Marco Kutscher gewinnt Championat von Leipzig 2019

Er war wirklich mal wieder dran: Marco Kutscher sicherte sich in einem Zwei-Reiter-Stechen auf dem zehnjährigen Charco v. Chin Quin das zweitwichtigste Springen in den Leipziger Messehalle, das Championat.

„Ich war die ganze Zeit weg, jetzt bin ich wieder dran“, kommentierte Kutscher den Sieg auf seine Weise. Es war ein eher ungewöhnliches Springen, denn nur zwei von 45 Reitern bewältigten den Kurs von Frank Rothenberger ohne Abwurf und Zeitfehler. Der zweite war Christian Ahlmann auf dem Sohn seines legendären Taloubet Z, dem zehnjährigen Hengst Take your chance on me Z.

Die Siegchance verpasste das im Stechen als erstes startende Paar, als der Hengst vor einem sehr schräg angerittenen Steilsprung die Notbremse zog. War wohl noch ein bisschen früh für so ein gewagtes Manöver. „Das kann passieren. Das müssen wir lernen“, hakte Ahlmann das Missgeschick unter ‚Erfahrung gesammelt‘ ab. Am Ende standen 17 Fehler zu Buche und machten für Kutscher die Siegesstraße frei, der sich sogar noch einen Abwurf erlaubte.

Knapp bemessene Zeit

Noch zwei Reiter blieben zwar ohne Abwurf, schafften es aber wegen eines Zeitfehlers nicht ins Stechen: Daniel Deusser auf Jasmien (1/60,22) auf Platz drei vor dem Brasilianer Yuri Mansur auf Ibelle (1/60,75). „Unsere ganze Reisegruppe auf dem Treppchen“, freute sich Marco Kutscher. Er wird nämlich zusammen mit Ahlmann und Deusser direkt von Leipzig aus nach Ischgl in den Skiurlaub fahren und für ein paar Tage alle bunten Stangen vergessen.

„Es ist lange her, dass ich ein besseres Springen gewonnen habe. Dann noch hier in Leipzig vor heimischem Publikum, das ist immer etwas Besonderes“, sagte der 43-Jährige und erklärte: „Das ganze Springen war schon ein bisschen kurios. Beim Abgehen des Parcours hätte ich nicht damit gerechnet, dass es so wenig Nullfehlerrunden gibt.“

Charco ist bereits unter dem Sattel des Doppel-Europameisters von 2005 seitdem er siebenjährig ist. „Er macht sehr gut mit und liegt mir sehr. Ich bin sehr froh, dass ich ihn hab. Es macht auch sehr viel Spaß, wenn man ein Pferd so in- und auswendig kennt. Ich bin sehr gespannt, wie es diese Saison weitergeht“, soKutscher zuversichtlich.

Stellte sich am Ende die Frage, warum die Jury nicht das Zeitlimit erhöhte, als klar wurde, wie eng die Zeit bemessen war. „Natürlich ist es ein schmaler Grat“, gab Kutscher zu, „aber das war ein 1,50 Meter-Springen, da ist natürlich auch die Zeit ein Kriterium.“

Zehn Reiter kamen mit einem Abwurf in der Zeit aus dem Kurs, fünf weitere Vier-Fehler-Reiter schafften die Zeit nicht, wobei natürlich durch den engen Zeitrahmen auch etliche Fehler provoziert wurden. Sie verteilten sich ziemlich gleichmäßig über den Kurs, die Schwerpunkte lagen auf einem schwer zu taxierenden Wellensprung und der dreifachen Kombination, bei der nach einem mit viel Schwung anzureitenden Oxer die Pferde deutlich zurückgenommen werden mussten, um die beiden auf eng stehenden Steilsprünge zu überwinden.

Nicht alle Vierfehler-Starter wurden noch platziert, aber hinter den Genannten konnten noch sechs Deutsche ins Geld reiten: Hans-Dieter Dreher auf Prinz (6.), Felix Hassmann auf Balance (7.), Ludger Beerbaum auf Casall (8.) , Marcus Ehning auf Christy (9.), Karl Brocks auf Chasmo (10.) und Maurice Tebbel auf Camilla (11.)

Voltigier-Weltcup 2019

Beim Voltigierweltcup waren am Ende die Sieger von gestern auch die von heute. Janika Derks sammelte bei den Damen die meisten Weltcuppunkte (8,629), bei den Herren Jannik Heiland (8,815), beide mit Dark Beluga , Longenführerin Barbara Rosiny. Beide turnten im Prinzip ihre Kür der Weltmeisterschaft in Tryon.

Beim Pas de Deux genossen Theresa Bresch und Thorben Jacobs mit Danny Boy, an der Longe Patric Looser, ihren letzten Auftritt in Leipzig. Das Paar wird nach dem Weltcupfinale in Saumur im April die Volti-Karriere beenden und sich dem Berufsleben zuwenden, Theresa als Lehrerin für Chemie, Sport und Hauswirtschaft, Torben als Arzt. Da sie die einzigen Starter in der Pas de Deux-Klasse waren, konnten sie ihre Auftritte aus vollem Herzen genießen.

Als Ursache für die dünne Besetzung gab Bundestrainerin Ulla Ramge den späten Septembertermin der Weltreiterspiele in Tryon an. Normalerweise diene der September der „aktiven Erholung“ der Voltigierer, das war diesmal nicht möglich. Einige Paare sind seitdem getrennte Wege gegangen, andere meldeten sich verletzt ab.

Abschiede

Zwei Abschiede ließen noch einmal die Emotionen hochwirbeln: Weltmeisterin Kristina Boe und ihr vierbeiniger Partner Don de la Mar wurden in Leipzig feierlich aus den Start verabschiedet. Sie gehen wahrlich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus dem Sport. Die Unfallchirurgin aus Hamburg hat im vergangenen Jahr erst das Weltcup-Finale gewonnen, dann den CVIO Aachen und dann als krönenden Abschluss die Weltmeisterschaft der Voltigierer in Tryon. Alles Gute!

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