WEIHEPEDIA: Isabell Werth und Weihegold OLD

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Weihegold und Pflegerin Steffi Wiegard, Göteborg, EM 2017 (© Pauline v. Hardenberg)

Im Dressurviereck ist die Bilanz der Oldenburger Stute Weihegold und Isabell Werth außergewöhnlich: Silbermedaille in der Kür bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, Olympiasieg mit der deutschen Dressurequipe. Drei Goldmedaillen hat die Tochter Urenkelin von Donnerhall bei den Europameisterschaften in Göteborg 2017 gewonnen sowie das Finale des Dressurweltcup 2017 und 2018. Dazu war sie die Nummer Eins der Weltrangliste für mehr als zwei Jahre ohne Unterbrechung. Außerdem steht noch der Deutsche Meistertitel 2016 zu Buche.

In diesem Hintergundsbeitrag  finden Sie Informationen über die Stute Weihegold von Isabell Werth. Sie ist eines der erfolgreichsten Dressurpferde und das am höchsten dekorierte Oldenburger Pferd der 2010er-Jahre. Ihr Großvater, der Hengst Donnerhall, ist eine Legende der Pferdezucht. In diesem Alphabet finden Sie viele Fakten. Einfach mal herunterscrollen oder über einen Klick auf die Buchstaben zu den jeweiligen Hintergründen kommen. Wussten Sie warum Weihegold nicht mit D anfängt? Dass sie beim Bundeschampionat zweimal im Finale war? Was sie mit den Olympischen Spielen, Totilas und Sandro Hit zu tun hat? Hier gibt es die Antworten:
A B C D E F G H I  J K L M N O P Q R S T V W Z

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Isabell Werth und Weihegold (© www.toffi-images.de)

A  … wie A-Note in der Kür und Alltag von Weihegold

Weihegolds Alltag bestünde ihrer Meinung nach aus drei Dingen, fressen, fressen und noch mehr fressen, sagt Isabell Werth. Die Wächterin über den richtigen Bodymass-Index der Primaballerina der Oldenburger Pferde ist Steffi Wiegard, Chefpflegerin im Stall Werth und äußerst streng, wenn der Leibesumfang mal etwas zu üppig ausfällt. Neben einer Trainingseinheit unterm Sattel kommt „Weihe“, so der Spitzname, aber täglich aufs Paddock bzw. die Weide. Außerdem ist eine weitere Schritteinheit fester Bestandteil im Trainingsalltag in Rheinberg.

Die Kür von Isabell Werth und Weihegold gilt als eine der schwierigsten Programme, die im Sport gezeigt werden. Die A-Note liegt bei 9,81. Sprich: Wenn Weihegold und Isabell es gelingen sollte, alles so gut wie möglich zu zeigen, könnten sie für den technischen Wert theoretisch eine Punktsumme von 98,1 Prozent erhalten. Beim Weltcup-Qualifikationsturnier von Lyon erzielte das Paar im Oktober 2016 erstmals eine Bewertung über 90 Prozent.

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Steffi Wiegard und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

B … wie Beatrice Buchwald, Bundeschampionat und Familie Bastian

Fünf Reiter, genauer vier Reiterinnen und ein Reiter, haben Weihegold auf Turnieren vorgestellt. Beatrice Buchwald hat sie, zunächst noch auf dem Krüsterhof von Reitmeister Jo Hinnemann, bis zur Klasse S ausgebildet. Nach dem Wechsel in den Stall von Isabell Werth hat Weihegold OLD dann mit Buchwald das Finale im Nürnberger Burgpokal gewonnen und auch im Louisdor-Preis war niemand besser als die beiden.

Auf den Bundeschampionaten 2009 und 2010 war es Kira Wulferding, die Weihegold vierjährig und fünfjährig ins Finale ritt.

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Weihegold als Fohlen beim Familie Bastian auf der Weide (© privat)

Züchter von Weihegold sind Inge und Gerd Bastian aus Bargteheide, nordöstlich von Hamburg. Dort fohlte die Oldenburger Stute Weihevoll v. Sandro Hit-Figaro 2005 ein Rappstutfohlen: Weihegold. Weihegolds Vater Don Schufro ist einer der bedeutendsten Söhne des Oldenburger Hengstes Donnerhall).

