FN-Statistik: Zucht im leichten Aufwind, Turniersport rückläufig

Von wegen

In Sachen deutscher Turniersport sind die Statistiken von 2018 wenig erfreulich. Positive Nachrichten gibt es hingegen aus der deutschen Reitpferdezucht. (© Julia Rau)

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat die Zahlen des Vorjahres ausgewertet. Gute Nachrichten gibt es in Sachen Pferdezucht. Weniger erfreulich sind die Erkenntnisse zum Turniersportgeschehen.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 3575 Turniere mit 68.001 Prüfungen und 1,38 Millionen Starts. 2017 waren es noch 3619 Turniere. Das entspricht einem Rückgang von 1,22 Prozent. Allerdings lohnt sich ein Blick in die Klassifizierungen der Turniere. Denn bei den Turnieren mit Preisgeldern bis 5000 Euro konnte sogar ein leichtes Plus verzeichnet werden. Signifikant ist hingegen der Rückgang bei den Turnieren mit Gewinnen zwischen 5000 und 10.000 Euro.

Das interpretiert der Leiter der Abteilung Turniersport bei der FN, Friedrich Otto-Erley, so: „Diese Zahlen passen zu unserer Erkenntnis, dass die Zahl der ländlichen Ein-Turnier-Veranstalter in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Laut unseren Berechnungen macht insgesamt nur noch Drittel aller Reitvereine überhaupt ein Turniersportangebot. Dass die Gesamtzahl an Turnieren dennoch weitgehend konstant geblieben ist, ist nur den professionellen neuen Turniersportzentren zu verdanken, die mehr als fünf oder sogar mehr als zehn Turniere im Jahr ausrichten.“

Ein Beispiel dafür wäre etwa Risenbeck International von Ludger Beerbaum, wo mehrfach im Jahr Late Entry-Turniere stattfinden.

Die Schere klafft auseinander

In Sachen Prüfungsangebot wurde ein Minus von rund zwei Prozent festgestellt. In Zahlen bedeutet das 68.001 Prüfungen 2018 im Vergleich zu 49,481 Prüfungen in 2017. Interessant: Es gibt mehr E- und mehr S-Prüfungen. Dazwischen sinkt das Angebot. Prüfungen der Klasse L sind um 2,51 Prozent zurückgegangen, Prüfungen der Klasse A um 3,5 Prozent.

Interpretation: „Die Zahlen zeigen, dass die Schere im Turniersport weiter auseinandergeht. Auf der einen Seite wächst die Zahl der Profis und ambitionierten Amateure, denen es gelingt, im ‚gehobenen‘ nationalen Sport Fuß zu fassen. Auf der anderen Seite stehen die, denen das Angebot auf dem leicht zugänglichen E-Niveau offenbar ausreicht oder denen die Zugangsvoraussetzung für die Klasse A und L noch zu hoch gesteckt sind. Das spiegelt auch der deutliche Rückgang an abgelegten Abzeichenprüfungen wider, der für den Start in eine weitere Turniersportkarriere ja erforderlich ist. Die Zahlen werden noch genau zu analysieren sein!“, so Otto-Erley.

Startrückgang bedenklich

Die FN selbst nennt den Rückgang an Turnierstarts ingesamt „bedenklich“. 2018 waren es so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. 2016 gingen in Springpferdeprüfungen noch 170.849 Teilnehmer an den Start, 2018 waren es nur noch 150.609 Paare.

In Springprüfungen waren es 2018 769.743 Reiter-Pferd-Kombinationen statt zuvor 815.465. In Dressurpferdeprüfungen sank die Zahl in den vergangenen Jahren von 45.711 auf 40.616, in Dressurprüfungen von 354.133 auf 345.449.

„Hierfür gibt es sicherlich mehrere Gründe, dazu gehört die Möglichkeit zur Startplatzbegrenzung durch die Veranstalter, aber auch Egoismus unter den Reitern“, so Otto-Erley. „Da werden beispielsweise zwei Prüfungen genannt, auch wenn klar ist, dass laut Ausschreibungshandicap nur eine davon geritten werden darf.“ Das hat auch Auswirkungen auf die Starterfüllung. Diese betrug 2018 durchschnittlich 66 Prozent – und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine unbegrenzte oder eine NeOn-max-Prüfung handelte.

Weniger neu eingetragene Pferde

Die Zahl der Turnierstarts und Neu-Eintragungen – gerade in Jungpferdeprüfungen – steht möglicherweise in direktem Zusammenhang mit den Rückgängen der Bedeckungszahlen in den vergangenen Jahren. 2018 waren 135.133 Pferde als aktiv am Turniersport beteiligt eingetragen. 2017 waren es noch 137.806 und 2016 141.240. Nur 7,53 Prozent der Pferde davon sind drei- und vierjährig. Was aber theoretisch auch darauf hindeuten könnte, dass die Pferde später angeritten und aufs Turnier geschickt werden.

