Statements zum Fall Fuchs von FEI und Schweizer Stiftung für das Tier im Recht

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Martin Fuchs (© Pauline von Hardenberg)

Nun haben sich auch der Weltreiterverband FEI und die Schweizer Stiftung Tier im Recht, der die Anzeige gegen Martin Fuchs wegen des Vorfalls auf dem Turnier in Linz erstattet hat, zu Wort gemeldet.

Der Weltreiterverband erklärt: „Die FEI bestätigt, dass der Reiter nicht sanktioniert wurde, weil er keinen Regelbruch begangen hat. Das Pferd wurde durch den Steward untersucht (was üblich ist bei internationalen Turnieren, Anm. d. Red.), der keinerlei Auffälligkeiten gemeldet hat, und der Reiter ist sofort freiwillig zu den Richtern gegangen, um die Situation zu erklären.“

Das FEI-Reglement hat den Gebrauch von Gerten klar definiert. In Artikel 243.2.2. heißt es dazu:

Exzessiver Gebrauch der Gerte

  • Die Gerte ist nicht dazu da, dass der Reiter seine Wut abreagieren kann. Ein solcher Gebrauch ist immer exzessiv.
  •  Auf den Kopf des Pferdes zu schlagen, ist immer exzessiv.
  • Ein Pferd sollte nie mehr als dreimal in Folge geschlagen werden. Wenn die Haut verletzt ist, wird es immer als exzessiver Gertengebrauch angesehen.
  • Die Gerte darf nicht nach Ausschluss angewendet werden.

Wenn ein Reiter des Missbrauchs bzw. des übertriebenen Gertengebrauchs überführt wird, wird er disqualifiziert und kann nach Ermessen der Richter mit einer Geldstrafe belegt werden.

Auf unsere Bitte nach einem Statement schickte die FEI zudem folgendes:

„Darüber hinaus ist es wichtig hervorzuheben, dass die FEI über umfassende Regeln und Anforderungen verfügt, die im FEI-Verhaltenskodex für das Wohlergehen des Pferdes dargelegt sind. Diese spiegeln den Auftrag und das Engagement der FEI wider, den Pferdesport weltweit auf moderne, nachhaltige und strukturierte Weise voranzutreiben und weiterzuentwickeln, wobei Integrität, das Wohlergehen der Athleten, Chancengleichheit und eine faire und ethische Partnerschaft mit dem Pferd garantiert werden.

Es gibt Systeme und Mechanismen zum Schutz der Pferde, und die FEI prüft und untersucht kontinuierlich jeden Aspekt des Wohlergehens der Pferde, um zu sehen, wie und wo Verbesserungen vorgenommen werden können, um die besten Bedingungen für die Pferde zu schaffen.

Die FEI hat vor kurzem eine wichtige und unabhängige Kommission für Pferdeethik und Wohlbefinden eingerichtet, die unter anderem die Aufgabe hat, Schwachstellen aufzuzeigen und der FEI und der Pferdesportgemeinschaft einen Rahmen zu bieten, um die Bedürfnisse des Sportpferdes zu berücksichtigen und zu verbessern.“

Zu der neu eingerichteten Kommission, der die Neuseeländerin Prof. Dr. Natalie Waran als „international anerkannte Equine Welfare Expertin“ vorsteht, gab es bereits eine Meldung auf www.st-georg.de. Die ersten Ergebnisse sollen bei der FEI-Generalversammlung im November 2022 in Kapstadt vorgestellt werden.

Warum erst jetzt eine Anzeige?

Auch von der Schweizer Organisation „Stiftung für das Tier im Recht“, die Martin Fuchs angezeigt hatte, haben wir nun eine Antwort auf die Frage erhalten, warum die Anzeige erst drei Monate nach dem Vorfall gestellt wurde.

Dazu sagt Tier im Recht:

„Wir wurden im Mai über den Vorfall informiert, konnten jedoch zunächst das Videomaterial nicht einsehen. Die Meldung umfasste den Hinweis auf die Videoplattform ClipMyHorse. Eine Suche nach der Sequenz von Martin Fuchs blieb allerdings erfolglos bis klar wurde, dass dieses Video von der Plattform offenbar nicht oder nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht wurde. Der Ritt von Martin Fuchs war weder über die Navigation der Veranstaltung abrufbar bzw. gelistet noch mit der Suchfunktion zu finden. Nur über den vorherigen Durchgang konnte es noch eingesehen werden, sofern dem Suchenden die Startreihenfolge bekannt war.

Eine weitere Verzögerung erfolgte, weil wir zunächst die Aktualisierung der Warning-Card-Liste abwarten wollten, um zu sehen, ob seitens der FEI eine Verwarnung ausgesprochen worden war. Von der FEI haben wir übrigens bis heute keine Antwort erhalten.

Nach unserer Einschätzung liegt auf Grundlage der Schweizer Tierschutzgesetzgebung ein Tierschutzverstoss vor. Anfangs Juni setzten wir uns mit der Ombudsstelle in Österreich in Verbindung, um deren Einschätzung zum Vorfall nach österreichischem Recht zu erhalten. In der Folge gelangten wir an die für die Untersuchung des Vorfalls zuständigen Behörden.