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Isabell Werth und Weihegold (© www.st-georg.de)

C … wie Christine

Als Fohlen hat Christine Arns-Krogmann Weihegold auf der Weide bei ihren Züchtern Inge und Gerd Bastian in Bargetheide gesehen. Auch wenn die Rappstute eigentlich nicht zu verkaufen sein sollte, hat die studierte Lehrerin, die mit ihrem Mann Frank einen Bauernhof in Lohne in Süd-Oldenburg betreibt es geschafft, dass die Züchter „ja“ sagten.

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Madeleine Winter-Schulze und dem Ehepaar Frank und Christine Arns-Krogmann bei der EM in Göteborg. (© Pauline von Hardenberg)

Seitdem ist Christine die Besitzerin. Sie hat „Weihe“ auf ihrem Weg von der Oldenburger Siegerstute 2008 bis zur Olympiasiegerin begleitet. Parallel hat sie über Embryotransfer diverse Fohlen aus der Stute gezüchtet.

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Weihegold (© www.st-georg.de)

D … wie Oldenburger Hengst Donnerhall und Don Schufro

Erfolg hat viele Väter, weiß der Volksmund. Weihegold hat einen: Don Schufro. Der Oldenburger Donnerhall-Sohn wirkt seit dem Jahr 2000 im Gestüt Blue Hors im dänischen Randbøl und hat selbst für Dänemark eine Mannschaftsbronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Hongkong 2008 gewonnen. Sein Kürprogramm galt zu seiner Zeit als eines der schwierigsten der Welt. Don Schufros Vater Donnerhall ist der bedeutendste Dressurpferdevererber der Neuzeit, ein Meilenstein nicht nur für den Oldenburger Verband. Er selbst gewann mehrfach das Weltcupfinale, war 1994 und 1998 Mannschaftsweltmeister unter Karin Rehbein und gewann Einzel-Bronze bei der Weltmeisterschaft in Rom.

Don Schufros Mutter Fiesta hat den Grand Prix-erfolgreichen Hannoveraner Hengst Pik Bube zum Vater, ihr Großvater ist der Grand Prix-Hengst Unkenruf. Don Schufro entstammt der berühmten Finnländerin-Familie. Die Stute aus der Zucht von Clemens Baron von Nagel, Gestüt Vornholz, der diese Familie ihren Namen unter Pferdezüchtern verdankt, ging siegreich in Aachen im Springsport. Der Stutenstamm ist auch als Familie der Kebandina bekannt.

Weihegolds Mutterstamm ist eine Familie, die nicht nur unter Freunden der Oldenburger Pferde bekannt ist, der Stamm der Weissena. Deswegen beginnt Weihegolds Name auch nicht mit dem Anfangsbuchstaben D nach ihrem Vater Don Schufro, sondern mit „W“ wie Weissena.

2016 erklang erstmal die Nationalhymne über dem Balver Stadion für Weihegold und Isabell Werth – für Isabell nichts Neues, sie gewann die Titel Nummer elf und zwölf an diesem Wochenende. Für Weihegold, die Deutsche Meisterin 2016 im Grand Prix Special (vor den favorisierten damaligen Weltranglistenersten Kristina Bröring-Sprehe und Desperados), eine Premiere.

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Isabell Werth und Weihegold (© www.st-georg.de)

E … wie Embryotransfer

Eine Topstute, immerhin die beste unter den Oldenburger Pferden ihres Jahrgangs 2008 bei der Elite-Stutenschau im Schlosspark von Rastede, muss dem Sport dank moderner Techniken nicht verloren gehen. Beim Embryotransfer (ET) wird wenige Tage nach der Befruchtung der Embryo, zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Zellhaufen von acht und mehr Zellen und ca. einen Millimeter groß aus der Gebärmutter gespült. Dies geschieht noch deutlich bevor sich der Zellhaufen in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat und der Körper der Stute sich mit großen hormonellen Veränderung der neuen Situation anzupassen beginnt.

Der entnommene Embryo wird aufgefangen und einer Empfängerstute, deren Zyklus parallel zu dem der Donorstute („Spenderin“) verläuft, eingepflanzt. Für die Geberstute ändert sich hormonell nichts, sie beginnt schon bald im gewohnten Rhythmus – sprich nach ca. drei Wochen – wieder Rossesymptome zu entwickeln. Weihegold ist auf diesem Weg schon Mutter mehrerer Söhne und Töchter geworden. Darunter Sir Weihbach, der unter dem Australier Tristan Tucker bereits in der internationalen Kleinen Tour an den Start gegangen ist.

