Emma Kanerva ist Jubiläumssiegerin des Deutschen Dressur-Derbys

Pferdesport, Dressur,

Gewinnerin der 60. Auflage des Deutschen Dressur-Derbys 2018: Emma Kanerva (FIN) auf Heartbreaker. (© von Korff)

Auch die Konkurrenz musste es zugeben: Emma Kanerva hatte heute einfach das beste Händchen für die Finalpferde des 60. Deutschen Dressur-Derbys.

Mit 214,699 Punkten setzten die Finnin Emma Kanerva und Heartbreaker sich im Deutschen Dressur-Derby 2018 gegen Jan-Dirk Gießelmann mit Real Dancer sowie Kristy Oatley (AUS) auf Qualia durch.

Das Dressur-Derby – ein Import-Schlager

Als das Deutsche Dressur-Derby 1955 zum ersten Mal ausgetragen wurde, war es eine rein innerdeutsche Angelegenheit zwischen Willi Schultheis, Reiner Klimke und Harry Boldt mit Schultheis als Sieger.

Inzwischen ist das Deutsche Dressur-Derby ein internationales Dressur-Derby mit einer finnischen und einer australischen Finalistin sowie Jan-Dirk Gießelmann als Quotenmann. Und nachdem 2016 mit Borja Carrascosa ein Spanier und 2017 mit Emile Faurie ein Engländer das blaue Band geholt hatte, setzte die Finnin Emma Kanerva die Tradition der internationalen Siege heute fort.

Allen Siegern sowie auch Kristy Oatley als Australierin im heutigen Finale haben eine Gemeinsamkeit: Sie leben bzw. arbeiten in Deutschland. Emma Kanerva hat bei Hubertus Schmidt gelernt und unter seiner Ägide die finnischen Farben bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften vertreten, ehe sie ihre Zelte in Borchen-Etteln abbrach, um für ein Jahr in England zu reiten, wo Emile Faurie neben seinem Job bei Familie Kasselmann immer noch ansässig ist. Nun ist sie hier in Hamburg quasi zuhause. Sie arbeitet im Reitstall Klövensteen in Schenefeld. Sie hätte theoretisch auch zum Derby reiten können.

Aber für die drei Finalisten war es wichtig, Kräfte zu sparen, wo es nur geht. Denn für die Pferde sind drei – wenn auch stark verkürzte – Grand Prix-Aufgaben und das bei sommerlichen Temperaturen schon eine körperliche Herausforderung.

Emma Kanerva hatte den Schimmel Heartbreaker gesattelt, einen 14-jährigen His Highness-Sohn, der zuvor der Luxemburgerin Mandy Zimmer gehörte, die bei Klaus Balkenhol trainiert hat. 2016 war er unter Holga Finken national Grand Prix-erfolgreich. 2017 ging er kein Turnier. Emma Kanerva stellte ihn erstmals Mitte April in Behrendorf vor, gewann die Intermédiaire II und wurde Zweite im Grand Prix.

Das Finale mit Pferdewechsel

Und nun Hamburg, das zweite gemeinsame Turnier für die beiden, das erste internationale für Heartbreaker. Zunächst stellen die drei Finalisten traditionell ihr eigenes Pferd vor. Emma Kanerva und Heartbreaker legten gut vor: 73,966 Prozent. Und schon mit der eigenen Reiterin zeigte sich, wo die Stärken des Schimmels liegen: in der Galopptour. Besonders hervorzuheben sind hier die Wechselserien. Das war großes Kino – wenn auch mit beständig pinselndem Schweif.

Als nächstes kam das Paar, das international mit Abstand die meiste Erfahrung mit ins Finale brachte: Jan-Dirk Gießelmann mit Real Dancer. Sie wurden ihrem Ruf gerecht mit unter anderem super Passagen und einer tollen Rechtspirouette (die nach links gelang weniger gut) und erhielten 74,233 Prozent und zogen damit erst einmal an Kanerva und Heartbreaker vorbei.

Die dritte im Bunde der Finalisten, Kristy Oatley, hatte sich mit ihrem Toppferd Du Soleil fürs Finale qualifiziert, stellte hier aber ihr Zweitpferd Qualia vor, einen Quando Quando-Sohn, den sie gestern schon in der Kür geritten hatte (Du Soleil soll Weltreiterspiele gehen und muss sich kommendes Wochenende in Wiesbaden qualifizieren). Und schon gestern zeigte sich, dass die Australierin Probleme hat, den von ihr selbst gezogenen Dunkelfuchs vor sich zu behalten. Das war heute nicht anders. Immer wieder wurde Qualia zu eng und kam deutlich hinter die Senkrechte. Mit 66,10 Prozent starteten die beiden in den Pferdewechsel.

