Distanzreiten: FEI bestraft Misshandlung mit scharfem Gebiss

Distanzrennen

(© www.toffi-images.de)

Clean Endurance setzt sich weltweit für einen fairen und pferdefreundlichen Distanzsport ein. Nun ist dem Verband ein Teilsieg gelungen: Vor dem FEI Tribunal ist ein Reiter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dafür belangt worden, dass er sein Pferd mit groben Zügelhilfen und einem scharfen Gebiss misshandelt hat.

Der Vorfall liegt allerdings schon einige Zeit zurück: Im Februar 2019 nahm Rashed Hamoud Humaid Al Junaibi (UAE) mit seinem Pferd 8 Minute am President’s Cup in Abu Dhabi teil, einem internationalen Distanzrennen über 160 Kilometer. Während dieses Rittes hatte Al Junaibi seine Stute mit dem groben Einsatz eines scharfen Gebisses misshandelt. Ganz konkret soll er wiederholt an den Zügeln gerissen und gezogen und dabei sein ganzes Körpergewicht genutzt haben.

Das FEI Tribunal hat den 22-Jährigen daher nun für drei Monate gesperrt und mit einer Geldstrafe von insgesamt 5000 Schweizer Franken (rund 4700 Euro) belegt. Bei der Verkündung des Urteils hieß es, dass Al Junaibi sich mit seinem Verhalten gegenüber seinem Pferd „völlig außerhalb aller Prinzipien von Horsemanship“ bewegt habe. Daher muss der Reiter zusätzlich Kurse auf der E-Learning Plattform FEI Campus absolvieren und bestehen, bevor er wieder an Wettbewerben teilnehmen darf.

„Diese Entscheidung schafft einen Präsedenzfall für den Distanzsport – in dem immer mehr scharfe Gebisse und enge Nasenriemen eingesetzt werden, um mangelhafte Reitkünste und nicht ausreichend trainierte Pferde zu kompensieren“, gab Clean Endurance bekannt.

„Wie ein Vorschlaghammer“

Dies ist bereits der sechste Vorwurf von Pferde-Misshandlung im Distanzsport der Vereinigten Arabischen Emirate, den das FEI Tribunal in den letzten zwölf Monaten sanktioniert hat. Pippa Cuckson hatte den Fall gemeldet und Protest eingelegt. Die britische Journalistin ist in der Vergangenheit bereits für ihre investigativen Recherchen ausgezeichnet worden.

Bei der mündlichen Anhörung in Lausanne sagte Cuckson über den Zügelgebrauch des Reiters: „Es war, als ob man einen Vorschlaghammer benutzen würde um eine Nuss zu knacken.“ Ein Video von der Veranstaltung zeige auch, wie andere Reiter die Stute von Al Junaibi mit Wasser kühlen, weil dieser nicht in der Lage gewesen sei, die Zügel loszulassen. „Jeder Reiter kann mal einen schlechten Moment haben oder sich versehentlich falsch verhalten. Aber das waren nicht nur ein oder zwei ungünstige Schnappschüsse einer ansonsten beispielhaften Vorstellung. Herr Al Junaibi hatte keine Kontrolle über 8 Minute – und zwar mehrere Stunden lang. Deswegen hat man auf entsprechende Ausrüstung zurückgegriffen.“

William Micklem, Erfinder des Micklem Bridles und als Gebiss-Experte für die Anklage zugegen, sagte vor dem FEI Tribunal: „Das Resultat dieser Kräfte und der Druck auf die Nerven und Blutgefäße hat nach anfänglichem Unbehagen und Schmerzen mit großer Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass Maul und Unterkiefer des Pferdes taub geworden sind. Damit war die Stute zunächst eine potenzielle Gefahr für die anderen Teilnehmer und die Zuschauer und anschließend aufgrund der Quetschungen und Verletzungen vermutlich für Wochen überempfindlich im Maul.“

 

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  1. Carmen Fischer

    Ui das sieht aber nach viel Arbeit für die FEI Reitschule aus.
    Ist es eigentlich normal das Anfänger in Distanzrennen unterwegs sind?


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