WM-Voltigieren: Zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze

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Gold für das deutsche Voltigierteam bei der Weltmeisterschaft 2018. (© Pauline von Hardenberg)

An ihrem Schlusstag habe die deutschen Voltigierer noch einmal abgeräumt. Nach den Küren gab es heute die Medaillen, die sich aus mehreren Teilleistungen ergeben. Gold gab es im Gruppenvoltigieren und bei den Damen für Kristina Boe, wo Janika Derks Silber gewann. In der Konkurrenz der Herren mussten sich Jannik Heiland (Silber) Thomas Brüsewitz (Bronze) dem überragenden Lambert Leclezio aus Frankreich geschlagen geben.

Knapper geht’s nicht! Tausendstel Punkte brachten die Entscheidung beim Voltigieren in der Konkurrenz der Damen. Zwischen Gold und Platz vier lagen gerade einmal acht Hundertstel Punkte. Zwischen Gold und Silber betrug die Differenz der Durchschnittswerte aus vier Wettbewerben 14 Tausendstel! Drei Deutsche lagen unter den Top vier. Das Polster, das sich Kristina Boe mit Don de la Mar in den ersten drei Wertungen verdient hatte, kam ihr heute zu Gute. Wieder war es ganz dicht. Mit 8,719 turnte die Ärztin aus dem Hamburger Süden allerdings heute lediglich die viertbeste Kür. Trotzdem konnte sie am Ende mit Longenführerin Winnie Schlüter die Goldmedaille bejubeln. Boe erzielte ein Endergebnis von 8,388. Ihr dank galt vor allem ihrem Pferd Don de la Mar. „Der hat in der Kür nicht locker gelassen, der hat sein ganzes Herz darein gesteckt, das rechne ich ihm hoch an.“

Pauline von Hardenberg

Weltmeisterin Kristina Boe bei der Weltmeisterschaft 2018. (© Pauline von Hardenberg)

Die Summe 8,374 nach vier Tagen in Tryon bedeutete die Silbermedaille für Janika Derks auf Carusso Boy. Weil es Carusso Boy es seiner Turnerin nicht ganz einfach gemacht hatte, lobte Longenführerin Jessica Lichtenberg zu erst Janika Derks, „sie hat es da oben ganz, ganz gut gemacht.“ 8,810 hatte sie heute für ihre Kür bekommen, Platz zwei.

Vier deutsche Voltigierer unter den Top drei

Mit 8,880 hatte Sarah Kay auf Sir Valentin longiert von Dr. Dina Menke heute die Weltspitze hinter sich gelassen. Doch den zehnten Platz aus dem Technikprogramm konnte sie trotz der Spitzenleistung nicht vollends kompensieren. Sie fährt mit Platz vier nach Hause. Und „mit einem lachenden Herzen“, wie sie sagte. „Allein, dass wir es geschafft haben, nochmal zurückzukommen und allen zu zeigen, wir sind zu Recht hier, macht mich super happy. Wir haben so viel gearbeitet in den letzten Wochen, haben alles gegeben und es hat sich gelohnt“, so das persönliche Fazit der Kommunikationswissenschaftlerin. Bronze ging an die Österreicherin Lisa Wild auf Fairytale (Longe: Maria Lehmann) mit 8,363 Zählern.

Team-Gold für deutsche Voltigierer

So allmählich gehen einem die Superlative aus für das, was das Team Norka vom VV Köln-Dünwald da auf Danny Boy OLD zaubert: Mit der abschließenden Kür am Samstagabend in der Indoor Arena in Tryon sicherten sie sich nach dem Sieg im Nationenpreis die zweite Goldmedaille.

Thomas Brüsewitz, Torben Jacobs, Jana Zelesny, Justin van Gerven, Chiara Congia und Corinna Knauf gelang alles in ihrer mit Höchstschwierigkeiten gespickten, beflügelt durch einen hellwachen Danny Boy OLD an der Longe von Patric Looser. Der Wallach war „an“, wie Reiter und auch Voltigierer gerne sagen, wenn ihr Pferd so engagiert ist, dass ein kleines bisschen mehr schon zum Ausraster führen würde. Patric Looser gelang es meisterhaft die Energie des Braunen in die richtigen Bahnen zu lenken. „Eigentlich ist es gut, wenn das Pferd so frisch ist“, sagt Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des DOKR, ehemaliger Voltigierer auf höchstem Level. „Die Athleten müssen sich darauf natürlich einstellen, aber wenn sie das hinkriegen so wie heute ist das natürlich toll“.

Für ihren letzten Auftritt erhielten die Kölner die Note 9,104, das war die höchste Note des Tages. Dazu hatten auch die hohen Noten für Danny Boy OLD beigetragen, die Pferdenoten machen bekanntlich 25 Prozent der Endnote aus. Mit der Gesamtendnote 8,638 stand der Gewinn der Goldmedaille fest. Es gab Umarmungen ohne Ende, Tränen reichlich. Der Sieg, auf den sie so hart hingearbeitet hatten, löste die Spannung. Da liefen auch bei gestandenen Männern die Tränen.