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Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

F … wie Fohlen

Unter Weihegolds Nachkommen sind etliche, die als Fohlen über die Auktionen des Oldenburger Verbandes in Vechta verkauft wurden. Je berühmter die Frau Mama, desto teurer die Preise. Nachwuchs „made by Weihe“ ist ein Wirtschaftsfaktor für Besitzerin Christine Arns-Krogmann. So wurde 2016 parallel zur DM in Balve ein Vivaldi-Sohn und Enkel von Weihegold, Viva Gold, im Oldenburger Pferdezentrum Vechta für 140.000 Euro verkauft.

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Isabell Werth und Weihegold, Weltcupsieger 2018 (© Pauline von Hardenberg)

G … wie Grand Prix

Die Lektionen, in denen Weihegold am meisten punktet sind die Piaffen, Passagen sowie die Übergänge zwischen diesen Lektionen der höchsten Versammlung. In der Grand Prix Kür werden in der A-Note für den technischen Gehalt die Noten für Piaffen und Passagen mit dem Koeffizienten zwei multipliziert. Die B-Note bewertet Musik, Harmonie und Raumaufteilung. Ab dem Jahr 2017, Weihegolds dritter Grand Prix-Saison auf internationaler Bühne, erzielten auch die Galopppirouetten hohe Noten. Sie werden in allen Prüfungen auf Grand Prix-Niveau mit dem Faktor zwei ins Endergebnis eingerechnet.

Der starke Trab zählt nicht unbedingt zu den Paradelektionen von Weihegold. Deswegen sprechen (und schreiben) immer wieder Kritiker von einer zu hohen Bewertung der Stute. Es ist eine Frage der Gewichtung. Was diese Stimmen vergessen: Piaffen, Passagen (inklusive der Übergänge) und Pirouetten machen im Grand Prix 39,1 Prozent der Gesamtnote aus, Starker Trab hingegen nur 6,5 Prozent. Im Grand Prix Special ist das Verhältnis 40,4 Prozent zu 8,5 Prozent, in der Grand Prix Kür sind es 40 Prozent, starker Trab hingegen zählt hier nur 5 Prozent. Auch wenn das Publikum immer noch am meisten auf die Vorderbeine im starken Trab schaut.

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Weihegold (© www.st-georg.de)

H … wie Hengste

Weihegold hat schon viele Nachkommen. Darunter sind auch zwei gekörte Hengste. Sir Weihbach v. Sir Donnerhall, geboren 2009, geht unter dem Australier Tristan Tucker, der in den Niederlanden lebt, in internationalen Prüfungen – er ist inzwischen allerdings gelegt.

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Weihegolds erstgeborener Sohn: Sir Weihbach v. Sir Donnerhall bei der Süddeutschen Körung 2012 (© Maximilian Schreiner)

Total Hope, geboren 2012, ist ein Sohn des Totilas, somit die Anpaarung zweier Weltranglistenerster aus dem Dressursport. Er wurde 2015 in Schweden gekört und dort zum Siegerhengst ernannt. Er siegte auch in der Hengstleistungsprüfung 2016. Stationiert ist er im ehemaligen schwedischen Staatsgestüt Flyinge. Sein Besitzer ist Paul Schockemöhle.

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Weihegold (© www-st-georg.de)

I … wie international erfolgreich

In den internationalen Prüfungen, Grand Prix, Grand Prix Special und Grand Prix Kür hat Weihegold in den vergangenen Jahren Höchstnoten erzielt. Häufig wird vom „Weltrekord“ gesprochen. Dabei muss man die Einschränkung machen, dass es mehr subjektive Kriterien gibt, die in eine Dressurbewertung einfließen als beispielsweise der Faktor Gegenwind bei Leichtathleten. Hier die Top-Bewertungen* im Überblick:

Weihegolds beste Grand Prixs

84,340 Prozent, Stuttgart German Masters 2017
83,940 Prozent, Equita Lyon 2016
83,743 Prozent, EM Göteborg 2017
83,271 Prozent, CHIO Aachen 2016
83,171 Prozent, CHIO Aachen 2017

Grand Prix Special

83,711 Prozent, Olympische Spiele Rio 2016
83,613 Prozent, EM Göteborg 2017
81,059 Prozent, CHIO Aachen 2017
80,686 Prozent, CHIO Aachen 2016
79,804 Prozent, Wiesbaden 2016

Grand Prix Kür

90,982 Prozent, EM Göteborg 2017
90,720 Prozent, CDI Amsterdam 2017
90,704 Prozent, Weltcupfinale Omaha 2017
90,658 Prozent, Weltcupfinale Paris 2018
90,090 Prozent, Equita Lyon 2016
89,071 Prozent, Olympische Spiele Rio 2016

*Ab 1. Januar 2018 gelten die neuen Aufgaben der FEI, bei denen die Schlussnoten bis auf eine Note für den Sitz entfallen. Dies gilt es beim Vergleich mit älteren Ergebnissen zu berücksichtigen.