Auf den Pferden der Konkurrenz

Jan-Dirk Gießelmann eröffnete die Runde mit den Fremdpferden auf Heartbreaker. Unter ihm wurde der Schimmel ein wenig enger als noch unter seiner eigenen Reiterin. In den Piaffen wollte er offenbar das Maximum rausholen und machte viel Druck am Bein mit dem Ergebnis, dass der Schimmel hektischer wurde. In den Zweierwechseln – traditionell sind die Serienwechsel ein Knackpunkt beim Pferdewechsel – hatten Gießelmann und der Schimmel Probleme. Dafür klappten die Einer wie am Schnürchen. Ergebnis: 70,333 Prozent.

Dann stellte Kristy Oatley Real Dancer vor – und zwar ziemlich gut. Auch wenn die beiden gleich zu Beginn für einen Lacher sorgten, weil der Wallach bei der Grußaufstellung seine Notdurft verrichten musste und sich weigerte, anzutraben, ehe er damit fertig war. Aber die Zick-Zack-Traversalen und die Passagen waren ein Highlight. Und die Piaffen zeigte der Rubin Royal-Sohn fast besser als bei seinem eigenen Reiter. Abstimmungsprobleme gab es in der Linkspirouette, die der Wallach schon unter Gießelmann längst nicht so schön gezeigt hatte wie die nach rechts. Die Zweier gelangen, jedoch sehr schwankend. Die Einer begannen die beiden super, aber am Ende kamen zwei Aussetzer. Alles in allem aber 70,4 Prozent.

Emma Kanerva stellte Qualia als erstes Fremdpferd vor. Und siehe da, ihr gelang es besser als der eigenen Reiterin, den Quando Quando-Sohn vor sich zu bringen. Das sah man schon in den Zick-Zack-Traversalen. Die Piaffen und die Übergänge gelangen gut, die Passage war zu stark im Vorwärts. Auch die Pirouetten gelangen den beiden ordentlich, jedenfalls mit offenerem Genick als noch unter der eigenen Reiterin. Nach sauberen Zweierwechseln leisteten sie sich in den Einern zwei Aussetzer. Und dann galoppierte Qualia im starken Trab auch noch einmal an. Aber alles in allem war das eine sehr gute Runde, die beste von Qualia im ganzen Finale mit 67,60 Prozent, so dass Kristy Oatleys Tochter, die Qualia zuhause häufiger reitet als die Mutter, fragte: „Warum haben die das besser hinbekommen als Du, Mama?“ Die Antwort ist nicht überliefert.

Dann eröffneten Kristy Oatley und Heartbreaker die letzte Runde. Und das mit einem Paukenschlag: 71,1 Prozent, Oatleys beste Runde im Finale nach einem guten Anfang mit ordentlichen Zick-Zack-Traversalen und Piaffe, lediglich kleinen Abstimmunsproblemen in den Übergängen, bei denen der Schimmel sich mit einem großen Tritt in die Passage rettete. Kleine Haker gab es außerdem beim Angaloppieren und in der Lnkspirouette. Trotzdem: Ziemlich gute Runde!

Aber es reichte nicht, um noch an Jan-Dirk Gießelmann vorbeizuziehen, geschweige denn an Emma Kanerva.

Die spätere Siegerin Emma Kanerva stellte als ihr letztes Pferd Real Dancer vor. Sie kam dicht heran an die Vorstellung unter dem eigenen Reiter gelungenen Zweierwechseln, nach denen sie dem Braunen den Hals klopfte und ihm mit einem „Brav!“ Mut für die Einerwechsel zusprach. Da hatten die beiden dann allerdings einen Aussetzer. Dafür klappte die Piaffe-Passage-Tour wie am Schnürchen. Die Passagen sind ohnehin die Stärke des Hannoveraners. Und in den Piaffen ließ Kanerva ihm offenbar vorne mehr Luft, so dass er sich sogar ein wenig heraushob, was dem Seitenbild aber gut tat. Das fanden wohl auch die Richter: 73,133 Prozent.

Jan-Dirk Gießelmann hätte das Ruder mit Qualia noch herumreißen können. Auch er hatte den 13-jährigen Oldenburger besser vor den treibenden Hilfen als die eigene Reiterin, besonders in den Zick-Zack-Traveralen. Aber gegen Ende der Prüfung, nachdem die beiden die Einer sogar fehlerfrei hinter sich gebracht hatten, ging Qualia offensichtlich die Kraft aus. Auf der Schlusslinie, piaffierte er eigentlich nur noch vorne. 66,10 Prozent bedeuteten, dass das Blaue Band 2018 nach Finnland ging.

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