Dressurrichter Leif Törnblad bis Ende des Jahres gesperrt

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Leif Törnblad saß auch beim Weltcup-Finale in Omaha am Richtertisch. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Der Weltreiterverband FEI hat nun ein Statement veröffentlicht, in dem bekannt gegeben wird, dass man den Fünf-Sterne-Richter Leif Törnblad bis Ende des Jahres suspendiert hat. Törnblad hatte sich in der Öffentlichkeit zu holländischen Reitern geäußert und war daraufhin vom holländischen Verband bei der FEI angeklagt worden.

Gestern, am 8. November, hat die FEI den dänischen Fünf-Sterne-Richter Leif Törnblad davon in Kenntnis gesetzt, dass er bis zum Ende des Jahres seines Amtes als Richter enthoben ist. Als Begründung führte man an, dass Törnblad mit seinen Äußerungen über holländische Dressurreiter gegen Artikel 2 des Codex für FEI Dressurrichter verstoßen habe. Dieser lautet wie folgt:

„Ein Richter muss jedweden tatsächlichen oder gefühlten Interessenkonflikt vermeiden. Er muss eine neutrale, unabhängige und Faire Haltung gegenüber Reitern, Besitzern, Trainern, Organisatoren und anderen Offiziellen einnehmen und sich gut in ein Team integrieren.“ 

Am 25. Oktober hatte die FEI Leif Törnblad informiert, dass man in Erwägung ziehe, Sanktionen gegen ihn zu verhängen, weil er „unangemessene Kommentare“ über aktive Trainer und Reiter gegenüber Medien geäußert hat, die seine Neutralität infrage stellen.

Die FEI betont, sie habe die Entscheidung nun auf Basis einer gründlichen Untersuchung der Angelegenheit gefällt. Dazu habe auch eine Anhörung von Leif Törnblad gehört, und man habe sein schriftliches Statement zu der Angelegenheit in Betracht gezogen. Man habe Törnblad aber auch mitgeteilt, dass man weder seine Integrität noch seine Leistungen als Fünf-Sterne-Richter der FEI infrage stelle.

Die Strafe wurde auf Basis von Artikel 7 des Codex verhängt:

Die FEI und das FEI Dressurkomitee haben das Recht, disziplinarische Maßnahmen gegen Richter zu verhängen, wenn diese sich nicht an den Codex sowie die FEI Regeln halten. Diese disziplinarischen Maßnahmen können z.B. sein: ein Warnschreiben, zeitweilige Suspendierung, Degradierung oder Streichung von der Richterliste der FEI. 

Zum Hintergrund

Leif Törnblad hatte dem australischen The Horse Magazine ein Interview gegeben, in dem der Chefredakteur Chris Hector Törnblad unter anderem auf Anky van Grunsven, Edward Gal und Hans Peter Minderhoud und deren Reiterei anspricht. Hector selbst äußert sich negativ. Törnblad antwortet sinngemäß, dies sei ihrer beider Meinung, andere würden das ganz anders sehen. Eine detaillierte Übersetzung des Interviews finden Sie hier.

Der holländische Pferdesportverband KNHS brachte die Angelegenheit bei der FEI zur Sprache.

Was andere, unter anderem der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Soenke Lauterbach, über die Angelegenheit denken, können Sie in St.GEORG 12/2017 nachlesen.

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  1. Manfred

    Respekt für diesen Richter. Endlich ein hoher Offizieller, der sich nicht hat einschüchtern lassen.

    Die Suspendierung durch die FEI ist für mich keine Strafe, sondern ein Ritterschlag für verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Kreatur Pferd!

    Jeder Insider weiß, mit welchen Mitteln verschiedene, sogenannte „Topreiter“ zu Werke schreiten.
    Nur halten viel zu viele den Mund und das schon seit Jahren. Entweder will man weiterhin Geschäfte machen, seine Richterkarriere nicht aufs Spiel setzen oder gerngesehener Gast auf diversen Veranstaltungen und Turnieren bleiben.

    Gestresste, aufgestochene, bis zur Erschöpfung drangsalierte Pferde, so sieht die Wirklichkeit leider viel zu häufig hinter mancher schönen Kulisse aus.

