Zensur wegen Pandemie: Lockdown, Corona, Drosten ­– FN verweigert beliebte Pferdenamen

Erster-April-2021

Namen

Die Gedanken sind frei, die Kreativität aber eingeschränkt. Die Corona-Pandemie äußert sich nicht nur in Ausgangssperren und Turnierverboten für Nicht-Profis. Jetzt schlägt sie sich auch im Verwaltungstrakt der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nieder: Eine schwarze Liste nennt Namen, die nicht mehr an deutsche Pferde vergeben werden dürfen. St.GEORG hat nachgehakt.

„Meghan Markle“ geht, „Mutti Merkel“ nicht. Die FN hat ihre eigenen Konsequenzen aus der Pandemie gezogen. Alles, was in irgendeiner Weise an Corona erinnert, darf nicht mehr als Namen eines in die Liste 1 als Turnierpferd in Deutschland einzutragenden Equiden Verwendung finden. Das besagt eine offiziell nicht veröffentlichte Dienstanweisung, die dem St.GEORG vorliegt. Darin heißt es unter anderem, „wie Sie wissen, sind die Reitsportler:innen vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen und deswegen steht der Pferdesport unter kritischer Beobachtung auch durch andere Sportverbände.“ Es wird deshalb um „behutsamen Umgang“ bei der Namensvergabe gebeten. Dahinter steht die Befürchtung, dass Politiker Bezüge zwischen Pferdenamen und Vorkommnissen während der vergangenen zwölf Monate herstellen könnten, die sich für den Reitsport negativ auswirken könnten.

Schmähbrief an Soenke Lauterbach

Auslöser für die neue Sensibilität bei der Namensvergabe soll unter anderem auch ein Brief an FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach sein, in dem eine bislang unbekannte Gruppe, „Querreiter 2021“, den obersten Mann in Warendorf aufforderten, „seinem dämlichen Bruder Karl mal das Maul zu verbieten.“

Lauterbach zählt zu den Namen, die auf der schwarzen Liste stehen. Politikernamen sollten tunlichst vermieden werden, so die interne FN-Direktive. Eine Quelle, die nicht genannt werden möchte, bestätigte St.GEORG, dass Politikernamen durchaus als Pferdenamen gefragt wären. „Es ist aber auch sehr personenabhängig“, so die Quelle. So sei der Name des Verkehrsministers Scheuer aus zwei Gründen gesperrt. Erstens weil die Assoziation „bescheuert” generell nicht zu Pferden passe und zweitens, weil aufgrund der Maskenaffäre alles, was im entferntesten mit „verscheuert” in Verbindung gebracht werden könnte, seitens Union-nahen Juristen mit Klagen bedacht würde. Scheuer stünde aber auch nicht hoch im Kurs auf den Namenswunschlisten.

Laschet sei bislang noch gar nicht nachgefragt worden, sagte eine FN-Mitarbeiterin. Söder hingegen mehrfach. „Und einen gekörten Stoiber gibt es ja eh schon.“ Bei Lindner denke man ja mehr an 75 Prozent und ein junges frisches Dressurgesicht als an unter 10 Prozent, Porsche und Haarimplantat.

Drosten sei derzeit einer der häufigsten Namenswünsche. Diesem könne aber nicht entsprochen werden. Charité v. Casall, Virologe v. Vivaldi und Triage v. Totilas seien hingegen schon registriert.

Abstrakte Begriffe problemlos

Keine Probleme gäbe es hingegen bei „Begriffen aus dem wissenschaftlich-gesellschaftlichen“ Umfeld. So seien im dritten Quartal 2020 gleich mehrere Stuten unter dem Namen Mutante eingetragen worden. „Wir hatten auch eine Anfrage auf ,Notbremse‘,“ so die nicht genannte Quelle aus der FN. „Das haben wir für einen schlechten Scherz gehalten und erstmal nicht bearbeitet“. Was aber falsch war, denn der Züchter, der seine Stute so eintragen lassen wollte, verwies auf legendäre Stuten wie „Ofenröhre“ (Beberbeck), „Wolgarune“ (Hannover) und „Tapete“ (Trakehnen) und drohte mir rechtlichen Schritten. „Notbremse haben wir dann im Schnellverfahren eingetragen“, so die FN-Mitarbeiterin.

Markennamen stellten ein weiteres Problem dar. „AstraZeneca ist eher selten angefragt, aber das müssen wir wegen des Copyrights ablehnen.“ Einen Tipp hat man aber in Warendorf parat: Man könne sich helfen, in dem man die Schreibung leicht verändere. „Astra Seneca – also der Stern und der römische Philosoph, sind doch eine denkbare Alternative“ .

Um eine Verwirrung bei der Eintragung zu vermeiden, soll nun eine App entwickelt werden, die problematische Namensgebungen verhindert. Dafür gibt es einen ersten Arbeitskreis, der sich „voraussichtlich noch in diesem Jahr“ zu seiner konstituierenden Sitzung treffen möchte. Bis zum zweiten Quartal 2022 sollen dann die Meinungen der Landesverbände gehört und in den Prototyp der App eingearbeitet werden. „Der Launch ist für das Bundeschampionat 2022 geplant, das erschien allen Beteiligten eine gute, zeitnahe Idee“, so die nicht genannte Quelle.

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Update 2.4.2021: Unser Beitrag zum 1. April 2021

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