätte der Weltverband überhaupt keine Handhabe mehr, die Pferde zu schützen, die bei Langstreckenritten in diesen Staaten geschlagen, gedopt und manchmal zu Tode gehetzt werden. Wie Castlebar Contraband, der 2016 bei einem Einsterne-Distanzritt in Fontainebleau nach einem offenen Bruch des rechten Röhrbeins eingeschläfert werden musste.

Vier Jahre hat es gedauert, bis das FEI-Tribunal zu einem Urteil kam, das nun ein Zeichen setzen soll: 20 Jahre Sperre und 17.500 Schweizer Franken plus 15.000 Franken Prozessbeteiligung für Sh Abdul Aziz Bin Faisal Al Qasimi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE).

Zu einer mündlichen Anhörung ist es nie gekommen, immer wieder verzögerten der Reiter und sein Anwalt das Verfahren, erwirkten einen Aufschub nach dem anderen und ließen Briefe der FEI einfach unbeantwortet. Am Ende wurde nach schriftlichen Aussagen entschieden.

Auf mehr als 50 Seiten zeichnet das Gerichtsprotokoll den Leidensweg von Castlebar nach, der lange vor jenem Oktobertag begann, als er sein rechtes Vorderbein wenige hundert Meter nach dem Vetcheck ohne erkennbaren Anlass so brach, dass nur noch die Haut die Knochenteile zusammen hielt. So etwas hätten sie noch nie gesehen, sagten mehrere FEI-Tierärzte aus. Das Tribunal sah es als erwiesen an, dass das Bein künstlich desensibilisiert worden war, um die Schmerzen, die durch Arthrose verursacht wurden, zu überdecken. In solchen Fällen sind Ermüdungsbrüche vorprogrammiert.

Castlebar war schon vor dem Start in diesem Einsterne-Ritt  nicht mehr „fit to compete“. Wie aus dem Stallbuch zu entnehmen ist, das offenbar mit einer gewissen Regelmäßigkeit geführt wurde, erhielt er in den Wochen vor dem Ritt intensive Behandlungen mit verschiedenen Medikamenten. An Castlebars Halsvenen wurden Dutzend alte und mehrere frische Einstiche festgestellt. Als ob das nicht genug ist, gab es Verletzungen am Maul, Druckstellen am Kopf und in der Sattellage.

Das FEI-Tribunal, das mit akribischer Sorgfalt versucht hat, herauszufinden, was wirklich geschah, und großen Langmut gegenüber den Hinhaltespielchen des Reiters bewies, hat ein Zeichen gesetzt. Ob es von denen verstanden wird, die gemeint sind, ist höchst zweifelhaft. Zu sehr glauben die Herren aus dem Morgenland, Regeln gelten nur für die anderen. Dass bei der FEI-Generalversammlung 2019 bei der Abstimmung über das neue Distanzreglement, in dem es in erster Linie um Pferdeschutz ging, die Nein-Stimmen vor allem aus dem Nahen Osten kamen, verwundert nicht. Dass die Prüfung in Frankreich stattfand und  nicht irgendwo in der Wüste, hat die Ermittlungen vermutlich erleichtert. So wurde eine aufschlussreiche Postmortem-Analyse durch ausgewiesene Veterinäre und Labors  möglich, Vertuschungsversuche unterbunden.  Einen gab es aber doch: Er sei bis zuletzt bei seinem Pferd geblieben, das er innig geliebt habe und Teil der Familie gewesen sei, sagte der Reiter aus. Mehrere Zeugen allerdings gaben an, dass sich zum Zeitpunkt, als Castlebar eingeschläfert wurde, der Reiter längst aus dem Staub gemacht hatte.

Die FEI ist dem Problem der künstlichen Desensibilisierung der Beine schon lange auf der Spur, sichere Nachweismethoden fehlten bislang. Aber ein Verfahren, das Desensibilisierung nachweisen soll, wird derzeit bei Distanzpferden erprobt.

Die Strafe wird der 31jährige Reiter aus der Portokasse bezahlen, die Sperre würde weh tun, falls er wirklich Ambitionen auf eine längere Laufbahn im Distanzsport gehabt haben sollte. Hat er zum Glück nicht, wie er dem FEI-Tribunal mitteilte. Wir werden ihn also nicht als 50-Jährigen in diesem Sport  wiedersehen müssen – das ist die einzige gute Nachricht in diesem schaurigen Fall von Tierquälerei.