  2. Carmen Friedrich

    Ein Richter muss jedweden tatsächlichen oder gefühlten Interessenkonflikt vermeiden. Er muss eine neutrale, unabhängige und Faire Haltung gegenüber Reitern, Besitzern, Trainern, Organisatoren und anderen Offiziellen einnehmen und sich gut in ein Team integrieren.“ Und wer greift dann ein, wenn es um die Pferde geht?? In ein Team integrieren, heißt : „nicht gegen den Strom schwimmen“!! Wenn ich Herr Törnblad wäre, würde ich denen den Krempel hinwerfen, sollen doch ihren Scheiß selbst bewerten. Kritikfähig bleiben, bedeutet Weiterentwicklung. Herr Törnblad ist sicherlich Fachmann genug, um sich ein Urteil bilden zu dürfen. Außerdem, was hat er denn schon gesagt? Ist anscheinend für die Herrschaften ein unbequemer Richter, da kommt einem eine noch so kleine „Verfehlung“ sehr gelegen, um den Herrn in seine Schranken zu weisen. Wie armselig, macht den Dressursport nicht attraktiver.

  3. Nicole Schwarz

    Vielen Dank Herr Törnbald für Ihre korrekte und uneigennützige Haltung . Regeln müssen dort gebrochen werden, wo es moralisch notwendig ist – egal ob es sich um Mensch oder Tier handelt.

  4. Winfried Vogler

    Bei der aktuellen Diskussion könnte die FEI auch die Regeln und die Richter abschaffen. Rechtsanwälte ans Viereck! Das löst bestimmt einige Probleme leichter. Dann fällt auch die Diskussion weg, ob Reiten Sport ist und olympisch bleiben soll!

  5. Ines Vogel

    „Ein Richter muss jedweden tatsächlichen oder gefühlten Interessenkonflikt vermeiden. Er muss eine neutrale, unabhängige und Faire Haltung gegenüber Reitern, Besitzern, Trainern, Organisatoren und anderen Offiziellen einnehmen und sich gut in ein Team integrieren.“

    Wo bleibt bei diesem Zitat eigentlich das Pferd? Hat ein Richter nicht pro Pferd zu sein und im Sinne des Pferde zu handeln? Vielen Dank jedenfalls an Herrn Törnbald, dass er den Mund aufgemacht und sich nicht einschüchtern lässt.
    Über die Sperrung von Herrn Törnbald kann ich nur noch traurig den Kopf schütteln. Das ist ein Signal, das in eine völlig falsche Richtung geht.

  6. Dr.Dr. Hans J. Rapp

    „Wer kritisiert ist nicht gefährlich; gefährlich ist, wer zu feige ist, zu kritisieren“.
    Dieses Zitat von Mark Twain trifft den Nagel auf den Kopf. Endlich ist jemand bereit und mutig genug, den Mund aufzumachen, schon werden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen. Alle die sich die Klassische Reitkunst auf die Fahne schreiben, aber nicht erkennen, wann ein Pferd vergewaltigt wird, sollten sich Oberst Waldemar Seunigs Buch „Von der Koppel bis zur Kapriole“ auf den Weihnachtswunschzettel schreiben.
    Dr. Dr. Hans J. Rapp (Autor des Buches „Die Pferdemedizin im Wandel der Zeit“)

  7. P. Schlueter

    Vielen Dank Herr Törnblad!! Endlich traut sich mal jemand die offensichtlichen Missstände anzusprechen! Bravo! An der Reaktion der FEI lässt sich doch ablesen, dass Sie wohl den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Bitte lassen Sie sich nicht einschüchtern und seien Sie weiterhin so mutig und korrekt.

  8. Tapama

    Danke, Herr Törnblad, für Ihren Mut.

    Ich finde es schade, dass Sie anscheinend keine persönliche Meinung äussern dürfen, selbst, wenn diese auch noch vorsichtig formuliert war.

    Die Sperrung eines Richters sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn die gegebenen Wertnoten absolut nicht zu der Leistung in den Lektionen passen und dies dann entsprechend belegt werden kann.

    Denn – sorry – wer hat denn keine subjektive Meinung? Warum sollte man diese nicht auch sagen und leben dürfen als Richter?


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