National sehen die besten Beurteilungen so aus, erzielt bei den Deutschen Meisterschaften in Balve 2016. Grand Prix: 81,72 Prozent, Grand Prix Special 84,294 Prozent. In der Kür hatte Isabell Werth Emilio gesattelt.

Pauline von Hardenberg

Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

J … wie Jazz

Auch der KWPN-Hengst Jazz, lange Jahre die Nummer eins in der Rangliste der Weltzuchtverbandbereinigung (WBFSH), ist Vater eines Nachkommen von Weihegold. Der Rappe Jadore kam 2013 zur Welt.

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Beatrice Buchwald und Weihegold (© www.toffi-images.de)

K … wie Kür

Das erste Kürpogramm, das Weihegold zu Beginn ihrer Karriere ging, war in der Choreographie keine Neuschöpfung. Das Programm folgte der Linienführung, die Isabell Werth mit ihrem unvergessenen Hannoveraner Gigolo zeigte. Das Pferd, dem Isabell Werth ihren Olympiaeinzelsieg in Atlanta 1996 und insgesamt vier olympische Goldmedaillen verdankt.

Vor den Olympischen Spielen 2016 wurde eine neue, noch anspruchsvollere Kür zusammengestellt. Motto, passend zum Austragungsort der Spiele in Rio, „Tanze Samba mit mir“. Zu dieser Musik und italienischen Popsongs aus den 1970er Jahren („Insieme“ von Toto Cutungno ist ein musikalisches Leitmotiv), die von Michael Erdmann arrangiert und mit 56 Musikern (inkl. Chor und Solisten) in Köln eingespielt und im Studio von Erdmann gemischt hat, zeigen Werth und Weihegold zunächst viele Piaffen und Passagen. Erdmann ist der „musikalische Mann“ an Werths Seite seit den frühen Jahren mit Gigolo. In der Galopptour folgen auf doppelte Pirouetten bis zu 21 fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung. Beim großen Finale, den letzten 40 Sekunden des Sechs-Minuten-Programms, kommen zunächst Passagen und Piaffen links und rechts der Mittellinie, jeweils mit 30-Grad-Wendungen in den Piaffen, und schließlich bei X eine 360-Grad-Piaffe – daraus passagiert Isabell Werth zum Schlussgruß, mitunter – beispielsweise in Omaha beim Weltcupsieg 2016 – einhändig geritten. Die Kür hat mit 9,81 eine der höchsten Schwierigkeitsgerade überhaupt.

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Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

L wie Louisdor- und Otto-Lörke-Preis

Der Sprung vom Nachwuchs- zum Superstar ist Weihegold problemlos gelungen. Unter Beatrice Buchwald gewann sie 2014 in der Frankfurter Festhalle den Louisdor-Preis 2014. Zuvor war sie mit dem Otto-Lörke Preis als bestes Nachwuchs-Grand Prix Pferd Deutschlands bedacht worden. Diese Ehrung nahmen Beatrice Buchwald und Weihegold in der Stuttgarter Schleyerhalle entgegen. Neben ihnen wurde Jessica von Bredow-Werndls Zaire und der von Dorothee Schneider ausgebildete St. Emilion ebenfalls ausgezeichnet.

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Weihegold (© www.st-georg.de)

M … wie Muskelschwund und Möhren

Sie frisst gern alles, bevorzugt viel von allem. Aber wer sich besonders beliebt machen möchte, der bringt der Weihegold Möhren mit. Für die lässt sie alles andere stehen und liegen.

Manchem Betrachter ist eine Unebenheit auf Weihegolds Kruppe aufgefallen. Dieser Muskelschwund rührt von einem Vorfall aus dem Fohlenalter. Er ist quasi das besondere Etwas, das bekanntlich jede Diva auszeichnet.

