DM Voltigieren mit Titel für die Weltmeister Congia/Van Gerven und VV Köln-Dünnwald sowie Wagner und Heiland

LEIPZIG – Partner Pferd / FEI World Cup Finals 2022

Chiara Congia und Justin van Gerven, hier beim Weltcupfinale in Leipzig. (© Lafrentz)

Nach den Weltmeisterschaften ist vor den Deutschen Meisterschaften! Jedenfalls war es so für die Voltigierer aus Deutschland. In Verden fochten sie am Wochenende die Titel in den Disziplinen Damen, Herren, Gruppen und Pas-de-Deux untereinander aus.

Ausgetragen wurden in Verden bereits die 59. Deutschen Meisterschaften im Voltigieren. Die neuen Titelträger heißen VV Köln-Dünnwald bei den Gruppen, Chiara Congia und Justin van Gerven im Pas de Deux sowie Julia Wagner und Jannik Heiland bei den Damen bzw. Herren.

Königsdisziplin an die Weltmeister vom VV Köln-Dünnwald

Das Gruppenvoltigieren gilt als die Königsdisziplin in der Sportart. Sowohl für Pferd als auch Voltigierer sind die Anforderungen hier am höchsten. Das Team NORKA Automation vom VV Köln-Dünnwald konnte nach dem WM-Gold in Herning auch die Deutsche Meisterschaft für sich entscheiden. Mit Mannschaftsführer Patrick Looser hat das Team bekanntermaßen einen erfahrenen und früher selbst auch als Akrobat erfolgreichen Trainer an seiner Seite.

Gemeinsam mit dem zwölfjährigen Holsteiner Calidor gewann die Gruppe alle drei Wertungsprüfungen. Als Gesamtergebnis schlugen für die Kölner 8,758 Zähler zu Buche. Trainer Torben Jacobs war voll des Lobes über die Leistung des Teams NORKA Automation: „Das Team, Patric und Calli haben auch hier im Zirkel wieder toll zusammengearbeitet und drei gute Runden hingelegt. Wir wollten hier in Verden noch einmal zeigen, was wir uns in den vergangenen Jahre zusammen erarbeitet haben und wie viel Herzblut wir in unsere Programme gelegt haben. Und das ist uns – so denken wir – auch gelungen. Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft konnten wir einen guten Abschluss für unsere nahezu perfekte Saison finden. Ich bin unglaublich stolz auf die Leistung, die wir als Team zusammen erbracht haben und gehen nun wohl verdient in die Pause.“

Auf dem Silberrang landete der VV Ingelsberg aus Bayern mit seinem Team. Mit Longenführer Alexander Hartl und auf dem Rücken von Fider Rock turnte das Team zu insgesamt 8,194 Punkten. Die Bronzemedaille sicherte sich die Gruppe Altena I um Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels mit dem Pferd Cairo und 7,397 Punkten.

Titelverteidigung geglückt: Chiara Congia und Justin van Gerven

Sie gewannen gleich zweimal Gold, denn Chiara Congia und Justin van Gerven waren auch Teil des siegreichen Teams NORKA Automation. Dieser Entscheidung vorangegangen war aber der finale Teil der Meisterschaft im Pas-de-Deux. Mit herausragenden 9,323 Zählern kam das Duo Chiara Congia und Justin van Gerven auf 9,248 Punkte in Summe. Vierbeinige Sportpartnerin war dabei die 14-jährige Hannoveraner Stute Highlight HE, in der Mitte des Zirkels trug Das bedeutete die Goldmedaille und damit eine geglückte Titelverteidigung.

Justin van Gerven beendet aktive Karriere mit einer Ausnahme

Justin van Gerven: „Wir sind natürlich mega happy, die Saison jetzt auch noch mit zwei Deutschen Meistertiteln so abschließen zu können. Nach der WM vor zwei Wochen ist es jetzt irgendwie der perfekte Abschluss. Für mich ist es tatsächlich auch zugleich das letzte Turnier gewesen.“

Sollte sich die Möglichkeit noch bieten, wolle Justin van Gerven aber nochmal im Pas-de-Deux beim Weltcup-Finale 2023 in den USA an den Start gehen. Aber: „Sonst war das definitiv mein letztes Turnier und daher auch doppelt emotional für mich. (…) Wir sind auch unfassbar stolz auf unsere Stute Highlight, die ja lange pausiert hat und dann zur WM eingestiegen ist, und da bereits einen Hammer Job gezeigt hat und jetzt schon wieder auf der Deutschen Meisterschaft – das ist sehr beeindruckend und dafür sind wir sehr dankbar.“

