Dortmund: Aller guten Weltcup-Dinge sind drei für Kristina Boe

Dortmund – Signal Iduna Cup 2018

Endlich! Im dritten Anlauf hatte es geklappt mit dem Weltcup-Titel für Voltigiererin Kristina Boe! (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Zweimal war Voltigiererin Kristina Boe Zweite beim Weltcup-Finale. Dieses Jahr hat es endlich geklappt mit dem voll verdienten Titel. Und Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs sorgten für den zweiten Titel für Deutschland. Bericht eines Freudentages in Dortmund.

Endlich hat es geklappt! Nachdem Kristina Boe zwei Mal Zweite im Weltcup-Finale war, stand sie 2018 in Dortmund ganz oben auf dem Podest und konnte ihren ersten Titelgewinn feiern. Mit einer sportlich höchst anspruchsvollen Kür, in der alles gelang, bekam sie von den Richtern die Tageshöchstnoten und siegte mit der Gesamtnote von 8,791 vor der Schweizerin Nadja Büttiker.

Ein letztes Mal glänzte die Unfallchirurgin aus Hamburg mit ihrer Kür „Star Wars“. Ab heute wird an einer neuen gearbeitet. Maßgeblich beteiligt an der Glanzleistung der amtierenden Europameisterin war Don de la Mar, der braune Wallach an der Longe von Winnie Schlüter.

Don de la Mar ist schon 17 Jahre alt. Nerven zeigt er auch nach langer Wettkampferfahrung noch. So auch in Dortmund, als er beim Warm-up noch recht aufgeregt war, sich dann aber mit jedem Auftritt mehr an die Atmosphäre gewöhnte und in der alles entscheidenden letzten Runde eine Spitzenleistung ablieferte. „Dann findet er sich selbst ganz toll“, weiß Winnie Schlüter zu berichten. „Wie versuchen alles so zu machen wie zuhause, das gibt ihm Sicherheit. Und dann lebt er seine Star-Qualitäten auch voll aus.“ „Ich war heute in besserer Harmonie mit meinem Pferd und mit der Musik“, beschreibt Boe den Wettkampftag. Das sahen sowohl auch die Richter als auch das Publikum so.

Das Quäntchen Glück …

Wie dicht Glück und Pech auch in diesem Sport beieinander liegen zeigte sich bei Nadja Büttiker. Nach der ersten Wertungsprüfung noch klar in Führung liegend reichte ein kleines Wegrutschen mit nachfolgendem unfreiwilligem Abgang, um alle Siegträume zu zerstören. Immerhin blieb für die 23jährige Schweizerin nach der guten Vornote der zweite Platz in der Endabrechnung, Endnote 8,558. Keep Cool heißt der 13jährige Wallach, der an der Longe von Monika Winkler drei saubere Durchgänge in der Westfalenhalle absolvierte, er war unschuldig am Pech der EM-Bronzemedaillengewinnerin 2017. „Sein Name ist Programm“, beschreibt ihn Monika Winkler. „Er ist ein bisschen selbstverliebt, das lässt ihn so sicher auftreten. Aber das gehört bei Spitzenpferden im Voltigiersport dazu.“

Freude über Bronze

Für Corinna Knauf war schon die Teilnahme am Weltcup-Finale ein großer Erfolg, dass es noch ein Platz auf dem Treppchen wurde freute sie umso mehr. Platz drei in beiden Wertungsprüfungen, ebenso in der Endabrechnung (8,333) war nach ihrer Vorgeschichte ein großer Erfolg. Noch im Januar wurde die 24jährige Kölnerin am Knie operiert, nur sechs Mal konnte sie in der Vorbereitung auf das Finale ihre Kür komplett absolvieren. „Meine größte Freude ist: Das Knie hält! Ich kann die neue Saison ohne Bedenken angehen“. Dafür kann sich die Vize-Europameisterin von 2015 einiges ausrechnen. Zumal Fabiola, ihre 14jährige Stute, in die Kategorie „Verlasspferd“ eingeordnet werden kann. Und an der Longe hat Corinna Knauf mit ihrer Schwester Alexandra eine hochqualifizierte und erfahrene Unterstützerin.