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Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

N … wie Name und Nürnberger Burg-Pokal,

Warum eigentlich Weihegold? Wo doch der Vater Don Schufro heißt, aus der Linie des Hengstes Donnerhall stammt und damit das Zuchtprodukt eigentlich mit „D“ anfangen müsste? Die Antwort: Es liegt an dem Zuchtgebiet. Bei Oldenburger Pferden ist es traditionell so, dass die Zuchtstuten nach dem Namen der Mutter benannt werden. So kann man an einem Anfangsbuchstaben, häufiger auch einer Silbe oder eines ganzen Worts (z.B. Waldhexe-Familie, bei dem die Stuten fast alle mit „Wald“ beginnen) erkennen, aus welchem Mutterstamm eine Oldenburger Stute hervorgegangen ist. Im Falle von Weihegold ist es der „Weissena-Stamm“.

Auf dem Hof der Züchterfamilie Hergen Schweers aus Butjadingen im nördlichen Oldenburg brachte 1950 die Stute Weißenrode IV v. Goldengel eine Tochter zur Welt. Sie wurde Weissena getauft. Drei ihrer Töchter wurde züchterisch eingesetzt, Weissena II, IV und V. Weissena IV v. Chronos, geboren 1964, eine Schimmelstute, brachte in Anpaarung mit dem Vollblüter Vollkorn xx 1982 die Stute Weißgold. Diese wiederum fohlte 1989 eine Figaro-Tochter, Felicita. Hier hatte der Züchter das Stutfohlen verkauft und bei der Eintragung ins Stutenregister hatte sich der neue Besitzer, Günther Rode, nicht an die Konvention bei der Namensgebung gehalten.

Felicita war nicht nur wie ihre Vorfahren eine Staatsprämienstute, sondern auch eine gute Vererberin. Sie lieferte einen gekörten Hengst und drei in Klasse S erfolgreiche Dressurpferde. 2001 brachte sie eine Sandro Hit-Tochter zur Welt, die Weihevoll getauft wurde. Auch sie zählte zu den besten ihres Jahrgangs und erhielt die Staatsprämie. Aus „Weiss“ wurde also „Weihe“, was die Namensfindung anbelangt. Weihevoll ist die Mutter von Weihegold. Sie ist das erste Fohlen ihrer Mutter, die anschließend noch mehrere Nachkommen zur Welt brachte. Weihegolds Halbschwester Weihestolz v. Fidertanz ist bereits bis Klasse M erfolgreich im Jahr 2018.

Ein weiteres wichtiges „N“ in Weihegolds Karriere ist das das Finale im Nürnberger Burg-Pokal 2013. Dies gewann die Stute unangefochten unter Beatrice Buchwald.

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Weihegold (© www.st-georg.de)

O … wie Oldenburger Pferde und Olympiasiegerin

Auf Weihegolds Hinterschenkel prangt ein gekröntes O als Brandzeichen und ihr „Nachname“ auf Turnieren lautet OLD. Damit ist klar: Die Stute ist eine Oldenburgerin, die sportlich vom Förderverein des „Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes“ unterstützt wird. Oldenburger werden weltweit gezüchtet. Das Kernzuchtgebiet ist im Nordwesten Deutschlands und erstreckt sich von westlich der Weser bis zu den Niederlanden. Im Süden liegt die Grenze ungefähr auf Höhe von Osnabrück. Die Residenzstadt Oldenburg und das dazugehörende Herzogtum ist schon im 17. Jahrhundert während des dreißigjährigen Kriegs für seine Pferdezucht bekannt gewesen. Die Oldenburger haben erst relativ spät die Umzüchtung vom Wirtschaftspferd zum Sportpferd in den 1960er Jahren eingeleitet. Wichtige Hengste aus dieser Zuchtepoche wie der Anglonormanne Condor, der Franzose Futuro oder Vollblüter wie Vollkorn xx, Manolete xx oder Kronprinz xx finden sich in Weihegolds Abstammung wieder. Im Jahr 2017 waren beim Oldenburger Verband, der seinen Sitz in Vechta hat, wo auch die Auktionen des Zuchtgebiets stattfinden, 6886 Zuchtstuten registriert und 3837 Fohlen. Damit war Oldenburg die Nummer zwei unter den deutschen Zuchtverbänden hinter Hannover und vor den Holsteinern. (Quelle: Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Jahresbericht 2017).

Nach dem Jahrtausendwechsel hat sich der Verband der Tendenz zur Spezialisierung der Zucht folgend aufgespalten. Seit 2001 gibt es zusätzlich den Springpferdezuchtverband Oldenburg International (OS), in dessen Vorstand Paul Schockemöhle tätig ist. Beim OS-Verband sind 2017 3375 Stuten registriert und es kamen 2609 Fohlen zur Welt.

