Donaueschingen: Cosmo rehabilitiert sich mit Weltklasse-Leistung

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Sönke Rothenberger und Cosmo im Grand Prix Special von Donaueschingen 2018. (© Karl Heinz Frieler)

Nachdem am Samstag im Grand Prix sich Sönke Rothenbergers Cosmo so erschrocken hatte, dass er schon halb aus dem Viereck gesprungen war, gab es viele Unkenrufe. Ein Pferd, das sich so leicht aus der Fassung bringen ließe, könne man doch nicht zur WM mitnehmen.Doch Cosmo hat heute mit Sönke Rothenberger die sportliche Antwort im Grand Prix Special gegeben.

Wer da über eine WM-Tauglichkeit nachdenkt, dürfte wohl zu denjenigen zählen, die die deutsche Mannschaft lieber schwächer als stärker sehen! Ein Aussetzer bei einem Pferd, das immer noch jung mit seinen elf Jahren ist, das schon großartige Prüfungen bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 absolvierte und 2017 nur knapp geschlagen von Isabell Werth und Weihegold sowohl im Special als auch in der Kür in Göteborg EM-Silber gewann plus wie zuvor in Rio Gold mit der Mannschaft, das darf sich auch mal einen Aussetzer erlauben. Vor allem, wenn es sich dann auch noch so schnell wieder fängt, wie Cosmo.

Sönke Rothenberger bleibt ruhig und Cosmo startet durch

Bereits im Grand Prix hatte der elegante KWPN-Wallach schon gleich nach seinem Aussetzer die Contenance wiedergefunden und fast alle Lektionen mit Top-Noten abolviert. Nur, wenn es Richtung der furchteinflößenden Ecke ging, war er noch etwas gespannt gewesen, was auch sein Reiter bestätigte. Rothenberger strahlt trotz seiner erst 23 Jahre die nötige Gelassenheit aus und kann diese auch seinem Pferd vermitteln. Im Grand Prix Special ging der Van Gogh-Sohn eine überragende Prüfung ohne Fehl und Tadel, mit Trabverstärkungen, die mit großer Schub- und Schwungentfaltung in vorbildlich erweitertem Rahmen gezeigt werden, genauso, wie es sein sollte. Da wird keine Schau geboten, sondern reelles Reiten!

Um Cosmo die Scheu vor der Ecke zu nehmen, so Sönke Rothenberger, sei er im Schritt im Training entlang des Vierecks geritten, „Ich hätte ihn ab liebsten auf dem Viereck auch getrabt, aber meine Eltern und Bundestrainerin Monica Theodorescu meinten, ich solle ihn ganz ruhig im Schritt reiten. Gestern war er in den Piaffen noch ausdrucksvoller als heute, aber da war er auch zu sehr aufgedreht. Es ist immer eine sehr schmale Gradwanderung. Heute hat die Feinabstimmung gestimmt und ich konnte alles abrufen, was in ihm steckt.“

Auch Bundestrainerin Monica Theodorescu zeigte sich von der Special-Vorstellung begeistert, „Cosmo hat heute im wahrsten Sinn des Wortes alles wieder gerade gerückt, was er gestern verschoben hatte. Es war für Sönke heute noch einmal eine gute Gelegenheit zu fühlen, das Pferd vor den treibenden Hilfen zu haben. Die Pferde haben heute gezeigt, das sie in Championatsform sein können.“

Mit 84,362 Prozent für eine Vorstellung wie aus einem Guss, flüssig und präzise und zugleich taktsicher wie ein Schweizer Uhrwerk siegten Sönke Rothenberger und Cosmo vor den Grand Prix-Siegern und amtierenden Europameistern Isabell Werth und Weihegold, die nach Fehlern in den Zweier-Wechseln, aber erneut mit beeindruckenden Piaffe-Passage-Touren und hervorragenden Galopppirouetten und -Traversalen mit 81,745 Prozent Platz zwei belegten.

Erneut sagte Isabell Werth, dass sie dem Dressur-Ausschuss nicht vorgreifen wolle, welches ihrer drei potentiellen WEG-Pferde (Weihegold, Emilio, Bella Rose) sie bevorzugen würde,  gleichzeitig stellte sie aber fest, ihre Präferenz sei ja bekannt, ohne sie noch enmal zu wiederholen – aber die hieße wohl dann Bella Rose, ihr WM-Pferd von 2014! Auf jeden Fall, so Monica Theodorescu, sei nicht geplant, dass es ein Reservepaar oder ein Reservepferd geben solle, „Auf dem WEG-Gelände dürfte es nicht untergebracht werden und wo anders wäre zu aufwendig, denn Tryon liegt mitten im Nirgendwo.“

Platz drei mit 77,83 Prozent ging an die Zweiten des Grand Prix, Jessica von Bredow-Werndl und die KWPN-Stute Zaire-E, die gegenüber dem Vortag noch eine Schippe an Ausstrahlung und Energie drauflegten. Aber durch die Leistung von Cosmo mussten sie sich mit dem dritten Platz begnügen. „Was Tryon betrifft, so übe ich mich in Geduld. Natürlich hoffe ich, dass ich nominiert werde,“ so Jessica von Bredow-Werndl. Sie ist mit der Trakehner Stute Dalera eine heiße WM-Kandidatin, Erstmal aber wird der Dressurausschuss noch einmal Helen Langehanenberg mit Damsey am kommenden Donnerstag im Grand Prix beim Turnier der Sieger  Münster sichten. „Danach,“ so Monica Theodorescu, „werden wir noch in Münster oder per Telefon am Wochenende bzw. spätestens am Wochenanfang eine Entscheidung treffen, wer geht. Ich werde mr auch Sammy Davis Jr. noch einmal vorher bei Dorothee Schneider zuhause ansehen. Am 3. September müssen wir nominieren.“

Die weiteren vorderen Plätze im Grand Prix Special gingen mit Platz vier (73,426) an Frederic Wandres mit dem Hannoveraner Duke of Britain und mit Platz fünf (72,17) an die Schweizerin Anna-Mengia Aerne mit dem DSP-Schimmelhengst Raffaelo va Bene, die ein Mal mehr das Publikum bezauberten.

Die Ergebnisse im Meggle Preis finden Sie hier.

Birgit Popp