75 Macher-Jahre – Paul Schockemöhle hat Geburtstag

Paul Schockemöhle 75

Paul Schockemöhle zum 75. Geburtstag (© Toffi, Schreiner, Müller)

Paul Schockemöhle hat immer ein großes Rad gedreht, schon als Teenager. Manchmal geriet es ins Stocken, aber es ging immer weiter. Heute wird der Selfmade-Millionär 75 Jahre alt.

Schon als Teenager war Paul Schockemöhle – das jüngste von fünf Kindern – ein bisschen anders, vor allem aus heutiger Sicht. Ausbildung? Ja, kann man machen. Aber man kann ja auch direkt Geld verdienen. Das tat Paul Schockemöhle schon mit 14. Für eine Mark pro Stück kaufte er gebrauchte Schulbücher seiner Mitschüler, um sie dann für zwei Mark an die nächste Generation weiterzuverkaufen. Einfach wie genial.

Die nächste Einnahmequelle waren Hühner, oder viel mehr deren Eier – und zwar im ganz großen Stil. Auf dem elterlichen Hof baute er einen Hühnerstall. Zwei Jahre später, mit gerade mal 18 Jahren war er der größte Eierproduzent Europas. Er machte zwar Abitur und begann auch ein Betriebswirtschaftsstudium, aber wie man Geld verdient brauchte ihm niemand beizubringen.

Heute sind es eine Spedition, Immobilien, die Turniermarketingfirma PST und vor natürlich auch die Pferde, mit denen „PS“ sein Geld verdient. Wenn im internationalen Sport ein Pferd auftaucht, dessen Name offensichtlich aus Vater und Muttervater zusammengesetzt ist, dann kam es meistens im Gestüt Lewitz zur Welt. Und von der Sorte gibt es immer mehr, mal in deutschem Beritt, häufiger aber unter ausländischer Flagge.

Paul Schockemöhle erkennt ein Pferd, wenn er es vor sich hat. So war Chacco-Blue seinerzeit sein Lieblingshengst. Wie genial sich dieser Mecklenburger vererbt, wird es heute, Jahre nach seinem tragischen Tod, so richtig deutlich.

Bei Anblick von Totilas, den Schockemöhle nach den Weltreiterspielen in Kentucky als dreifachen Weltmeister für einen angeblich achtstelligen Betrag gekauft hat, sollen ihm schon mal Tränen gekommen sein. Vielleicht einer der wenigen Momente, in dem das Pferdeliebhaberherz Regie geführt hat bei der Entscheidungsfindung.

Paul Schockemöhle, der Reiter

Als Pfleger des Pferdes seines sieben Jahre älteren Bruders Alwin, des Olympiasiegers von 1976, hat Paul Schockemöhle erstmals olympische Turnierluft geschnuppert. Das war 1968 in Mexiko. Selbst ist „PS“ erst mit 23 in den Sport eingestiegen – und hat es trotzdem bis an die Weltspitze geschafft. Dabei gab es mehrere vierbeinige Partner des Erfolges. Aber nur einen Deister.

Dreimal in Folge wurde Paul Schockemöhle Europameister, jedesmal im Sattel des Hannoveraners Deister, dessen Name auf ewig mit dem von Paul Schockemöhle verbunden sein wird. Ein Dressurpferd, das keine Lust hatte aufs Viereck und auch ansonsten in seiner Jugend als eher schwierig galt, und ein Reiter, dem man ebenfalls nachsagt, seinen eigenen Weg zu gehen, das passte! Übrigens war es Ullrich Kasselmann, der Deister bei der Verdener Auktion ritt.

Die Pferde Schockemöhles wurden früher oder später verkauft. Deister nicht. Er starb im Jahr 2000 mit 29 Jahren auf Schockemöhles Hof in Mühlen.

Paul Schockemöhle, der Trainer

Was haben Franke Sloothaak, Ludger Beerbaum, Otto Becker und Meredith Michaels-Beerbaum gemeinsam (abgesehen davon, dass sie alle olympische Medaillen für Deutschland gewonnen haben)? Richtig, sie alle sind durch die Schule von Paul Schockemöhle gegangen. Sie und noch viele Reiter mehr.

So bereiteten sich die Saudis 1996 auf die Olympischen Spiele in Atlanta bei PS vor. Zudem war er für Südkorea, China, die Ukraine und Japan in olympischer Mission im Einsatz.

Paul Schockemöhle gilt als einer der einflussreichsten Menschen der Pferdewelt – ob nun als Trainer, Vermarkter oder Turnierveranstalter. Aber es lief nicht immer alles nur glatt.

Paul Schockemöhle, der Pragmatische

Seine eigene Karriere im Sattel hängte Paul Schockemöhle 1989 an den Nagel. Ein Jahr später kam die „Barr-Affäre“. Stern TV veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen junge Auktionspferde mittels Stangenschlägen zu besserem Springen gebracht werden sollten.

Dies waren nicht die einzigen negativen Schlagzeilen um die Person PS. Knapp zehn Jahre später war ihm das Finanzamt auf den Fersen. Steuern zu hinterziehen ist kein Kavaliersdelikt. Einer Strafverfolgung konnte Paul Schockemöhle entgehen, indem er zehn Millionen Mark Strafe zahlte.

Er steht zu den Dingen, die er tut und auch denen, die er getan hat. Gegenüber der Welt sagte er anlässlich seines 70. Geburtstages: „Daraus habe ich gelernt, die Vorfälle gehören zu meinem Leben.“

Ebenso wie die regelmäßigen Besuche in der Lewitz, um die von ihm gezüchteten Jungpferde zu sichten und Talente für die kommenden Jahre zu entdecken, das Training der Japaner für die Olympischen Spiele in ihrer Heimat (so sie denn stattfinden), die Rolle des Turnierveranstalters, des Vermarkters mit seinen PSI und inzwischen auch den P.S. Online-Auktionen usw..

Mit Andreas Helgstrand hat er Ende 2018 einen Mann an die Seite geholt, der einen ähnlichen Geschäftssinn hat wie er selbst. Ob der Däne eines Tages seine Nachfolge antritt? Vorstellen kann man es sich. Aber noch nicht heute und auch nicht morgen. Die Pferdewelt ohne Paul Schockemöhle? Eines Tages sicherlich. Aber auch mit seinen 75 Jahren wirkt er nicht so, als sei das absehbar. Happy Birthday, PS!

Übrigens, wer wissen möchte, wie Paul Schockemöhle selbst auf sein Leben schaut, sollte heute Abend NDR einschalten. Um 23.15 Uhr ist PS zu Gast im Sportclub.

 

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