Die Vize-Weltmeister von Herning holten sich auch den Vize-Titel bei der DM: Diana Harwardt und Peter Künne. Die Voltigierer vom RV Integration nahe Berlin wählten für die Deutsche Meisterschaft in Verden wie schon für Herning den 18-jährigen Deutschen Sportpferde-Wallach Sir Laulau. Mit Hendrik Falk an der Longe wurden es insgesamt 8,678 Punkte für das Duo und damit ein klarer Sieg.

Bronze sicherten sich Svantje Bavendiek und Maggi Putjenter vom Reit- und Fahrverein Diek-Bassum. Sie kamen mit Culcha-Candela und Sibylle Schumacher an der Longe auf insgesamt 7,695 Punkte.

Jannik Heiland erneut Deutscher Meister

Ebenfalls seinen Titel verteidigen sowie diesen schon zum insgesamt vierten Mal erringen konnte Jannik Heiland in der Konkurrenz der Herren. Während sich der 29-Jährige bei der WM Herning noch Superstar Lambert Leclezio und Quentin Jabet aus Frankreich geschlagen geben musste, hatte er im nationalen Rahmen in allen drei Teilprüfungen die Nase vorn. Heiland vom Reit- und Fahrverein Dachtmissen/Timeloh Hof kam mit dem nunmehr 19-jährigen Dark Beluga FRH und Barbara Rosiny an der Longe auf eine Gesamtpunktzahl von 8,877 Punkten. Jannik Heiland: „Ich war eigentlich mit allen Umläufen zufrieden, wobei ich im Technikprogramm sicherlich meine beste Leistung zeigen konnte. Heute mit der Kür war ich auch zufrieden. Insofern lief das Turnier für mich eigentlich glatt durch.“

Hier war allerdings die Entscheidung deutlich knapper als in den anderen Disziplinen. 0,126 Punkte trennte Jannik Heiland vom Silbermedaillengewinner. Der hatte am Sonntag mit Thomas Brüsewitz einen ebenso bekannten Namen in der Voltigier-Szene. Brüsewitz setzte für sein Championat auf den 13-jährigen Eyecatcher, der von Alexandra Knauf longiert wurde. Dahinter folgte Julian Wilfling aus Untermeitingen mit Aragorn (Longe: Alexander Zebrak) auf den dritten Podestplatz mit 8,495 Zählern insgesamt.

Nur bei den Damen neue Deutsche Meisterin

Aus Sachsen stammt die neue Deutsche Meisterin in der Konkurrenz der Damen. Julia Sophie Wagner schaffte nach dem vierten Platz im Vorjahr nun den Sprung aufs Podest – und zwar direkt mal auf die höchste Stufe! Die Voltigiererin vom RVV Schenkenberg war in Herning schon zu Höchstform aufgelaufen und dort Vize-Weltmeisterin geworden. Nun beendete sie die Saison ebenso fulminant mit der Goldmedaille in der nationalen Meisterschaft.

Zusammen mit dem 17-jährigen Giovanni und ihrer Mutter Katja Wagner an der Longe kam die 24-Jährige auf insgesamt 8,495 Punkte. „Das Gefühl in diese Halle einzulaufen war einfach toll. So viele Leute haben mit uns gefiebert und die Daumen gedrückt. Ich bin mit jeder Runde zufrieden, aber besonders stolz bin ich auf mein Technikprogramm. Hier hat endlich mal wirklich alles geklappt“, so Wagner.

Damit verwies Wagner die Konkurrenz auf die Plätze. Kathrin Meyer freute sich aber auch über die Silbermedaille, die sie mit 8,47 Punkte in der Endabrechnung erringen konnte. Ihr vierbeiniger Partner hieß dabei San Classico S und wurde wie auch bei Julia Sophie Wagner auch im Fall von Kathrin Meyer von deren Mutter longiert. Die Longenführerin hieß hier also Sonja Meyer. Mit Alina Roß gewann die Vorjahres-Deutsche Meisterin in der Sparte in diesem Jahr Bronze. Mit Baron R an der Longe von Volker Roß, der der Vater zu Alina ist, wurden es insgesamt 8,434 Punkte.

