WM Herning: Dujardins Olympiahoffnung Imhotep macht Eindruck

FEI World Championships Herning Denmark 2022

Eine der schönen Momente in der Passage von Imhotep und Charlotte Dujardin (GBR). (© Pauline von Hardenberg)

Nicht alles hat funktioniert, aber Charlotte Dujardins Olympiahoffnung Imhotep machte eine Menge Dinge im Ansatz schon so, dass man verstehen kann, warum der Fuchs so hoch im Kurs der Britin steht.

Es war die Feuertaufe der Olympiahoffnung Imhotep und die ist in weiten Teilen gelungen. Der neunjährige Wallach aus niederländischen Zucht ging seinen dritten internationalen Grand Prix unter Charlotte Dujardin. Der Dunkelfuchs, dessen Vater Everdale unter Charlotte Fry in Tokio am Start war und dort Achter in der Kür war, ist bislang erst einmal außerhalb Großbritanniens gegangen. Beim Turnier in Compiègne waren die beiden top-platziert.

Mumie alias „Pete“ – Olympiahoffnung Imhotep

Normalerweise werden im Stall von Carl Hester, der einer der Besitzer von Imhotep ist, die Pferde gerne mit Spitznamen aus dem Obst- oder Gemüseregal benannt. Allen voran der legendäre „Blueberry“, Olympiasieger Valegro. Doch Imhotep, dessen Name aus dem Ägyptischen stammt von einem Baumeister im dritten vorchristlichen Jahrtausend, hört im Stall auf den Namen „Pete“.

Schon beim Einreiten fiel auf: Dieser Hals ist hoch eingestellt. Da sieht er aus wie sein Vater, nur dass bei dem die reiterliche Einwirkung eine andere ist. Unabhängig von diesem leicht aufgekröpften Seitenbild zeigte der Wallach viele gute Ansätze: Geschmeidige Traversalen in einem guten versammelten Trab, die Passagen und Piaffen im Fluß. Bei den Piaffen arbeitet der Neunjährige auf sehr kleinem Raum. Etwas, dass man auch von anderen Pferden von Charlotte Dujardin kennt. Den Takt hält der Everdale-Sohn souverän, die noch nicht perfekte Balance gleicht er (noch) durch leichtes Schwanken aus. Bei der letzten Piaffe auf der Mittellinie wich er deutlich mit der Hinterhand nach links aus. Die Passage war klar abgesetzt, auf den ersten Metern war das Hinterbein rechts manchmal weniger aktiv – allerdings so, dass es bei einem Neunjährigen das berühmte Jammern auf „ganz, ganz hohem Niveau“ ist.

Im starken Trab arbeitete das Hinterbein nicht ideal unter den Körper, das Sprunggelenk bewegte sich dabei in Richtung Schweif, statt unter den Schwerpunkt. Apropos Schweif: Der pendelte die gesamte Zeit gelassen und damit wohl auch losgelassen.

Die Galopptour hatte ihre Höhepunkte in den Pirouetten, mehrfach mit 9,0 beurteilt. Die fliegenden Galoppwechsel zu 2 und 1 Tempi waren schon recht gerade. Aber gerade hier kommt das angesprochene Manko zum Tragen: Der Hals ist kurz, das Maul dabei nicht immer geschlossen. In der weiteren Arbeit wird die Olympiasiegerin darauf achten müssen, den Hals-Ganaschen-Winkel offener zu bekommen. Und wenn das Genick dabei insgesamt ein paar Zentimeter tiefer käme, würde das dem Seitenbild gut tun.

Briten nun stark in der Teamwertung

Der Schritt von Olympiahoffnung Imhotep ist keiner, der nach einer Neun schreit. Mit 77,407 Prozent hat sich Charlotte Dujardin nun vor Benjamin Werndl und Famoso gesetzt. Punkte, die auch dem britischen Team helfen, denn Abschlussreiterin Charlotte Fry könnte mit Glamourdale einen 80-Prozent-plus-Ritt schaffen, wenn alles nach Plan verläuft. Gegen 19 Uhr wird man wissen, ob sie das schafft. Viele Beobachter trauen ihr eine kleine Überraschung zu.

Charlotte Dujardin war enthusiastisch: „Ernsthaft, ich liebe dieses Pferd. Er ist ein Arbeitstier, er will immer losgehen, erst neun Jahre alt gibt er mir schon alles. er ist so kraftvoll, so elastisch, so kadenziert. Bei den Wechseln habe ich den Eindruck zu fliegen.“

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