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Vortraben gehört zu Weihegolds Paradedisziplinen, schließlich hat die Oldenburger Staatsprämienstute damit als Dreijährige auch schon die Eliteschau in Rastede für sich entscheiden können. (© Pauline von Hardenberg)

Weihegold bescherte ihrer Reiterin Isabell Werth in Rio 2016 die sechste Olympische Goldmedaille ihrer Karriere. In der Einzelwertung errang das Paar Silber (hier zählt nur die Kür).

 

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Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

P … wie Pflegerin und Piaffen/Passage

Auf Turnieren gibt es einen guten Geist an der Seite von „Weihe“: Steffi Wiegard. Die Westfälin ist schon lange als Pflegerin „im Geschäft“. Früher hat sie unter anderem im Stall von Dr. Reiner Klimke bzw. dessen Sohn Michael gearbeitet. Nach einigen Stationen ist sie nun Turnierpflegerin bei Isabell Werth und achtet darauf, dass aus Weihegold nicht Wie-o-Wie-Hüftgold wird. In der ersten Wochenhälfte arbeitet Steffi Wiegard in der Verwaltung eines Baumarkts. Die zweite Wochenhälfte und das Wochenende ist sie dann auf den Turnierplätzen der Welt unterwegs. Sie begleitet die Pferde beim Fliegen, in der Quarantäne und reitet sie auch schon einmal, wenn Isabell Werth noch nicht am Turnierort angereist ist.

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Weiheghold und Steffi Wiegard, Omaha 2017 (© privat)

„Pi und Pa“, Dressurreiter-Deutsch für Piaffen und Passagen zählen zu den entscheidenden Lektionen im Grand Prix-Sport. Nur hier in der „Großen Tour“ sind sie gefordert. Sie zählen zu den besten Lektionen von Weihegold. Häufig sind sowohl Piaffen als auch Passagen mit der Idealnote 10,0 beurteilt worden. Wichtig: Auch die Übergänge, also wie das Pferd von der Passage in die Piaffe hinein- und nach dem geforderten 12 bis 15 Piaffetritten wieder herauskommt, werden in einer Note zusammengefasst.

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Q … wie Quaterback

Zu den Hengsten, von denen es Nachkommen von Weihegold gibt (die via Embryotransfer entstanden sind) zählt viel Prominenz. Auch der Brandenburger Quaterback, das Aushängeschild des Haupt- und Landgestüts Neustadt an der Dosse, zählt zu diesen Deckhengsten. 2010 kam Quintina v. Quaterback zur Welt. Sie war sechsjährig in Dressurpferdeprüfungen Klasse M platziert.

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Beatrice Buchwald und Weihegold (© www.toffi-images.de)

R … wie Reiter

Vier Reiterinnen und ein Reiter haben Weihgold auf Turnieren vorgestellt. Heiko Klausing ritt die Stute vierjährig beim Oldenburger Landeschampionat in Rastede. Schon damals war aber eigentlich Kira Wulferding die eigentliche Ausbilderin. Unter ihr wurde Weihegold vierjährig Dritte im Finale der Bundeschampionate in Warendorf. Fünfjährig landete sie im Finale auf Rang 13. 

Im selben Jahr, 2010, war sie auch im Finale der Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde in Verden platziert. Im Jahr 2012 ritten Bettina Hinnemann und Beatrice Buchwald die Stute. „Bea“ wurde dann zur Stammreiterin. Unter ihr kam Weihegold zu ihrem ersten Sieg in einer S-Dressur. Anschließend gewannen die beide sowohl das Finale des Nürnberger Burg-Pokal als auch den Louisdor-Preis.

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In der Frankfurter Festhalle: Beatrice Buchwald und Weihegold (© Julia Rau)

Ab 2016, nachdem Madeleine Winter-Schulze die Sportrechte an Weihegold erworben hatte, saß dann nur noch Isabell Werth im Sattel der Stute.

Pauline von Hardenberg

Steffi Wiegard und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

S … wie Siegerstute, Dr. Schulze-Schleppinghoff und Sandro Hit

Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff, Zuchtleiter des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes, setzt sich schon lange für eine neue Form der Hengstkörung ein. In dem Artikel „Wir kören die falschen Hengste“ hat er das bereits 2010 im St.GEORG-Interview geäußert. (PDF Wir kören die falschen Hengste hochladen) Er möchte, dass die Hengste unter dem Sattel und nicht wie bisher zweieinhalbjährig lediglich im Freilaufen und an der Hand beurteilt werden, um eine Zuchtzulassung zu erhalten.