Die weiteren Plätze

An eine Spieluhr und deren tanzende Figuren ließ die Kür der Französin Manon Noel denken, deren Pferd Kirch de la Love an der Longe von Kévine Moneusees es ihr nicht unbedingt leicht machte. Kleine Unsicherheiten in der sonst sehr ansprechenden Vorstellung führten zu der Endnote 7,942, vierter Platz. Hochelegant und mit Elementen die an Ballett denken ließen turnte die Niederländerin Carola Sneekes bei ihrer zweiten Finalteilnahme auf den fünften Platz, 7,729. Safari heißt ihr sportlicher Partner, Longenführer ist Marjo Sneekes.

Es war wohl nicht der Tag der Schweizer Damen, auch Ilona Hannich, die zweite Schweizer Bewerberin, musste ihr Pferd unfreiwillig verlassen. Mit Latino an der Longe von Michael Heuer blieb sie das Schlusslicht des Wettbewerbs, 7,663.

Pas de Deux

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(Weltcup-)Spitzenteam: Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs.

Torben Jacobs kennt das Gefühl ein Weltcup-Finale zu gewinnen. Gemeinsam mit Pia Engelberty gewann er 2016 in Dortmund. Nach dem Karriereende von Engelberty tritt Jacobs nun wieder mit der Tübingerin Theresa-Sophie Bresch an, mir ihr hatte er bereits Gold bei den Europameisterschaften 2011 geholt. Nach dem zweiten Platz im vergangenen Jahr feierten Bresch / Jacobs nun mit dem Sieg im Weltcup-Finale in Dortmund einen weiteren Höhepunkt in ihrer sportlichen Laufbahn.

Mit zwei souveränen Runden sicherten sich Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs unangefochten den Sieg in der Dortmunder Westfalenhalle, 8,337 stand als Endnote im Protokoll. Dabei hatten sie noch kurz vor dem letzten Auftritt ihre Kür überarbeitet, auf mehr Sicherheit und Souveränität gesetzt als zu risikofreudig heranzugehen. Das ist zwar nicht die Regel in einem solchen Wettkampf, aber „es zeugt in meinen Augen auch von Qualität der Sportler, wenn man flexibel ist“, relativiert Jacobs die ungewöhnliche Entscheidung.

Ab heute erarbeitet sich das Duo ohnehin eine neue Kür. Tatkräftige Unterstützung erhielten die Athleten von Alexandra Knauf, die im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Verbindung zu dem 13jährigen Holiday On Ice an der Longe hat. Weiß sie doch genau, dass der Wallach lieber im Pas de Deux oder beim Gruppenvoltigieren arbeitet als im Einzelvoltigieren. „Ist ihm wohl zu wenig Gewicht“, vermutet sie. Ohnehin ist Holiday On Ice ein Sensibelchen, es braucht schon so ein gutes Händchen wie das von Alexandra Knauf um ihn zu Spitzenleistungen zu ermuntern.

Silber in die Schweiz

Latino und Michael Heuer waren schon bei Ilona Hannich die Partner im Einzel, beim Pas de Deux verhalfen sie Zoe Maruccio und Syra Schmid aus der Schweiz auf Platz zwei, 7,820 Endnote. „Wir freuen uns riesig über den Erfolg, jetzt arbeiten wir auf eine Teilnahme an den Weltreiterspielen im September in Tryon hin. Es wäre ein Traum dort dabei zu sein“.

Zum letzten Mal trat das zweite Schweizer Team mit Marina Mohar und Céline Hofstetter im Pas de Deux auf. Saturnus ist nur ihr Ersatzpferd, er machte seine Sache dennoch sehr wacker. Endnote 7,327, dritter Platz. Zusammen mit Longenführerin Agnes Först war das Quartett zum letzten Mal gemeinsam unterwegs, die Damen werden zukünftig wieder im Einzel starten, streben dabei in dieser Disziplin die Weltreiterspiele an.

Sieger der Herzen

Nach dem Pech mit zwei Stürzen am Vortag war für das zweite deutsche Pas de Deux, Jolina Ossenberg-Engel / Timo Gerdes nicht mehr drin als schlussendlich der vierte Platz. Balsam für die Seele, dass ihre wunderbare Kür zu den Klängen aus „Titanic“ heute gelang. Ein mitreißendes Thema, gefühlvoll umgesetzt auf hohem sportlichen Niveau, sie bekamen maximalen Applaus. Die Westfalen vom Reiterverein Altena waren die Sieger der Herzen.

Christine Meyer zu Hartum

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