Erst später entschieden wir uns zusätzlich dafür, die Öffentlichkeit zu informieren, weil die verbandsinternen Kontrollmechanismen offenbar nicht greifen. Nur wenn solche Fälle aufgezeigt und geahndet werden, kann die Gesellschaft sensibilisiert werden, um nachhaltig einen respektvollen und gewaltfreien Umgang mit Pferden zu erzielen. Sportpartner schlagen sich nicht – hier muss unbedingt und endlich ein Umdenken im Reitsport stattfinden.“

Fuchs selbst hatte bereits am Samstag eine Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben, die Sie hier nachlesen können.

  1. Norbert Fischer

    Martin Fuchs: Erfolgsreiter oder Pferdeschinder ???

    Nach mehrmaligem Ansehen des Videos, habe ich festgestellt, dass da ein Prügelknabe im Sattel sitzt. Wer sich traut, in der Öffentlichkeit und Anwesenheit einer Jury, ein äußerst verängstigtes
    Perd, mit der Peitsche und den Sporen zu traktieren, wird vermutlich auch beim Training hinter
    verschlossenen Türen, bereit sein, unerlaubte haarsträubende Mittel anzuwenden.
    Martin Fuchs wird derzeit, im Alter von 29 Jahren, als “ Weltranglisten-Erster “ der Springreiter, in
    den Medien beschrieben. Er war bisher sozusagen, quasi ein Dauersieger. Dauersieger wenden
    meist besondere Methoden an, sonst wären sie keine. Aus der Erfahrung heraus sollten Dauersieger unter besondere Beobachtung gestellt werden, denn es wurden schon einige wegen Tierquälerei entlarvt.
    Pferdesport-Wettbewerbe sollten verboten werden, um der Tierqulerei hier Herrzuwerden !!!
    Die übermässig hohen Preisgelder, in den oberen Klassen, sind verführerisch für viele Reiter.
    Nach jahrzehntelanger Beobachtung habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele Turnierrichter
    wie charakterschwache Feiglinge ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.

  2. [email protected]

    Ich kann mich da meinem Vorkommentator nur anschließen. Dieser „Sport“ existiert nur um sich selbst zu erhalten. Völlig sinnlos und zudem tierquälerisch. Allein der Satz: Ein Pferd sollte nie mehr als dreimal in Folge geschlagen werden. -Was stimmt mit euch denn nicht? Ein Pferd sollte GAR NICHT geschlagen werden. In Dtl gibt es dazu Tierschutzgesetze (die aber leider komplett ignoriert werden, insbesondere von Sportreitern). Hoffentlich gibt dieses Verhalten dem Ein oder Anderen doch ein Wink mit dem Zaunspfahl von jeglicher Form von Pferdesport so viel Distanz wie möglich zu nehmen. Man kann mit seinem Pferd als Freizeitpartner viel sehr schöne und für beide Seiten stressfreie Zeit haben. Das funktioniert mit Empathie und Einfühlungsvermögen. In diesem Artikel und den meisten dieses Blattes geht es um Personen, denen jene Empfindungen gänzlich unbekannt sind.
    Es ist doch mittlerweile auch wissenschaftlich hinterlegt, dass Sport im beschriebenen Sinne, sei es Dressur, sei es Springen oder wie der ganze Müll auch heißen mag, gesundheitsschädlich für die Tiere ist, insbesondere im Hinblick auf mittel- bis langfristige Schäden. Es ließt sowieso niemand die Kommentarsektion, deshalb spare ich mir jetzt mal Quellen, auf Nachfrage aber immer gern.
    Pferdesport gehört abgeschafft. Sage ich als Besitzer zweier Freizeitpferde, die geliebter Teil meiner Familie sind.

  3. Monika König

    Diese Hetzerei gegen den Turniersport geht mir mittlerweile ziemlich gegen den Strich. Natürlich ist es ein NoGo, ein Pferd zu schlagen oder sonst irgendwie zu quälen. Aber ist das denn ausschließlich im Sport der Fall? Meint ihr, nur weil ein Pferd ein „Freizeitpferd“ ist, geht es ihm automatisch besser? Wieviel Pferde werden einfach nur deshalb gequält, weil der Mensch, der da draufsitzt, keine Ahnung davon hat, was reiten bedeutet und in seiner Vermessenheit es nicht mal für nötig hält, sich um qualifizierten Unterricht zu kümmern. Der das Pferd in den Bauch boxt, mit der Gerte schlägt, am Zügel reißt und dem armen Tier in den Rücken fällt, weil er sonst nicht weiß, wie er erreichen soll,was er will. Das sieht man nicht, weil da im Regelfall die Öffentlichkeit fehlt. Keiner, der filmt und das Video hochlädt….heute war eines meiner Ponys bei der Osteopathin. Die war begeistert, wie beweglich das Pony ist und in welchem hervorragenden Zustand. Dieses Pony ist jahrelang im Turniersport gelaufen. Mit Reitschülern in Dressur und Springen in den unteren Klassen, im Zweispänner Fahren bis in die Klasse S. Das Pony ist 1,20m groß und mittlerweile 26 Jahre alt. Noch heute trägt es Kinder durchs Gelände. Turniersport macht die Pferde nicht zwingend kaputt. Und sie werden da auch nicht zwingend mehr gequält als im Freizeitsport. Es gibt solche uns solche. Auf beiden Seiten. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass es den Pferden gut geht. Auf beiden Seiten…..

    • Norbert Fischer

      Aufklärung über Tierquälerei vor und während Reitsportwettbewerben ist keine Hetzerei.
      Echte Pferdefreunde denken darüber nach und versuchen die Missstände zu beseitigen.


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