Daniel Deußer im Finale: Nur einer kam durch

Jumping Individual Round 1 – Olympic Games Tokyo 2020

Daniel Deußer und Killer Queen, Tokio Olympia 2021 (© hippofoto.be)

Der Weltranglisten-Erste Daniel Deußer kann Mittwoch mit Killer Queen um die Medaille in der Springreiter-Einzelwertung kämpfen. Als einziger deutscher Reiter blieb er in der Qualifikation fehlerfrei. Seine Teamkollegen André Thieme auf Chakaria und Christian Kukuk auf Mumbai kassierten beide einen Abwurf und gehören deswegen nicht zu den 30 Besten des 73 Reiter starken Feldes, die sich für das Finale qualifizierten.

Beiden wurde Hindernis fünf zum Verhängnis, eine blauweiße Triplebarre, zwei Meter breit und hinten 1,60 Meter hoch, vom Ausgang weg zu springen. Thieme bekam bereits am Sprung zuvor, dem Aussprung der Dreifachen Kombination Probleme. „Ich wusste, Chakaria ist übervorsichtig, besonders mit dem Flutlicht.“ In der Wendung auf die Triplebarre zu klebte die Stute am Ausgang und zog nicht richtig zum Sprung. Statt wie geplant sie flott galoppieren zu lassen, musste er energisch zureiten, die Distanz passte nicht mehr und die Stangen flogen ihm um die Ohren. „Es war meine Schuld, so etwas hätte mir nicht passieren dürfen“, sagte er. „Hut ab, wie das Pferd danach weitergesprungen ist und den Parcours beendet hat, am Ende waren wir ein schneller Vier-Fehler-Ritt. Dadurch, dass mir so ein Fehler unterlaufen ist, der mir normalerweise nicht passiert und mir auch nicht passieren darf, ist das natürlich wahnsinnig enttäuschend.“

Christian Kukuk und Mumbai fingen gut an. „Ich hatte einen guten Anfang, guten Rhythmus“ sagte Christin Kukuk. „Mein Pferd sprang unheimlich aufmerksam, ist mir gut gefolgt. Dann hatte ich das Gefühl, dass er ein wenig schwerfällig aus der Dreifachen Kombination rausgesprungen ist, und am Sprung danach, an der Triplebarre, hatten wir dann auch den Fehler. Im Nachhinein habe ich gesehen, dass er sich tatsächlich direkt vor der Triplebarre erleichtern musste, quasi im Absprung. Wir können uns alle vorstellen, dass das nicht das angenehmste Gefühl ist, vor allem nicht, wenn man dann eine 1,60 Meter mal 2 Meter Triplebarre springen muss. Dafür muss ich sagen, hat er das echt noch ganz gut gemacht. Wir haben so eben die Weite nicht gekriegt.“

Die Hoffnungen des Bundestrainers im Einzelfinale ruhen nun ganz auf Daniel Deußer. „Daniel fand ich überragend, der hat mit Killer Queen eine souveräne Runde gedreht. Da war kein Wackler drin. Sowohl Pferd als auch Reiter waren auf den Punkt fit. Ich glaube, bei den anderen beiden hat man doch gemerkt, dass auf dem Niveau ein bisschen die Erfahrung fehlt. Ich glaube, dass die späte Startzeit, der späte Startplatz den beiden nicht zum Vorteil gereicht hat. Sie mussten lange warten, mussten sich viele Reiter angucken. Das ist in so einer Situation nicht unbedingt hilfreich. Für Mittwoch hoffe ich, dass Daniel wieder so eine Traumrunde dreht.“ Deußer selbst war nicht ganz so zufrieden. „Killer Queen war heute noch etwas frisch“ sagte er. Auch er sei an die Triplebarre „mindestens einen halben Meter zu groß“ gekommen.

Mit 30 fehlerfreien Ritten, davon 27 auch ohne Zeitfehler, hatte wohl niemand gerechnet. Die Abwürfe verteilten sich über den ganzen Parcours, der zum Teil mit optisch ungewöhnlichen Hindernissen bestückt war. Viele Pferde guckten zu dem übermenschlich großen Soumo-Ringer, der neben einem luftigen Steilsprung hockte. Auch eine schmale grüne Mauer ohne Seitenteile war ein Hingucker, sie wurde aber weitgehend problemlos gesprungen. „Die Top-Pferde kennen heute alle möglichen Mauern“, sagte Deußer, „deswegen nimmt Otto auf Championate ja am liebsten auch Pferde, die sowas kennen.“ Für den weiteren Verlauf erwartet er noch mehr optische Überraschungen. „Da kommt sicher noch was“, sagte er.

Jeder Springfehler bedeutete schon das Aus im Kampf um die Medaillen. Da erwischte es auch Prominenz, wie den Schweizer Steve Guerdat oder die US-Reiterin Laura Kraut. Andere liefen unerwartet zu großer Form auf, etwa die beiden Japaner Daisuke Fukushima auf Chanyon und Koki Saito auf Chelensky. Ihr Trainer Paul Schockemöhle stand im Mannschaftsdress am Einritt und beobachte seine Schüler aufmerksam. Der schnellste Nullfehlerritt gelang dem Briten Ben Maher auf Explosion, nicht erst seit gestern einer der Favoriten für Olympiagold. Heute werden die Karten neu gemischt, dann fangen alle wieder bei Null an.