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Ursula Ramge mit Goldenem Reiterkreuz geehrt

Zum letzten Mal begleitete Ursula Ramge die Deutschen Meisterschaften als Bundestrainerin. Nach 20 Jahren im Amt verabschiedete sich Ramge, zahlreiche Erfolge schlagen für den Zeitraum ihrer Bundestrainerinnen-Karriere zu Buche. Der Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komittees für Reiterei, Dr. Dennis Peiler, überbrachte Ursula Ramge zum Dank das Deutsche Reiterkreuz in Gold von Seiten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Ursula Ramge war einst selbst als Voltigiererin erfolgreich und Mitglied einer Spitzengruppe. Daneben erzielte sie auch Erfolge bis Klasse L im Dressur- und Springsattel. Ihre Karriere als Ausbilderin startete Ramge bereits in den 1980er Jahren als Trainerin mehrere Voltigiergruppen und Einzelvoltigierer in unterschiedlichen Leistungsklassen. Übrigens voltigierte auch Dr. Dennis Peiler selbst einst erfolgreich unter der Ägide von Ursula Ramge.

Ihr Wissen brachte Ramge auch im FN-Fachbeirat Voltigieren ein und war Mitbegründerin des DOKR-Ausschusses Voltigieren. Als Sprecherin fungierte sie im Arbeitskreis „Richtlinien und LPO“ von 1992 bis 2000 und war als Mitautorin beteiligt an der Produktion der 2002 erschienenen „Richtlinien für Reiten und Fahren“ Band 3.

In große Fußstapfen trat Ursula Ramge dann mit Beginn ihrer Karriere als Bundestrainerin. Diesen Posten übernahm sie von Helma Schwarzmann, unter deren Führung es deutsche Voltigierer bereits zu viele internationalen Erfolgen geschafft hatten. Doch diese Herausforderung kam Ursula Ramge gelegen, formulierte es Dr. Peiler in seiner Laudatio: „Für den einen wäre das eine Last. Dich hat das immer angespornt und zu Höchstleistungen beflügelt. Mit einem Lächeln im Gesicht, der notwendigen Ruhe, aber von enormen Ehrgeiz geprägt hast Du Deine Ziele akribisch verfolgt. Und das nicht nur im oder am Rande des Voltigierzirkels“, so Dr. Peiler.

Ihre Laufbahn als Bundestrainerin ist nun gezeichnet von einer starken Entwicklung des Voltigiersportes von einer Jugend-Sportart zu einem Pferde-Spitzensport. Nach und nach kamen somit auch immer mehr Disziplinen und Altersklassen sowie Championate mit dazu, wie kürzlich erst das U21-Programm für die Einzelvoltigierer. Die Bilanz von Ursula Ramge beläuft sich somit auf 165 Medaillen, darunter 59 Gold-, 64 Silber- und 42 Bronzemedaillen. Nach ihren 20 Jahren Amtszeit verlasse „Ulla“ Ramge somit ein „bestelltes Feld“ und einen sehr gut aufgestellten deutschen Voltigiersport, sagte Dr. Dennis Peiler. Die studierte Apothekerin will aber auch weiter ihrem Motto „Teams zum Erfolg führen ist meine Leidenschaft“ treu bleiben und in den Bereichen Coaching und Pferde fortan beruflich neue Wege einschlagen.

„Ihr seid alle seit über die Jahre ein Stück Familie für mich gewesen und seid es noch, wir haben viel miteinander durchgemacht, auch mal schwierige Zeiten und Niederlagen, aber am Ende waren es doch die Siege und Triumphe, die überwogen haben. Aber was noch wichtiger ist: Wir haben gute Zeiten miteinander gehabt, ich bin stolz und glücklich, dass ich euch begleiten durfte. Ich durfte unendlich viel lernen in dieser Zeit und das nehme ich mit“, sagte eine überwältigte Ulla Ramge.

Kai Vorberg wird Nachfolger

Schon einige Jahre lang arbeitet der einstige Voltigier-Weltmeister Kai Vorberg an der Seite von Ursula Ramge. Nach ihrem Abtreten wird der aktuell für die U18-Voltigierer zuständige Bundestrainer dann Trainer der Senioren.