Was hat das mit Weihegold zu tun?

Schulze-Schleppinghoff hat in der Oldenburger Zucht verankern, dass bei der Elitestutenschau des Verbandes ausschließlich Stuten um den Titel Siegerstute konkurrieren dürfen, die bei einer Stutenleistungsprüfung unter dem Sattel ihre Reitpferdeeigenschaften unter Beweis gestellt haben. Fremdreiter ergänzen das Bild, das sich die Bewertungskommission macht. Als Weihegold 2008 zur Oldenburger Siegerstute ausgerufen wurde, spielte der Umstand, dass sie bei der Stutenleistungsprüfung Höchstnoten, gerade auch in der Rittigkeit, erhalten hatte, eine wichtige Rolle. Seitdem bezieht sich der Oldenburger Zuchtleiter immer wieder auf Weihegold, um sein System für die Hengstkörung nach vorne zu bringen.

Stichwort Siegerstute: Der Kreis, aus dem die beste Stute des Jahrgangs ernannt wird, heißt in Oldenburg „Brillantring“. Mehrere Töchter von Weihegold sind dem Beispiel ihrer Mutter gefolgt. Fürstin Weihe v. Fürst Romancier wurde Vierte, Weihcera v. Zack Dritte, Weihcine v. Fürst Heinrich 14. und Weihe Glück v. Totilas Siebte ihres Geburtsjahrgangs.

Sandro Hit ist nicht nur der Muttervater von Weihegold. Der populäre Hengst aus dem Besitz von Paul Schockemöhle ist auch der väterliche Großvater eines der Fohlen, die Weihegold über Embryotransfer zur Mutter haben. Special Gold, Jahrgang 2016, wurde von der US-Amerikanerin Nancy Gooding, die unter anderem Pferde bei Hubertus Schmidt im Training hat, als Fohlen auf der Auktion in Vechta ersteigert.

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T … wie Totilas

Im Jahr 2012 brachten Empfängerstuten zwei Totilas-Nachkommen zur Welt. Total Hope wurde Siegerhengst in Schweden, wo er auch züchterisch in Flyinge zum Einsatz kommt. Außerdem gewann er die Hengstleistungsprüfung.

Seine Schwester Weihe Glück steht im französischen Haras de Halliers und sorgt dort für Nachwuchs, ebenfalls per Embryotransfer.

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V … wie Valegro und Verkauf

Der niederländische Wallach Valegro hat unter der Britin Charlotte Dujardin Geschichte geschrieben. Zwischen Januar 2012 und seinem Karriereende bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 ist der Olympiasieger ganze viermal geschlagen worden. Von Steffen Peters und Ravel in der Kür in Wellington und in Aachen 2014 in Grand Prix und Special von Totilas unter Matthias Rath. Der Karriereabschluss wurde dann beinahe zur Zitterpartie, denn im olympischen Grand Prix Special von Rio 2016 setzte sich Weihegold vor den vermeintlich unschlagbaren „Blueberry“. Sie erzielte 83,711 Prozent, die britische Kombination 82,983. In der Kür, in der es um die Einzelmedaillen ging, setzte sich Charlotte Dujardin dann mit 93,857 Prozent vor Isabell Werth und Weihegold (89,071).

Nach dem Sieg im Louisdor-Preis schnellten die internationalen Angebote für Weihegold in die Höhe. Ein Verkauf ins Ausland schien nur noch eine Frage der Zeit. Madeleine Winter-Schulze erwarb die Sportrechte. Ursprünglich, so sagte Isabell Werth es in einem Interview mit St.GEORG im Frühjahr 2016, primär für Beatrice Buchwald.

Interview vom Frühjahr 2016

Isabell Werth: Selbstverständlich wird Bea die Stute weiterreiten. Aber jeder soll auch wissen, dass es eine klar besprochene Tatsache ist, dass Weihegold mir zur Verfügung steht, sollte es sportlich notwendig sein. Nach diversen Kaufoptionen haben die Besitzer, das Ehepaar Arns-Krogmann, entschieden die Stute nicht zu verkaufen. Wir haben gemeinsam mit meiner Mäzenin Madeleine Winter-Schulze und der Schindling-Rheinberger Stiftung eine Regelung gefunden, dass Weihegold uns auch weiterhin zur Verfügung steht. Dass ich sie in Amsterdam geritten habe, hat zwei Gründe.

