WM-Bronzemedaille für deutsches Para-Team

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Steffen Zeibig und Feel Good im Grade II unterwegs, WM Tryon 2018 (© Pauline von Hardenberg)

Die deutschen Para-Dressurreiter gewinnen bei den Weltreiterspielen in Tryon/USA die Bronzemedaille. „Wir haben unser Ziel erreicht. Wir wollten die Medaille zurück und uns die Qualifikation für die Paralympics 2020 sichern. Beides ist uns gelungen“, sagt Equipechefin Britta Bando.

Die neuen Weltmeister kommen aus den Niederlanden. Mit ihrem Sieg geht ein jahrzehntelange Ära zu Ende, denn erstmals wurden die bislang bei Championaten ungeschlagenen Briten „nur“ Zweite. Teammitglied Sanne Voets jubelt: „Wir hatten diesen historischen Moment in Rio, als wir unser erstes Einzelgold gewonnen haben. Und heute unser erstes Teamgold bei Weltreiterspielen, das ist noch viel besser“! Und ihr Mitstreiter Frank Hosmar ergänzt; „Wir haben lange auf diesen Tag hingearbeitet, die Briten waren immer zu stark. Jedes Jahr sind wir ihnen etwas nähergekommen, dieses Jahr hat es geklappt.“.

Wie die Entscheidung in der Einzelwertung erstreckten sich die Teamprüfungen über zwei Tage. Am Donnerstag traten die Reiter in den Grades V, II und IV an, am Freitag schlossen dann die Grades III und I den Teamwettbewerb ab. Schon früh standen die neuen Weltmeister fest: Das niederländische Team erzielte 223,597 Punkte und verwies damit die Briten auf den Silberrang (222,957). Dahinter lieferten sich gleich mehrere Nationen einen spannenden Kampf um die Bronzemedaille: Belgier, US-Amerikaner, Dänen und Deutsche.

Elke Philipp ist der Medaillen-Joker

Am Ende war es die deutsche Schlussreiterin Elke Philipp (Grade I) mit Fürst Sinclair, die Edelmetall fürs deutsche Team besiegelte. Über 74 Prozent musste sie mit ihrem Ritt erzielen – es wurden 74.357 Prozent und damit 219,001 Punkte fürs deutsche Team. Gerade ausreichend, um die Dänen (218,851 Punkte) und US-Amerikaner (214,94 Punkte) auf die Plätze vier beziehungsweise fünf zu verweisen. „Ich wusste nicht genau, wie wir stehen. Ich bin so ins Viereck reingeritten, wie der Trainer es mir gesagt hat. Und er hat gesagt, reite so, wie du es vorgestern gemacht hast“, sagte Philipp, die bereits in der WM-Einzelwertung Bronze gewinnen konnte. Für Philipp war es der zweite Auftritt mit ihrem Hengst Fürst Sinclair, ihre früheren Championate hat sie mit dem bewährten Regaliz bestritten. „Mein Fürst Sinclair ist ein Hengst, der schon auf den Punkt hin gearbeitet werden muss. Aber seit ich ihn zum ersten Mal geritten habe, ist er der netteste Junge. Er geht mit mir ohne jemals zu bocken oder auch nur einen falschen Schritt zu tun. Es ist ein gutes Gefühl, so ein tolles Pferd zu haben. Tatsache ist, ich habe nun zwei Pferde, beide sind erfahren. Wer weiß, was auf uns noch alles zukommt“?

Als erste Starterin fürs deutsche Team war bereits am Donnerstag Regine Mispelkamp mit dem Rheinländer Look At Me Now (v. Lord Nobel S) an den Start gegangen. „Es ist unglaublich, überwältigend. Es war schwer für mich, ich habe mein Handicap erst dieses Jahr öffentlich gemacht. Aber dann habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet, und nun sind wir hier. Fantastisch“, sagte die an Multipler Sklerose leidende Berufsreiterin aus Issum angesichts ihres Ergebnisses von 72,791 Prozent.

Während die Deutschen in den Grades II und IV in diesem Jahr nicht vertreten sind, starteten gleich zwei deutsche Paare in Grade III. Steffen Zeibig erzielte mit der Hannoveraner Stute Feel Good v. Fürst Heinrich das viertbeste Ergebnis in diesem Grade und steuerte 71,853 Prozent zur Teamwertung bei. „Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist die Belohnung für unsere Arbeit über das ganze Jahr. Ich habe aber auch Mitgefühl mit den Dänen, die rausgeflogen sind aus den Medaillenrängen“, sagte der 41-jährige Arnsdorfer, dem von Geburt an der rechte Unterarm, der linke Fuß und der rechte Unterschenkel fehlen.

Pauline von Hardenberg

Zurück auf der WM-Bühne: Dr. Angelika Trabert, die in Grade III ihren Diamond’s Sunshine vorstellte. (© Pauline von Hardenberg)

„Er war draußen super, aber in der Prüfung waren wir nicht so gut wie vorgestern, was sich in den Punktzahlen natürlich leider auch niedergeschlagen hat. Ich hätte natürlich gerne mehr Punkte für das Team geholt“, sagte auch Dr. Angelika Trabert über ihr Pferd Diamond’s Shine, einen achtjährigen Westfalen v. Diamond Hit. Die Narkoseärztin aus Dreieich, die sich nach mehrjähriger Championatspause ins WM-Team zurückgekämpft hat, erzielte mit 70,235 Prozent das Streichergebnis fürs deutsche Team. „Es ist überwältigend, zurück im Team zu sein mit diesem fantastischen Pferd. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten wir zusammen und es ist schwierig für ihn. Er möchte schwere Sachen machen wie Piaffe und Passage, ich aber möchte doch nur geradeaus reiten. Meine Reiterei ohne Beine, die Einwirkung mit der Gerte ist für ihn schwierig zu verstehen“. Nette Begebenheit am Rande: Die Kommunikation unter den Disziplinen funktioniert doch. Diamond`s Shine brauchte ein „Friendly Horse“, ein bei den Paras geduldetes Handpferd, das zur Gesellschaft am Viereck steht. Dafür stellte Einzelvoltigiererin Kristina Boe ihren Don de la Mar zur Verfügung. Das ist der Spirit der Weltreiterspiele.

„Ich bin unheimlich stolz auf unser Team, unsere Reiter und die Trainer. Sie haben hier unheimlich gekämpft. Vor allem freut mich, dass wir eine so geschlossene Teamleistung vorgelegt haben. Alle vier deutschen Reiter haben ein Ergebnis von über 70 Prozent abgeliefert, das ist sonst nur den Niederländern und Dänen gelungen. Nun sehen wir mit Spannung auf morgen, wenn alle vier in der Kür noch einmal an den Start gehen“, sagte Britta Bando.

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