Donaueschingen: von Stein und Brauchle auf DM-Goldkurs Vierspänner – Protest von Mark Weusthof abgelehnt

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Georg von Stein im Marathon beim CHIO Aachen 2018. (© www.toffiimages.de)

Während Titelverteidiger Steffen Brauchle seine Führung in der Deutschen Meisterschaft bei den Pony-Viererzüge mit seinem Sieg in der Marathonfahrt durch den Fürstenbergischen Schlosspark zu Donaueschingen ausbaute, konnte der amtierende Vize-Meister bei den Großpferden Georg von Stein mit seinem Sieg am Samstag die Führung in der Meisterschafts-Wertung übernehmen.

„Mit dem Gewitterregen am Vortag und dem trockenen Wetter am Samstag hatten wir ideale Wetterbedingungen, was wir von den Vorjahren nicht immer sagen konnten,“ so der Baden-Württemberger Brauchle, der zwei Wochen zuvor in Herchenrode auf der Heimatanlage von Georg von Stein seinen zweiten nationalen Titel bei den Pony-Zweispännern eingefahren hatte und in Donaueschingen seinen achten Deutschen Meistertitel bei den Pony-Vierspännern entgegensteuert. Zum Sieg durch die sieben Geländehindernisse war er dabei mit seinen Deutschen Reitponys eher vorsichtig gefahren, „Dana hatte sich in Lähden im Marathon vertreten und sich dabei einen Haarriss zugezogen, der mittlerweile verheilt ist, aber ich habe heute zum zweiten Mal im Marathon Tinnkabell eingesetzt, die zuvor nur in der Dressur gegangen war. Da bin ich lieber etwas vorsichtiger in den Hindernissen gefahren, damit sie keine schlechten Erfahrungen sammelt. Ich hatte es auch nicht genau im Gefühl, wie schnell ich in den Hindernissen war. Mir waren manchmal meine anderen drei Ponys schon fast etwas zu schnell gewesen, weil ich mich ganz auf Tinkabell konzentriert habe,“ so der 30jährige Mannschafs-Weltmeister des letzten Jahres. Seinen 45,07 Minuspunkten aus der Dressur musste er im Gelände 96,2 hinzuzählen, so dass Steffen Brauchle, der zwei Jahre ältere Bruder von Tryon-Vierspänner-Großpferde-Reservist Michael Brauchle, die Meisterschaftswertung als auch die kombinierte CAI-Prüfung mit -141,27 Punkten und einem komfortablen 10,43 Punkte-Vorsprung gegenüber dem an zweiter Stelle rangierenden Dieter Höfs anführt (-151,7), der trotz eines fünften Platzes in der Marathonfahrt seinen zweiten Rang in der Meisterschaftswertung aus der Dressur behalten konnte. Mit einem dritten Platz im Marathon konnte sich Doppel-Weltmeister Michael Bügener um einen Platz gegenüber der Dressur verbessern (3./-155,46) und tauschte damit den Platz mit Thomas Köppen (4./-155,78). Auf Rang fünf folgt die Deutsche Meisterin von 2016 Jacqueline Walter (-156,14).

Von Stein führt klar

Als einziger des Tryon-Trios (neben ihm Christoph Sandmann und Mareike Harm) ist bei den Großpferden Georg von Stein am Start, „Im Gegensatz zu den andern beiden habe ich Pferde zum Tauschen, so dass in Donaueschingen nur drei meiner WM-Pferde gehen und ich wollte die Gelegenheit nutzen, noch ein paar Dinge auszuprobieren, vor allem in der Dressur. Dort habe ich mein linkes Stangenpferd Eddy vorne rechts eingesetzt. Er ging zwar nicht so gut, wie hinten linkes, aber es hat auch vorne rechts funktioniert. Er ist jetzt das, was wir das fünfte Pferd nennen, er kann auf allen Positionen eingesetzt werden. Das ist gut zu wissen, für den Fall, dass ein Pferd ausfallen würde.“ In der Marathonfahrt konnte der Vize-Mannschafts-Welt- und Europameister aus dem hessischen Modautal seinen Vorjahressieg mit -101,69 Punkten wiederholen, übernahm damit mit -156,08 Punkten die Führung in der Deutschen Meisterschaft von dem nach der Dressur führenden Markus Stottmeister, der vor dem Kegelfahren nun mit -170,08 Punkten auf Rang fünf im CAI und drei in der Meisterschaft rangiert. Mit seinem zweiten Platz im Marathon bewahrte sich der ungarische Altmeister Jozsef Dobrovitz seine Führung aus der Dressur im CAI (-154,85) – allerdings mit einem Vorsprung, der weniger als ein Bällchen im Kegelfahren (drei Strafpunkte) bedeutet, vor Georg von Stein, der im Gelände mit einer von Christoph Sandmann geliehenen Kutsche angetreten war, da sich das gesamte Equipment bereits per Schiff auf dem Weg nach Tryon befindet. „Ich bin Christoph sehr dankbar, dass er mir seine Kutsche geliehen hat, aber es war schon eine große Umstellung, mit einer geliehenen Kutsche zu fahren,“ so der Odenwälder. Zumal Georg von Stein auch in Donaueschingen mit einigem Risiko durch die sieben Hindernisse unterwegs war, am selben Ort, wo im nächsten Jahr die Europameisterschaften der Vierspänner-Großpferde Mitte August ausgetragen werden. „Bis dahin muss allerdings noch ein achtes Hindernis hinzugebaut werden, was das Reglement vorschreibt, und an den Hindernissen einiges verbessert werden, vor allem auch am Boden,“ so von Stein. Nach der Marathonfahrt rangiert Dirk Gerkens im CAI an dritter und in der DM an zweiter Stelle mit – 161,14 Punkten gefolgt im CAI von dem Franzosen Sebastian Vincent (-162,44). Aachen-Debütant Sebastian Hess schied als einziger der 15 Fahrer durch einen Sturz am Hindernis 6 im Gelände aus. Einen Einspruch hatte es durch den in der Dressur zweitplatzierten Niederländer Mark Weusthof gegeben. Er hatte in fünf der sieben Hindernisse, darunter auch im sechsten, Bestzeit gefahren, in den beiden anderen allerdings nur die fünft- und neuntbeste Zeit. Im Hindernis 6 trat jedoch sein linkes Hinterpferd über die Stränge. Entweder überhörte oder ignorierte er das Pfeifen des Hindernisrichters und blieb erst nach der Ausfahrt aus dem Hindernis stehen, um die Stränge zu richten und, sollte es Absicht gewesen sein, seine Zeit im Hindernis nicht zu gefährden und Strafpunkte fürs Absteigen von der Kutsche zu erhalten, während das Absteigen außerhalb des Hindernisses keine Strafpunkte einbringt. Da das nicht sofortige Anhalten ein grober Verstoß ist, da es dem Pferd Schaden zufügen kann, erhielt er 30 Strafpunkte plus zwei Punkte für das Abwerfen eines abwerfbaren Teils. Mit diesen zusätzlichen Strafpunkten wurde er statt Dritter nur Elfter der Marathonfahrt und rutschte in der CAI-Wertung vom zweiten auf den zehnten Platz (-183,38) ab, worauf er Protest gegen die Richterentscheidung einlegte. Da die Bildqualität der FEI-Video-Kamera zu unscharf für einen Videobeweis war, dass das Stangenpferd schon im Hindernis über die Stränge getreten war, lieferte die Aufnahme von ClipMyHorse den Beweis und der Protest des Fahrers wurde abgelehnt.

Hier finden Sie die Ergebnisse vom Marathon.

Birgit Popp