Runder Geburtstag für „König Casall“

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Ein runder Geburtstag, der verlangt nach einer Party. Und da der 20-jährige Casall schlecht selbst die Einladungen schreiben konnte, übernahm das der Holsteiner Verband für ihn.

Bei schönstem Aprilwetter, Sonne, Regen, Schnee im Wechsel, trafen sich rund 400 Gäste im Hengststall der Elmshorner Verbandszentrale, um dem Großverdiener unter den Elmshorner Hengsten zu gratulieren. Der Verband spendierte Bier, Würstchen und Kuchen. „Alles umsonst heute?“ fragte ein Züchter am Bratwurststand ungläubig. „Alles umsonst,“ war die Antwort. Na dann!

Da stand er nun, der 20-jährige Jubilar, regungslos, geradezu majestätisch, sauber eingeflochten, fit wie ein Turnschuh, mit glänzendem Fell. Aufmerksam hörte er sich die Elogen auf seine Person an. Zu allererst von Züchter Wilfried Thomann aus Nordfriesland, der sich wie alle Züchter erst mal freute, dass das Fohlen gesund, korrekt und gut drauf war. Dann noch ein Hengstfohlen! Casalls Vater Caretino gilt als „Damenschneider“ und ein guter  Caretino-Sohn war schon von daher etwas Besonderes.

Das fand auch Dieter Mehrens, zusammen mit Reimer Henning einer der großen Hengstfohlenkäufer und -aufzüchter im Land zwischen den Meeren. „Wir wissen alle, wie schwer es ist, ein Caretino-Hengstfohlen zu bekommen. Beeindruckend war die Familie, Raimond hat ja tolle Sportpferde gemacht und Lord auch“, sagte Mehrens. „Es war ein blütiges Fohlen.“ Nicht, dass er und sein Kompagnon sofort auf den kleinen Braunen geflogen wären. „Vor 20 Jahren haben wir jedes Jahr 50 bis 60 Hengstfohlen gekauft. Aber wir dachten, wenn wir jetzt keinen Caretino-Sohn probieren, kriegen wir vielleicht nie mehr einen.“

Die Anfänge einer großen Karriere

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Casall bei der Körung als Zweieinhalbjähriger in Neumünster. Da gelang ihm zwar nur ein einziger guter Sprung, der künftige Qualität erahnen ließ, trotzdem kaufte Norbert Boley, der Chef der Holsteiner Hengsthaltung in Elmshorn, den Junghengst. Der Preis, den er an Dieter Mehrens und Reimer Hennigs zahlen musste, sei nicht gering gewesen, sagt er. Jedenfalls soviel, dass er den Vorstand fragen musste. Casall entwickelte sich gut, machte eine ordentliche, keine sensationelle Junghengstprüfung. Nicht wie ein Hochbegabter, eher ein aufgeweckter Normalo. Manchmal fürchtete Boley, er habe nur einen besonders teuren Wallach eingekauft. Der sich auch anfangs nicht als ganz einfach erwies.

Um Casalls  Karriere anzuschieben, gab er den Fünfjährigen an Rolf-Göran Bengtsson, der seinen Stall nicht weit von Elmshorn in Breitenburg hatte und schon öfter junge Holsteiner Hengste in den Sport gebracht hat. „Als Casall zu uns kam, war ein bisschen kompliziert, nicht der große Star, erzählte Bo Kristoffersen, damals in einer Stallgemeinschaft mit Bengtsson. Der heute 57-jährige Schwede, zweifacher Olympiamedaillengewinner, fand schnell einen Draht zu Casall. „Als Rolf-Göran sagte, den könnt ihr hierlassen, da wusste ich, dass er ein Guter war“. erzählte Norbert Boley. „Nicht zu vergessen, Casall war immer gesund.“

Die sportlichen Erfolge

Janne Bugtrup/Holsteiner Verband

Springen konnte der Braune genug, aber immer wieder stand ihm seine „Guckerigkeit“ im Wege. Solche Pferde sehen alles, hören alles, vermuten in jeder dunklen Ecke Gespenster und sind leicht abzulenken von ihrem Job, also nicht wahnsinnig beliebt bei Springprofis. Rolf-Göran brachte Casall auf seine Seite. „Er ist sehr schlau und weiß, wann es um etwas geht“, ist sich Bengtson sicher. „Dann ist er voll dabei.“ Der Erfolg des Paares blieb nicht aus. Sie mischten in allen Großen Preisen dieser Welt mit, nahmen 39 Mal an der Global Champions Tour teil, gewannen davon neun Mal und 2016 schließlich die Gesamtwertung. Gerade das Format der Global Champions Tour, ein Einlaufspringen, ein Ruhetag und dann Großer Preis ohne weitere Qualifikationen, kam Casall entgegen.

Rund 4,2 Millionen Euro habe der Hengst verdient, sagt Bengtsson. Damit spielt er in der Top-Liga der gewinnreichsten Springpferde der Welt. Im Jahrbuch 2018 der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind davon nur 473.300 aufgelistet, das meist hat Casall im Ausland verdient. Auch die Zahl seiner Kinder ist nicht so leicht festzustellen, weil sie überall auf der Welt geboren werden. Allein in Deutschland sind knapp 1000 Nachkommen als Sportpferde registriert, die 2,8 Millionen Euro gewonnen haben. Aber in Wirklichkeit dürften beide Zahlen viel höher liegen. 72 gekörte Söhne und 76 Staatsprämienstuten stehen dafür, dass Casalls Dynastie auch in Zukunft nicht ausstirbt. Er deckt rund 400 Stuten jedes Jahr zu Preisen zwischen 2500 und 3700 Euro. Eine nette Summe, für die seine Holsteiner  Vorgesetzten wirklich eine Party springen lassen konnten..


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