Der erste ist, dass zunächst ich die Stute in der Kür reiten wollte, um ihr Sicherheit zu geben und sie sich so weiter entwickeln kann. Die Kür ist anspruchsvoll… Es ist tatsächlich die Choreographie meines Olympiasiegers Gigolo, nur mit anderer Musik. Das ist ein sehr komplexes Programm mit schwierigen Übergängen. Die Stute ist sehr schlau. Der Fehler im Grand Prix (Unstimmigkeiten in der Galopp-Tour) lag daran, dass sie es richtig machen wollte, so wie in der Kür mit Pirouetten innerhalb der Galopptraversalen. Dabei habe ich das Programm zuhause nur einmal durchgeritten. Das zeigt, wie sensibel Weihegold ist.

Und Bea fehlt es in solchen Situationen einfach noch an Erfahrung. (…)  Wir möchten alle Optionen auch im Hinblick auf Rio wahren. Das heißt, auch ich brauche Turniererfolge mit Weihegold, um überhaupt eine Alternative für das deutsche Team zu sein. Mein Wunsch ist es langfristig, dass wir beide, Bea und ich, in einem Championatsteam gemeinsam für Deutschland starten. (…) Aber neben Emilio, der ja noch sehr grün ist und „Johnny“ (Don Johnson, Vierter der EM) hat sich jetzt natürlich auch Weihegold großartig positioniert. Manchmal ist der Teufel ein Eichhörnchen, deswegen geht es einfach darum, Optionen zu haben und zu schaffen.

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Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

W .. wie Weltcup, „Weihe-Kinder“ und … Werth

Zweimal hat Weihegold das Finale des Weltcups gewonnen, 2017 in Omaha und 2018 in Paris. Von zentraler Bedeutung für Weihegold sind noch zwei weitere „Ws“: Isabell Werth und deren Mäzenin Madeleine Winter-Schulze. Ohne deren finanzielles Engagement bzw. reiterlichem Können wäre Weihegold womöglich dem hinteren Teil ihres Namens, Gold!, nicht gerecht geworden. Was aber das Können der anderen Ausbilderinnen nicht in Abrede stellen soll.

Hier noch ein paar Videoimpressionen von Enkeln und Kindern von Weihegold, aus der Linie der Weissena

Weicine v. Fürst Heinrich brachte in Anpaarung mit Diamond Hit (und somit ingezogen auf Don Schufro) die Söhne Weihgand (geboren 2016)

und Wannsee (geboren 2018)

sowie die Tochter Weihnira (geboren 2014) v. De Niro

Weihronce v. For Romance steht in der Zucht, und Weihcera v. Zack geb. 2009 war beim Bundeschampionat als Fünfjährige unter Stefanie Wolf Achte (2015). Ihr Sohn For Gold v. Franziskus wurde gekört und war bei drei Starts in drei Reitpferdeprüfungen siegreich (stand Juni 2018).

Per Embryotransfer kam am 8. April 2018 Weihtalis v. Vitalis, ein direkter Sohn von Weihegold zur Welt.

Pauline von Hardenberg

Isabell Werth und Weihegold (© Pauline von Hardenberg)

Z … wie Zuchtstute, Zehn (Wertnote) und Züchter

Ihre Karriere begann als beste Oldenburger Zuchtstute des Geburtsjahrgangs 2005 und neben den diversen Kindern, die via Embryotransfer entstanden sind, wird Weihegold sicherlich nach Abschluss ihrer sportlichen Karriere auch selbst einmal Fohlen zur Welt bringen. Bislang geht sie immer nach dem Weltcupfinale in die „Babypause“. Dabei wird sie weiter leicht trainiert, hat aber Turnierpause. Zu den Sichtungsturnieren für die jeweils anstehenden Championate liegt der Fokus dann wieder voll auf dem Sport. Die Züchter Inge und Gerd Bastian sind schon häufig ausgezeichnet worden. Unter anderem haben sie nun auch eine besonders teure Uhr aus dem Hause Rolex, die sie Weihegold verdanken.

Die Idealnote Zehn, 10,0, erzielte Weihegold bereits mehrfach für Piaffen, Passagen und Übergänge zwischen diesen Lektionen der höchsten Versammlung.

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