Ebenfalls auf dem absteigenden Ast sind die Männer im Reitsport. Seit 1998 ist die Gesamtzahl der Reiter mit Jahresturnier-Lizenz von 92.832 auf 81.344 gesunken. Bei den Männern hat sich die Zahl fast halbiert: von 25.129 Reitern in 1998 auf 10.530 Herren im Jahre 2018.

Leistungsklasse 7 noch wenig genutzt

2018 wurden deutlich weniger Schnupperlizenzen an Turniereinsteiger ausgestellt. Waren es 2017 noch 8.087, sind es jetzt nur noch 6.848 (-15,35 Prozent), davon rund ein Sechstel im Rheinland. „Dieser Rückgang hängt möglicherweise mit der Einführung der Leistungsklasse 7 zusammen. Zu Beginn des Jahres haben die WBO-Veranstalter häufig vergessen, ihre Wettbewerbe dafür zu öffnen, was die Schnupperlizenz natürlich unattraktiv für einige gemacht hat. Das hat sich nun glücklicherweise herumgesprochen, so dass wir fürs kommende Jahr wieder auf einen Zuwachs hoffen“, sagt Otto-Erley. Von den 6.848 Schnupperlizenzinhabern erwarben im laufenden Jahr 1.104 in Jahresturnierlizenz.

Positive Nachrichten aus der Abteilung Zucht

In 2018 haben sowohl die Bedeckungszahlen als auch die der neu geborenen Fohlen wieder zugenommen als auch die der eingetragenen Zuchtstuten. 2017 waren 80.416 Stuten über alle Rassen hinweg registriert, 2018 waren es 81.140.

Die Bedeckungen gingen um 0,5 Prozent rauf, von 44.978 auf 45.202. Kamen 2017 noch 37.080 Fohlen zur Welt, waren es 2018 schon 38.298 Pferdekinder – ein Plus von 3,2 Prozent.

Einen Abwärtstrend gibt es hingegen bei den eingetragenen Hengsten. 2017 waren noch 7610 Hengste registriert, 2018 nur noch 7.544.

Erfreulich bleibt der Trend bei den Reitpferden, was insbesondere der Entwicklung in der deutschen Warmblutzucht zu verdanken ist. Zum zweiten Mal seit 2013 überstieg hier die Zahl der Bedeckungen die 30.000er Marke und lag bei 31.327 (2017: 31.109). Die Zahl der registrierten Fohlen lag bei 25.560, was einem Plus von rund 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (2017: 24.460). Damit verbunden stieg auch die Zahl der Zuchtstuten erneut an, von 51.114 auf 51.649, das sind 1,0 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weiterhin rückläufig ist allerdings die Zahl der leistungsgeprüften Stuten in der Zucht. 2013 gingen Züchter noch mit 2.701 Stuten zur Stutenleistungsprüfung. Im vergangenen Jahr lag deren Zahl bei 1.941. „Hier wirken sich nach wie vor die bedeckungsschwachen Jahrgänge aus. Zudem werden in der heutigen Zeit auch einige Stuten im Sport gezeigt, so dass die Stutenleistungsprüfungen auf Station und im Feld nicht mehr die einzige Prüfungsart für Stuten sind. Nichtsdestotrotz müssen wir weiterhin für eine erfolgreiche Pferdezucht darauf Wert legen, dass auch Leistungsinformationen von den Zuchtstuten vorliegen“, ist sich Theodor Leuchten sicher.

Erfreulich ist dagegen die Entwicklung der Hengstleistungsprüfung. Wurden im Jahr vor der HLP-Reform gerade einmal 280 Hengste geprüft, waren es 2016 bereits 375 Junghengste, im vergangenen Jahr 449. Vor allem die Sportprüfung erfreut sich zunehmender Akzeptanz. Stellten sich im ersten Jahr nur 38 Hengste dieser Form der HLP, hatte diese 2018 mit 182 Probanden den höchsten Beschickungsanteil innerhalb des HLP-Konzeptes. Die Zahl der eingetragenen Hengste blieb bei den Warmblütern im vergangenen Jahr weitgehend identisch (2.398 statt 2.399).

Im Aufwind sind auch die Zahlen bei den Ponys und Kleinpferden. Hier wurden 2018 19.589 Stuten (2017: 19.568), 9.847 Bedeckungen (2017: 9.631) und 8.432 Fohlen (2017: 8.336) gezählt. Dies ist – anders als im Vorjahr – vor allem auf ein deutliches Plus bei den Deutschen Reitponys zurückzuführen. Hier stieg die Zahl der Stuten von 4.828 auf 5.033, die Zahl der Fohlen von 2.347 auf 2.403. Der Anstieg der Bedeckungen von 2.408 auf 2.630 deutet die Fortsetzung dieser positiven Entwicklung an. „Aktuell entdecken viele Erwachsene das Pony für sich. Zudem ist die Nachfrage nach gut gerittenen, braven Ponys bei vielen Eltern sehr hoch, denn heute sind die Kinder schon im jungen Alter im Sport unterwegs“, so Leuchten. Eher rückläufig im Vergleich zu 2017 sind dagegen die Zahlen bei den Haflingern, Edelbluthaflingern, Welsh Ponys und Fjordpferden.

www.pferd-aktuell.de

 

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