Windsor: Charlotte Dujardin gewinnt Grand Prix vor Debütant Delicato unter Carl Hester

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Charlotte Dujardin und Mount St. John Freestyle bei der Royal Windsor Horse Show 2018. (© RWHS)

Das Team Dujardin/Hester ist auf einem guten Weg in Richtung Weltreiterspiele. Für Hester war Windsor der erste Grand Prix mit seinem neuen Star Hawtins Delicato. Und Charlotte Dujardin fügte ihrer Siegessammlung mit ihrem neuen Star im Stall einen weiteren hinzu.

Mit 78,587 Prozent siegten Charlotte Dujardin und die Hannoveraner Fidermark-Donnerhall-Tochter Mount St. John Freestyle im Grand Prix der Royal Windsor Horse Show. Dass die beiden die Prüfungen gewinnen müssen, darüber herrschte Einigkeit in der Jury. Aber wie, darüber gingen die Meinungen recht deutlich auseinander.

Der Brite Peter Storr bei E gab den beiden 81,522 Prozent. Die Australierin Susan Hoevenaars, die ihm gegenüber bei B saß, hatte das Paar hingegen bei 76,957 Prozent. Sandy Philips (GBR) bei H verteilte insgesamt 78,587 Prozent. Von Chefrichter Bernard Maurel (FRA) bei C gab es 78,370 Prozent und von dem Belgier Jacques van Daele 77,5 Prozent.

Tatsächlich gelang der Olympiasiegerin mit der Stute, die in Großbritannien jetzt schon den Spitznamen „Miss Valegro“ erhalten hat, eine weitgehend fehlerfreie Prüfung. Die Reiterin saß wie immer ganz still im Sattel und erfreute mit ihrer dezenten und feinen Hilfengebung.

Still sitzen musste sie aber auch, denn Freestyle schien wirklich „an“ zu sein. Im ersten starken Trab flog Freestyle so los, dass man Sorge hatte, sie würde sich mit dem Karpalgelenk gegen das Maul treten. Danach gab es Spannungsmomente, erkennbar unter anderem daran, dass das rechte Vorderbein deutlich weiter ausgriff als das linke. Doch dann fing die Stute sich.

Bemerkenswert ist unter anderem, dass Freestyle in den Traversalen nicht ein bisschen an Schwung und Kadenz verliert. Beim anschließenden Halten trat die Stute zurück. Das Rückwärtsrichten war dennoch sehr durchlässig und gehorsam.

Was folgte ist ein absolutes Highlight: die Passage. Super elastisch, gleichmäßig und bei jedem Tritt ganz deutlich Last aufnehmend und im Bergauf. Die Piaffe steht dem kaum nach – schon fast auf der Stelle, klar im Takt, ebenfalls mit deutlicher Bergauftendenz, das Resultat reeller Lastaufnahme. Schwierigkeiten hat die Stute im Moment noch bei den Übergängen zwischen Piaffe und Passage. Hier verliert sie jedesmal kurz den Takt.

Im Galopp begannen die beiden mit sicheren, wenngleich auch nicht ganz geraden Zweierwechseln, bei denen das linke Vorderbein immer etwas vor das rechte greift. Nach sorgfältig herausgearbeiteten Zick-Zack-Traversalen folgten gelungene Einerwechsel. Das ganze Talent der Charlotte Dujardin zeigte sich in den Pirouetten: Sorgsam vorbereitet, gefühlvoll eingeleitet und dann jeder einzelne Galoppsprung herausgeritten. Vielleicht wünschte man sich in der Galopptour insgesamt einen etwas klareren Dreitakt.

Die beiden waren das letzte Paar der Prüfung und zogen an den Stallkollegen vorbei zu einem ungefährdeten Sieg. Es war der dritte Grand Prix der Stute, der zweite internationale und jeden Auftritt hat sie bislang gewonnen. Ihr internationales Debüt hatte sie Anfang April in den Niederlanden gegeben.

Platz zwei an Carl Hester

RWHS

Carl Hester und Hawtins Delicato. (© RWHS)

Für Carl Hester ist Windsor eine Premiere. Erstmals ist er mit seiner neuen Championatshoffnung Hawtins Delicato am Start, einem Diamond Hit-Sohn, der ein ganz anderer Typ ist als Hesters Olympiapferd von Rio, Nip Tuck. Außer: Auch bei Delicato fällt sofort die tolle Anlehnung auf sowie die Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Die beiden begannen mit einem soliden starken Trab, wie man ihn sich wünscht – nicht spektakulär, aber über den Rücken in die Hand hineinschwingend. In der Traversale nach rechts verlor der Wallach etwas den Fluss, die nach links war deutlich besser. Beim Umstellen ging der Wallach einmal gegen die Hand, war aber sofort wieder bei seinem Reiter. Es folgte gehorsames Halten und durchlässiges Rückwärtsrichten bei klarer Fußfolge. Die erste Passage gelang kadenziert und im Gleichmaß. Allerdings könnte der Wallach mit den Hinterbeinen mehr unter den Körper arbeiten.

Der Übergang aus der Piaffe in die Passage war stockend, die Piaffe selbst aber fast auf der Stelle, klar im Takt, fleißig und mit deutlicher Lastaufnahme. Im versammelten Schritt gab es eine ganz leichte Phasenverschiebung, die allerdings anscheinend nur Bernard Maurel bei C aufgefallen war. Auch die zweite Piaffe war ein Highlight.

Die Galopptour begann mit sehr sicher nach vorne-oben herausgesprungenen Zweierwechseln, die noch gerader sein könnten. Super war der starke Galopp und der danach sauber herausgearbeitete fliegende Wechsel. Ein Highlight waren auch die Zick-Zack-Traversalen – super ausbalanciert, jeder Wechsel akzentuiert geritten und daraus das Pferd dann wieder klar im den inneren Schenkel gebogen. In den Einerwechseln unterlief den beiden ein kleiner Fehler, der Punkte kostete. Die erste Pirouette war recht groß geraten, die zweite besser.

Die letzte Mittellinie nutzte Hester noch mal, um Delicato tanzen zu lassen. Die Piaffe war hinten etwas breit. Vielleicht ging dem Wallach hier schon etwas die Kraft aus. Aber in den Passagen traute Hester sich nun offenbar ein bisschen mehr Risiko einzugehen, so dass der Wallach sehr viel kraftvoller abfederte und dann auch unter den Schwerpunkt kam. Alles in allem: Ein absolut gelungenes Debüt. Die beiden dürften schon mal die Koffer für Tryon packen können.

Deutschland hinter fünf Briten

Auch die nächsten drei Plätze waren britisch besetzt. Am dichtesten dran am Erfolgsduo waren Richard Davison und sein Lingh-Sohn Bubblingh mit 70,826 Prozent, dicht gefolgt von Gareth Hughes im Sattel von Don Carissimo v. Don Crusador (70,739). Hayley Watson-Greaves und Rubins Nite v. Rubin Royal machte das britische Quintett komplett mit 69,043 Prozent.

An sechster Stelle reihte sich das einzige deutsche Paar ein, Deutsche Bank Reitsport-Akademistin Juliette Piotrowski auf Sir Diamond mit 68,370 Prozent.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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