Dank ihrer guten Leistungen in den ersten beiden Prüfungen gewann das Schweizer Team die Silbermedaille, 8,433. Am letzten Tag der Wettbewerbe ging einiges schief beim SUI Lütisburg Team auf Rayo de la Luz, Monika Winkler-Bischofsberger.

Bronze ging an das Team vom RC Wildegg, Österreich (8,198). Alessio L’Amibile an der Longe von Maria Lehrmann galoppierte sehr gemessen seine Runden, behielt aber den auch bei Voltigierpferden so wichtigen Takt.

Herren: Kein Vorbeikommen an Lambert Leclezio

Große Emotionen bei dem Franzosen Lambert Leclezio. Er konnte seinen Titel von vor vier Jahren in Caen, in der Normandie, verteidigen. Im Voltigieren gibt es alle zwei Jahre Weltmeisterschaften. Schon in der Luft beim Abgang, so schien es, schossen dem 21-jährigen die Tränen in die Augen. Lange bevor er neben seinem Longenführer François Athmon zum Gruß Aufstellung genommen hatte, herzte er sein Pferd, fiel Athmon um den Hals, rubbelte dann wieder dem Selle Français-Wallach Poivre Vert die Stirn. So sieht es aus, wenn man weiß, dass man es geschafft hat! Die Wertungen, die das Voltigieren anbelangt, sprachen eine deutliche Sprache in der Technik Bewertungen von 9,61 bis 9,94, in Sachen künstlerischer Bewertung 9,21 und 9,675. Es war ein Feuerwerk, das der in Mauritius geborenen Leclezio gezeigt hatte. Athletisch und dennoch harmonisch. Eine Kür aus einem Guss. Ein Genuss!

Highlights | Individual Vaulting | FEI World Equestrian Games, Tryon 2018

It's a been a day of sheer elation, pure skill and breathtaking talent. A huge congratulations to our Individual GOLD Medallists, it's a day that none of us will ever forget. ❤🥇Kristina Boe 🇩🇪 & 🥇Lambert Leclezio 🇫🇷Just wait for the goosebumps…

Gepostet von Fédération Equestre Internationale am Samstag, 22. September 2018

As erstes dankte er seinem Longenführer, für den es das letzte Championat war, und seinem Pferd. Es sei ein langer Weg gewesen seit den letzten Weltreiterspielen und er sei allen dankbar, die diesen Weg mit ihm gemeinsam gegangen seien. Mit 9,262 Punkten war der neue Weltmeister heute eine Klasse für sich. Sein Totalergebnis aus den vier Einzelleistungen, Pflicht, Technikprogramm und den zwei Küren, betrug 8,744. Damit war ihm Gold sicher. Es folgten drei Deutsche. Auf die war Bundestrainerin Ulla Ramge stolz. Lambert sei ein würdiger Weltmeister, „aber unsere Jungs haben ihn auch ganz gut vor sich hergetrieben.“ Die Bilanz der Bundestrainerin fällt positiv aus. „Die ersten fünf Herren haben richtig guten Sport abgeliefert.“

Silber und Bronze für Heiland und Brüsewitz

Jannik Heiland turnte auch heute im zerschlissenen Frack. Er hatte sich von dem Roman Polanski-Film „Der Pianist“, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Władysław Szpilman erzählt, inspirieren lassen. Barbara Rosiny longierte den Rappen Dark Beluga zu den Klavierklängen. Die technischen Noten variierten heute von 9,206 bis 9,508, Die mit 8,974 beurteilte Kür war die Zweitbeste am Abschlusstag. In Summe erzielte Heiland einen Durchschnitt von 8,606 Punkten – Silber, Vize-Weltmeister! Dahinter ging es ganz eng zu. 8,533, nach einer mit 8,68 bewerteten Abschlusskür, bedeutete die Bronzemedaille für Thomas Brüsewitz auf Danny Boy. Hier unterstützte, wie auch bei der siegreichen Mannschaft, Ex-Weltmeister Patric Looser an der Longe. Brüsewitz ließ während seinem Programm Vögel zwitschern.

Pauline von Hardenberg

Jannik Heiland gab den Pianisten. (© Pauline von Hardenberg)

Gerade einmal 24 Hundertstel Punkte Diffenrenz im Notendurchschnitt nach vier Tagen, 8,509 in der Endabrechnung, ließen Jannis Drewell den undankbaren vierten Platz einnehmen. „Ich bin enttäuscht, das war mein erstes Championat ohne Medaille, das ist auch neu für mich. Aber wir haben einen würdigen Sieger“; sagt Drewell, dessen Feliciano heute nicht „ganz so gut drauf“ war. Longenführer war Lars Hansen.

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